Roman „Unter der Drachenwand“ – Suche nach geeigneten Textpassagen für Gespräch, Analyse, Klausur (Mat2785-suche)

Worum es hier geht:

  • Für jeden Lehrer ist es eine besondere Herausforderung, in einem Roman geeignete Textstellen für Analyseübungen bzw. eine Klausur zu suchen.
  • Die müssen nämlich bestimmte Bedingungen erfüllen:
  • sie müssen genügend „thematische Substanz“ enthalten, d.h. es muss sich lohnen, sie im Hinblick auf eine bestimmte Fragestellung zu untersuchen.
  • Dann müssen diese Stellen natürlich eine passende Länge haben. Natürlich dürfen Auszüge aus einem gelesenen Roman länger sein als ein vollkommen fremder Text.
  • Ggf. muss die Aufgabenstellung angepasst werden – bei einem längeren Ausschnitt konzentriert man sich bei der Analyse gleich auf einen bestimmten Aspekt und verlangt keine Abarbeitung einer kompletten Checkliste.
  • Außerdem müssen diese Textststellen auch „über sich hinausführen“. Das heißt: Nach der Analyse muss es noch die Möglichkeit zu einer weiterführenden Aufgabenstellung geben.
  • Die kann sich auf passende andere Textstellen im Roman beziehen, die dann für eine umfassendere Beurteilung herangezogen werden.
  • Oder aber eine solche zweite Aufgabe bezieht sich auf etwas, was von außen herangetragen wird. Zum Beispiel könnte das Verhalten einer Figur im Klausurabschnitt verglichen werden mit einer psychologischen Definition.
  • Was den möglichen Einwand gegen diese Übersicht angeht, sie würde Schülern gewissermaßen mögliche Textstellen für eine Klausur „verraten“, so würden wir darauf verweisen, dass jeder Schüler diese Überlegungen vorab anstellen kann. Und je mehr Textstellen er auf ihre mögliche Eignung prüft, desto mehr hat er nachgedacht, den Unterrichtsstoff nachträglich verarbeitet und für die Klausur geübt. Jeder gute Pädagoge freut sich sicher über gute Lernergebnisse.

Im Folgenden gehen wir genauer auf interessante Passagen des Romans ein.

Vorab aber noch ein Hinweis zu unseren Seitenangaben.


Hinweise auf unsere Kapitel-Vorstellung

Unsere Seitenangaben beziehen sich in der Regel auf das E-Book.

Hier gibt es eine Umrechnungstabelle hin zu der gängigen Schulbuchausgabe.

Wir verweisen hier zunächst auf unsere Vorarbeiten auf der folgenden Seite:

https://www.einfach-gezeigt.de/geiger-drachenwand-interessante-stellen

Dort stellen wir die einzelnen Kapitel des Romans vor und verweisen dabei schon mal auf besonders interessante Passagen.

Hier gehen wir genauer auf eine mögliche Klausur-Eignung ein:


