Text der Fabel „Der Kuckuck“ von Gellert
Christian Fürchtegott Gellert
Der Kuckuck
Der Kuckuck sprach mit einem Star,
Der aus der Stadt entflohen war.
»Was spricht man«, fing er an zu schreien,
»Was spricht man in der Stadt von unsern Melodeien?
Was spricht man von der Nachtigall?« –
»Die ganze Stadt lobt ihre Lieder.« –
»Und von der Lerche?« rief er wieder. –
»Die halbe Stadt lobt ihrer Stimme Schall.« –
»Und von der Amsel?« fuhr er fort. –
»Auch diese lobt man hier und dort.« –
»Ich muß dich doch noch etwas fragen:
Was«, rief er, »spricht man denn von mir?« –
»Das«, sprach der Star, »das weiß ich nicht zu sagen;
Denn keine Seele red’t von dir.« –
»So will ich«, fuhr er fort, »mich an dem Undank rächen
Und ewig von mir selber sprechen.«
- Diese Fabel ist eigentlich nichts anderes als ein Mythos, weil hier versucht wird, ein Naturphänomen zu erklären. Und das haben die alten Griechen ja auch gemacht, wenn sie sich Blitze als Angriffsaktionen des Göttervater Zeus vorstellen.
— - So bleibt die Frage, ob diese Fabel überhaupt eine Lehre enthält, wie man sie von anderen Fabeln kennt.
— - Was die Fabel zunächst einmal aussagt ist, dass es zu Menschen gehört, dass sie möchten, dass viel und gut von ihnen geredet wird.
— - Wenn dann jemand die Erfahrung macht, dass andere nicht gut von ihm reden, dann kann er natürlich in die Versuchung geraten, das für sich selbst zu erledigen.
— - Nur, wie soll das in der Praxis aussehen?
— - Es wird in der Regel nicht funktionieren, dass man sich selbst ständig lobt. Das fällt nämlich sehr negativ auf und führt dann eher zu einem gegenteiligen Effekt.
— - Also halten wir einfach mal als Ergebnis fest, dass es sich hier um keine belehrende, sondern um eine erklärende Fabel handelt, was eigentlich nicht typisch für die Gattung ist.
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