Thema „Krieg“

  • Veits Erlebnisse im Lazarett
    – Orden
    – Tötung von Pflegebedürftigen
    – Untaten in Warschau und Versuch, sie durch eine Wallfahrt zu sühnen
    – Abstumpfung gegenüber dem Sterben anderer Verwundeter
    Sehr aufschlussreich ist Veits Erkenntnis im Hinblick auf einen Orden, den er bekommt: „dass ich mich im falschen Moment am falschen Ort aufgehalten hatte, ein Orden für drei Sekunden Pech und dafür, dass ich nicht abgekratzt war.“ Sein Beifahrer ist nämlich von der Granate, die ihn verletzt hat, getötet worden – kein Leben mehr und auch kein Orden. (10)
  • EB10: „So ist auch alles Glück“
  • EB11: Ende: „sowie ich wieder allein war.“
  • Anmerkung: Wenn diese Textstelle zu kurz ist für eine Klausur, kann man zwei folgende noch mit einbeziehen:
  • den Bericht des Bäckerjungen, der auf die Tötung von Insassen eines Pflegeheims hindeutet
  • und die Erzählung des Hauptmanns von den Untaten in Warschau und der Idee, das durch eine Wallfahrt zu sühnen.
  • Ggf. kann der ganze Bereich auch etwas gekürzt werden – und dafür nimmt man noch die Stelle auf S. 11 hinzu: „Ich kann nicht ernsthaft traurig sein, wenn einer stirbt…“ bis S. 12″er würde seine ewige Qual nur vermehren.“
  • Nach der Analyse könnte man auf verschiedene Art und Weise nach der Entwicklung dieser thematischen Ansätze im weiteren Verlauf des Romans fragen:
  • So könnte eine Aufgabe etwa lauten: Wie entwickelt sich Veits Einstellung zum Nationalsozialismus und zum Krieg im weiteren Verlauf des Romans?
  • Oder aber man fragt nach der Darstellung der NS-Ideologie in Theorie und Praxis im weiteren Verlauf des Romans.
  • Oder aber man fragt nach der weiteren Entwicklung der Einstellung Veits zu Leben und Tod im weiteren Verlauf des Romans.
  • Veit will sich zu einem Onkel auf dem Land „in eine friedlichere Welt verziehen“ will (22).
  • Sehr originell ist die folgende Beschreibung der Schwierigkeiten für die Zivilbevölkerung:
    „Die Straßenbahnstation in der Nähe unseres Hauses war aufgelassen, um den Strom beim Bremsen und Anfahren zu sparen. Manche Fahrer verringerten im Bereich der Station das Tempo, damit Fahrgäste auf- und abspringen konnten. Doch für einen mit Krücken war das ausgeschlossen.“ (18)
  • Nachwirkungen der Kriegserlebnisse:
    Nach Heimkehr seltsames Erlebnis: will automatisch das (nicht vorhandene) Gewehr ablegen -> „Bruchstücke der Vergangenheit“ (29) überfallen ihn
    (***) Lektürevorschlag EB29:
    Interessant vor allem für die Frage der „posttraumatischen Belastungsstörung“
    siehe auch:
    https://www.einfach-gezeigt.de/drachenwand-teilthema-ptbs

    Von „In einem noch von der Front stammenden Automatismus“ bis „ich erinnerte mich an den Namen des Ortes: Jawkino.“

Thema: Nationalsozialistische Ideologie und ihre menschenverachtenden Auswirkungen

  • Bezeichnend ist die Art und Weise, wie auf die massenhafte Tötung von Behinderten (sog. „Euthanasie“-Morde) eingegangen wird:
  • Lektürevorschlag S. 11:
    Beginn: „Ein Bäckerjunge […] sagte, das Lazarett sei früher ein Pflegeheim gewesen“
    Ende: der Brotbedarf sei jeden Tag derselbe geblieben“
  • (*) Besuch beim Onkel: (*)
    Interessant ist sicher ingesamt das erste Gespräch zwischen Veit und seinem Onkel, der in Mondsee der wichtigste Vertreter des NS-Staates ist:
  • Von EB26 „An diesem ersten Tag begnügte ich mich damit, einen Erkundungsgang zu machen, verbunden mit einem Besuch beim Onkel“
  • bis EB29 „Ich versprach es und hinkte ab.“

Thema: Schuld und Verantwortung – unter bsd. Berücksichtigung der Seiten EB358-361

Siehe hierzu die Ausführungen zu diesem Thema auf der Seite:

https://www.einfach-gezeigt.de/drachenwand-teilthema-schuld

Es geht um die Seiten EB358-361

Wir kopieren mal die Erläuterung des Inhalts aus der entsprechenden Seite hier rein.

Das kann später noch genauer ausgearbeitet werden – entsprechend einer möglichen Aufgabenstellung.

Die könnte im 2. Aufgabenteil zu einer eigenen begründeten Stellungnahme zur Frage der Schuld entwickelt werden.

Ggf. wäre es hier sinnvoll, einen passenden kurzen Sekundärtext als Bezugspunkt mit einzubauen.

  • Veit ist auf dem Rückweg von seiner letzten Untersuchung, die ihn zwingt, nach einer kurzen Frist von zwei Tagen, wieder an die Front zurückzukehren.
  • Er sieht zunächst ihm sinnlos erscheinende Abwehrbaumaßnahmen gegen die vorrückende Sowjetarmee. Die immer wieder voll laufenden Gräben sind für ihn „Pissgruben“ und „Teil der moralischen Konkursmasse“. An diesem Zitat wird deutlich, dass Veit den Krieg nicht einfach nur als militärische Auseinandersetzung sieht, sondern auch als einen Fall von moralischem Versagen. Am besten verbindet man das mit einer früheren Einsicht, dass die mörderische Brutalität, mit der die Wehrmacht im Osten vorgegangen ist, eines Tages gegen die Deutschen insgesamt zurückschlagen würde. Und auch die Mutter von Margot hat ja Angst davor, Teil von Wiedergutmachungsarbeiten in Sibirien zu werden (vgl. EB214).
  • Es folgt die Beschreibung, wie ein Häftling von einem Wachmann totgeschlagen wird, was bei Veit zu „tatenlosem Entsetzen“ führt.
  • Dann die kurze Begegnung mit dem dem jüdischen Zwangsarbeiter Oskar Meyer, den er nicht kennt, der aber für den Leser über ein bestimmtes Halstuch kenntlich gemacht wird. Seine Augen sind „voller Vorwurf“ und später ist sogar von „verstecktem Hass“ die Rede. Hier wird deutlich, wie die Untaten vieler letztlich allen zugerechnet werden, die zu ihrem Umfeld gehören.
  • Es ist bezeichnend, dass Veit das alles direkt danach so zusammenfasst: „Ja, schade, dass das, was hinter mir liegt, nicht geändert werden kann. Was ich in den vergangenen sechs Jahren begriffen habe, ist, dass die Weisheit hinter mir hergeht und selten voraus.“
  • Es folgt ein Rückblick auf Erschießungen in der Ukraine: „Aber ich war so sehr mit meinem eigenen Los beschäftigt gewesen, dass ich mir gedacht hatte: Was gehen mich die Juden an? / Einmal besuchte mich Fritz Zimmermann, er erzählte mir manches Detail, wie es zuging in Wjasma Schitomir Winniza, dabei saßen wir in meinem LKW, und draußen rauschte ein furchtbarer Sommerregen hernieder, das gab den Berichten von Fritz Zimmermann etwas Unwirkliches. / Heute kann ich den Sommerregen und die Erzählungen trennen, sie gehören nicht zusammen.“
    Hier wird deutlich, dass er nachträglich doch die Untaten und damit auch sein Verstricktsein mehr begreift als in der damaligen Gegenwart.
  • Danach eine sehr kurze, aber umso erschütternde Einzelszene, bei der ein jüdischer Friseur wegen eines kleinen Fehlers einfach mal so erschossen wird.
  • Dann überlegt Veit, wie sein Verhältnis zu den allgemeinen Erschießungssituationen hätte sein können. Am Ende kommt das Entscheidende, nämlich der Hinweis auf eine Entwicklung, der den Einzelnen scheinbar entlastet, aber zugleich auch wieder nicht: „Nie hätte ich gedacht, dass ich je über solche Dinge nachdenken müsste. Denn über so etwas nachdenken heißt, sich damit vertraut machen, das heißt. den Begriff von Normalität verändern, langsam in eine andere Normalität hinüberwechseln“

  • Unbedingt im Auge behalten sollte man natürlich den einzig ganz klaren Fall, bei dem Veit persönlich schuldig wird, nämlich den Mord an seinem Onkel, bei dem man nur den Einfluss des Aufputschmittels Pervitin schuldmindernd berücksichtigen könnte.

Insgesamt also
  • sehr deutliche Hinweise auf die Untaten, die „in deutschem Namen“, wie man so „schön“ sagt, verübt worden sind
  • und durchaus die Erwartung, dafür auf irgendeine Art und Weise auch kollektiv zur Rechenschaft gezogen zu werden.
  • Wichtig ist auch hier ein Entwicklungsprozess, der Veit klarmacht, dass er nicht nur Opfer des Krieges ist, sondern eben auch zu den Tätern gehört und in ihren Verbrechenszusammenhang zumindest verstrickt ist.
  • Demgegenüber gibt es offensichtlich keine selbstkritische Auseinandersetzung mit der Schuld am Tod des Onkels.

Reihenfolge im Roman: Sammlung möglicher Klausurtextstellen

Aber hier haben wir die Infos zu den Stellen erst mal einfach entsprechend der Reihenfolge im Roman reinkopiert und werden die noch zielgenauer bearbeiten. Das wird auch hoffentlich dazu führen, dass wir die einzelnen Textteile thematisch gruppieren.

Sobald wir einen Textbereich genauer aufbereitet haben, machen wir dazu eine eigene Seite.

  • Unfreundliche Quartiersfrau, stellt wenigstens Strohsäcke zum Schlafen zur Verfügung
  • (**) Lektürevorschlag: S. 24 („Eine halbe Fahrstunde“) bis S. 25 („wünschte mir ein gutes Ankommen“
  • Interessantes Zitat auf S. 24, nachdem Veit auf die noch größere Kälte in Russland hingewiesen hat:
    „Da besah sie mich von Kopf bis Fuß wie ein zum Verkauf stehendes Stück Vieh.“
  • Dann auf S. 25 wird deutlich, was Traumatisierung bewirkt:
    „Mehrfach bellte der Hund … in einen akuten Alarmzustand wechselte.“

  • Er besucht seinen Onkel und trifft mit ihm zusammen auf Margarete Bildstein, eine der Lehrerinnen der Schülerinnengruppe.
    Lektüretipp: Veit und die Lehrerin
  • EB40: „Gemeinsam trafen wir auf der Straße“
  • bis EB43: „herauszukommen aus meinem Mief“

  • Die Mädchen sind sehr an Soldatengeschichten interessiert
    und wiederholen gerne irgendwelche Heldenparolen wie etwa „Mein Vater sagt, so schnell stirbt man nicht“. Veit verzichtet „darauf zu widersprechen, obwohl ich es anders erlebt hatte. Stattdessen sagte ich: ‚Diese Einstellung würde sogar einem Panzergeneral imponieren‘“.,
  • Lektüretipp: Die Mädchen Im Lager
  • EB43: „Wir erreichten das Gasthaus Schwarzindien“
    bis
  • EB45: „Und drinnen schon wieder Kommenadotöne“

  • Lektüretipp: Diskriminierung und Vertreibung einer jüdischen Familie
    Deutlich wird die Verzweiflung von Menschen, denen plötzlich ihr Zuhause genommen wird und die sich nun unter schwierigsten Bedingungen ein neues suchen müssen.
    Außerdem geht es um eine besondere Form von Enteignung, bei der man nur noch unter größten Schwierigkeiten für all das, was man nicht mitnehmen kann, noch etwas bekommt.
    Anregung: Situation und Verhalten des Direktors aus seiner Sicht in einem Gespräch abends zum Beispiel mit seiner Frau schildern.
  • EB87: „Wie’s mir geht“
    bis
  • EB87: „aber deutlich unter Wert“

  • Gespräch mit dem „Brasilianer“
  • von EB103: „Am Mittag des darauffolgenden Tages zog der Brasilianer mit einem an einer Stange befestigten Brett“
    bis
  • EB EB107: „die Aussichten stünden gar nicht so schlecht.“

  • Zusammenbruch in Schwarzindien und Gespräch mit Nanni
  • Von EB108: „Noch zweihundert Meter vom Lager entfernt“
  • bis EB112: „es sah aus, als gehe sie durch einen Graben mit Schlamm“
  • Mögliche zweite Aufgabe nach der Analyse: Vergleich Veits mit Nanni unter dem Gesichtspunkt der Autonomie (Einbeziehung auch anderer RomanstellenI

  • Brief von Nannis Mutter an ihre Tochter mit seltsamen Erziehungsvorstellungen
    (anscheinend aus der Erinnerung des Ich-Erzählers erzählt, seltsam – so ein Gedächtnis. Ist das ein schriftstellerischer Kunstfehler, hätte es nicht direkt mit dem Lesevorgang am See in Nannis Gegenwart verbunden werden müssen?)
  • Von EB113 „Nanni! Du hast mir großes Leid zugefügt.“
  • Bis  EB114: „Also, du hast zu wählen! / Es grüßt dich deine Mutter!

  • Die Einstellung des Brasilianers gegenüber dem „Räuber- und Kriegskontinent“ Europa und seine gefährliche Kritik an Nazigrößen
  • Von EB135 „Die Existenzgrübelei des Brasilianers“
  • Bis EB 137 „gehöre der Minister für Öffentlichkeitsarbeit eher noch zu den leichten Fällen.“


  • Lektüretipp: Veits Liebeserfahrung bei und mit Margot
  • Von EB 158 „Da ich keine Beziehungserfahrung besessen hatte“
  • Bis EB 161 „deshalb kam mir die kleine Zukunft gerade recht.“
  • Lektüretipp: Umgang mit der sich abzeichnenden Niederlage
  • Lesevorschlag: 160ff: „Wir schmiedeten keine Pläne mehr“ bis kam mir die kleine Zukunft gerade recht“ (161)
  • Lesevorschlag: 162: „Rom war geräumt“ bis „Wie wird das wohl ausgehen“
    wie sich die Nazis die Niederlagen schön reden. Dabei auch eine schöne Stelle, die den Irrsinn des Feldzugs in Russland zeigt: „so leidlich unterhalten“

  • Lektüretipp: Aufatmen in Budapest
  • Lesevorschlag: 194-195: „In Budapest eingetroffen“ bis „begannen wir glückliche Pläne für die Zukunft zu schmieden“

  • Dann die Verschlechterung der Lage durch den Einmarsch der Deutschen in Ungarn
  • Lesevorschlag: 198-199 „Vom Einmarsch der Deutschen in Ungarn habt ihr sicher gehört“ bis „er schrieb einen mehrseitigen Brief“

  • Lektüretipp: Die folgenden Seiten beschreiben sehr ausführlich, detailliert und anschaulich, wie das Leben der Zivilbevölkerung in den Städten am Ende des Krieges aussieht.
  • Von EB 209 „Darmstadt ist 99% kaputt“
  • Ein paar Stichwörter: 209: Darmstadt = 99 % zerstört
  • „nur noch Alarm“
  • „unzählige Tote“
  • „nich mal ob Mann oder Frau erkennt man“
  • „Der Himmel dröhnte, die Erde dröhnte, die Luft im Keller dröhnte. Es kam einem vor, als fielen Berge hereunter. Ich dachte immer, die nächste Bombe ist für uns.“
  • 210: „Bis jetzt sollen es 22.000 Tote sein.“
  • „Auch muss ich dir schreiben, dass Diesle Manfred gefallen ist, jetzt sind bald alle von deinen ehemaligen Verehrern tot.“
  • 211: „Gerda Göller und Frl. Meisel waren paar Stunden verschüttet.“
  • 211: Die Mutter wollte zum Ersatz-Postamt: „Zum Glück wurde ich abgehalten, sonst wäre ich unter den Toten.“
  • 212: „ich habe zehn Tage nicht geschlafen“
  • 214: „Frau Birgel und Herr Berg … sind tot. Onkel Jakob hatte sie aus dem Keller geschafft (vierzehn Leute), die die zwei in ein anderes Haus gelaufen, das dann einstürzte.“
  • 216: „Viertausend Opfer sind bis jetzt namhaft, aber viele, viele tausend sind nicht zu erkennen.“
  • „Wir sitzen fast Tag und Nacht im Keller.“ 
  • Bis EB 217 „und manchmal nicht einmal essen.“

  • Interessant sind einige Bemerkungen über die Beziehung zu Margot und ihre Bedeutung:
  • EB: 221: „Weil die Liebe sogar den Krieg von einem entfernt, hatten mich die Wechselfälle der Weltgeschichte seit meiner Rückkehr aus Wien nur von weitem erreicht.“
  • EB221: „Und doch war ich froh, dass die Bekanntschaft zwischen Margot und mir klappte. Wir trieben es manchmal sehr wild, Margot sagte: ‚Ich scheine offenbar zu allem fähig zu sein.“
    (Interessante Verwendung der direkten Rede in der indirekten Rede 😉
    EB222: „Es klappte, klapp, klapp, klapp. Wir klappten beide das Visier hoch, wollten einander nicht beeindrucken oder nicht sehr. Wir verbrachten viel Zeit miteinander, machten das unserer Ansicht nach Beste aus der Situation. Und zwischendurch hatte ich Halluzinationen von weiteren Kindern, die wir gemeinsam haben würden. Ich war selbst ganz erstaunt. Andererseits: Warum nicht? Neben Margot hatte ich die Hoffnung, ein normaler Mensch zu werden, ein Mensch wie andere normale Menschen.“

  • Im Herbst kehrt der Brasilianer aus dem Zuchthaus zurück.
  • EB233: „Ich zeigte ihm das Grab des Hundes. Er bedankte sich, dieser Freundschaftsbeweis erwecke in ihm wieder den Glauben, dass es in dieser Zeit der Umwertung der Werte doch noch Menschen gebe, die diesen Namen verdienten.“
  • Er zeigt sich erschrocken, „dass ihm mit solcher Härte“ (234) begegnet worden ist.
  • Das „ganze Land sei ein auf Grund gelaufenes Sklavenschiff“ (235)
  • Ihm bleibt nur der Traum von einer „
  • Befreiungsfahrt
  • “ (237) nach Brasilien.

  • Onkel erzählt vom I. Weltkrieg und seinen eigenen bleibenden Erfahrungen, „alles im Körper gespeichert“ (EB244)
  • Lektüretipp (EB243/244)
  • „Nachher gestand mir der Onkel, dass auch er lange unter plötzlich zurückkommenden Erinnerungen gelitten habe,
  • aber irgendwann seien sie ausgeblieben, ich solle mir keine Sorgen machen.
  • In den Jahren sechzehn, siebzehn sei er in den friulischen Alpen gestanden, einige Zeit in der Bascon-Stellung, Nähe Malborgeth, dort habe er sich das Rauchen angewöhnt. Die Italiener seien in einer Scharte am Monte Piper und am Zweispitz gestanden.+
  • Oft habe er nachts Feldwache gehalten, auf diesen Feldwachen sei man ein armer Teufel gewesen, denn jeden Augenblick habe eine Lawine einen ins Tal fegen können, und das sei oft passiert.
  • Nach dem Krieg habe er manchmal ein Geräusch gehört, und in plötzlicher Panik sei ihm das Gefühl durch den Körper gefahren, jetzt kommt die Lawine, alles aus und vorbei. /
  • Er blickte auf und schaute mich traurig an.
  • Ich hielt seinem Blick für drei oder vier Sekunden stand.
  • Da senkte der Onkel den Kopf und sagte: Das ist alles im Körper gespeichert.“
  • Interessant ist hier, dass der Onkel davon ausgeht, dass im Laufe der Zeit solche Körper-Erinnerungen auch ausbleiben können. Das ist natürlich eine gute Nachricht, was den am Ende überlebenden Veit angeht – zumindest kann der Leser diese Stelle so lesen.

  • Veit erinnert sich an das Mädchen und ist erschüttert:
    „Grauen erfasst du mich bei dem Gedanken, dass mit ausgepackten Augen die nicht mehr als Nalli Schaller erkennbare Leiche in der Leichenkammer lag, ohne Schlaf und ohne Gedanken.“ (252)
  • Später erinnert er sich noch ziemlich an das Besondere an diesem Mädchen („Ich erinnerte mich an Nanni …“ (253) bis „war unter anderen Gesetzen gestanden“ (254)
  • Lesevorschlag und Anregung: Mal drüber nachdenken, welche Menschen man selbst kennt, die „unter andren Gesetzen“ zu stehen scheinen als die Menschen, die man einfach nur als normal wahrnimmt.

  • Interessantes Zitat zur Schreib-Situation: (EB262):
  • „Das habe ich so gern, wenn sie neben mir sitzt,
  • aber schreiben kann ich dann nicht mehr, da werden mir alle Striche schief.
  • Sie saß neben mir, und ich sprach oft zu ihr, entweder ich fragte sie etwas, oder ich sagte, das muss ich noch aufnotieren.
  • Und sie sagte, dass ich ruhig sein und schreiben solle,
  • und sie sagte, vergiss nicht zu erwähnen, dass Lilo gehen kann. /
  • ‚Ich habe es schon erwähnt‘, sagte ich. / ‚Dann ist es gut.'“

  • Sein Onkel macht sich Sorgen, er könnte auch noch an die Front müssen. Das führt bei Veit zu einigen Überlegungen:
  • Lesevorschlag „Der totale Krieg war ein totaler Betrug“ (274) bis „dass man Kriege nicht am Anfang gewinnt, sondern am Ende.“ (274)
  • Er muss dem Onkel dann zustimmen: „Wenn ich ehrlich war, hatte der Onkel recht, es war auch mein Krieg, ich hatte an diesen verbrecherischen Krieg mitgewirkt, und was immer ich später tun oder sagen mochte, es steckte in diesem Krieg auch immer mein Teil, etwas von mir gehörte auch immer dazu, und etwas vom Krieg gehörte auf immer zu mir, ich konnte es nicht mehr ändern.“ (276)
    Das kann man natürlich diskutieren, indem man auf viele Soldaten verweist, die ungewollt am Krieg teilnehmen mussten.
  • Interessant ist eine psychologische Überlegung im Hinblick auf seinen Onkel:
    „Man müsste sich einmal die Zeit nehmen und darüber nachdenken, ob nicht vielleicht Selbstmitleid und Verächtlichkeit die eigentlich fatalsten Gefühlsgeschwister sind im Leben der Menschen. Man müsste diese Frage einmal gründlich ausloten, ich selbst traue mir nicht zu, hier auf Grund zu stoßen. Nicht ich. Aber vielleicht ist‘s einem anderen vergönnt.“ (276)

  • Kurts Blick auf seine Beziehung zu Nanni
  • Ein schönes Beispiel für poetisches Schreiben findet sich auf EB307
     Ein ganz eigenartiges Gefühl überkommt einen, wie man es vor- her nicht gekannt hat: Einmal wieder draußen zu sein, außerhalb des Kasernengeländes, ohne Kommandos brüllende Aufsicht. Die Donau ist sechshundert Meter von der Kaserne entfernt, der Wind kommt hier immer von vorn. An den Hängen des Brauns- berges vergilben die Wälder, und vor der Stadt rosten die Ebenen. Es ist richtig Herbst geworden, und der Wind bläst die Distelsa- men über die Wiesen, und die Donau führt ihr grünes Wasser Richtung Front. Der Himmel ist manchmal wie durchsichtig, das Herbstlicht wie ausgelaugt, so dünn, Ferdl, dass man glaubt, die Vögel fallen herunter. / Und auch die Gedanken ziehen vorüber, und ich blicke hoch. und der Mund steht mir offen. und ich denke, wie kann ich so vor mich hinleben, wenn am Himmel die Gedanken vorbeifahren, und ich weiß nicht, wo Nanni ist.“
  • Wieviel ihm Nanni und der Beginn ihrer Beziehung bedeutet, wird auf EB307 deutlich:
    „Ich weiß nicht mehr, was wir geredet haben, aber ich weiß noch, wie ich mich gefühlt habe, so leicht und glücklich, als wäre ich im Leben angekommen, nicht wie sonst immer, wenn ich mir dachte, das gibt mir ein Vorgefühl auf das Eigentliche.“
  • EB313: Nanni als „freches Mädchen“
  • „Einmal habe ich Nanni darauf angesprochen, dass sie ein ziemlich freches Mädchen ist, ich glaube, ich dachte in dem Moment daran, wie sie sich auf der Mariahilferstraße bei mir eingehängt hatte. Daraufhin meinte sie ganz begeistert in ihrer ungestümen Art: Ja, tatsächlich, ich muss mich immer zusammenreißen.“

  • EB354-357: Das Gespräch zwischen Veit und Kurt
  • Diese Textstelle kommt am ehesten in Frage, wenn es um die Belastungen gegangen ist, die die Kriegssituation für alle Versuche bedeutet, sich etwas Mitmenschlichkeit zu bewahren.
  • Am Ende kann das auf einen Vergleich der Schicksale und der Entwicklung der beiden Figuren hinauslaufen.
  • Näheres hierzu ist zu finden auf der Seite:
    https://textaussage.de/drachenwand-klausurtext-veit-und-kurt

  • Veits Veränderung am Ende des Romans
  • EB372: Veit hat Probleme mit dem blutigen Fleisch in dem Geschäft, aber er hat sich erkennbar weiterentwickelt und kommt damit inzwischen klar:
    „Und während der Fleischhauer und Margot sich unterhielten, ließ sich die Bilder kommen, ich war bereit, sie anzunehmen als etwas, das mir Dinge zeigte, die man kennen muss. Und auch, dass ich in meiner Angst nicht allein war, machte es leichter.“
  • EB373: Als Margot jetzt ein neues Zimmer bezieht, das er als Basis für eine zukünftige Gemeinsamkeit ansieht, stellt Veit fest:
  • In dem Moment, in dem ich durch die Tür trat, spürte ich, dass ich mich von etwas losgerissen hatte und endlich ein eigenes Leben besaß.

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