Rollenbiografie – was ist das eigentlich und wie schreibt man so etwas? (Mat2328)

Worum es hier geht:

  • Eine Rollenbiografie ist die Vorstellung einer Figur und zwar durch sich selbst – eigentlich müsste es also „Rollen-Autobiografie“ heißen.
  • Im Deutschunterricht wird das häufig mit einer Charakteristik oder sogar einer Personenbeschreibung verwechselt.
  • Dabei geht es doch mehr darum, das Wesen und die Rolle einer Figur aus dem Stück zum Beispiel herauszuarbeiten.
  • Wir haben das in einem Video gezeigt, wie man das machen könnte.
    Videolink:
    https://youtu.be/IjT6XKpUcBU
  • Dabei ist der folgende Text herausgekommen – den der Schauspieler zum Beispiel vor dem Vorhang vortragen könnte – dann hätte man auch gleich eine Situation, in der so etwas überhaupt Sinn macht.
  • Näheres findet sich auf der Seite:
    https://www.einfach-gezeigt.de/emilia-galotti-prinz-die-etwas-andere-rollenbiografie
Beispiel für eine Rollenbiografie – des Prinzen in Lessings Stück „Emilia Galotti“

Der Schauspieler, der gleich den Prinzen spielen wird, wendet sich vor dem noch geschlossenen Vorhang an das jugendliche Publikum:

  1. Ihr wundert euch wahrscheinlich, wie ich aussehe. Aber so sahen sie aus die Herrscher des Absolutismus in einem klein geratenen Staat. So was gab es nämlich in Italien, das damals noch kein eigener Staat war. Dafür gab es viele Stadtstaaten, Florenz, Siena und eben auch Guastalla – so um 1500 oder auch 1600. Die genaue Zeit ist eigentlich egal, denn gleich wird es um die Liebe gehen – und zwar in einer besonderen Form.
  2. Als Fürsten hatten wir damals neben der Ehefrau – die soll ich in der Zeit des Stücks erst bekommen – auch noch die eine oder andere Geliebte. Meist war eine die sogenannte Mätresse, also eine Art Haupt-Geliebte. In meinem Falle wird sich gleich die Gräfin Orsina als solche vorstellen.
  3. Leider oder glücklicherweise bin ich ihr gerade überdrüssig geworden, was eigentlich heißt: Lust auf was Neues.
  4. Und da treffe ich in einer Gesellschaft doch tatsächlich die junge Frau, die der gute alte Lessing zum Titel dieses Theaterstücks gemacht hat.
  5. Dummerweise will sie gerade einen anderen heiraten, den Grafen Appiani.
  6. Kaum habe ich das gehört, bin ich erstens verzweifelt und zweitens entschlossen, das zu verhindern.
  7. Dafür habe ich so Leute wie Marinelli, die wieseln immer um mich herum und erledigen alles, wozu ich keine Lust habe – oder wovon ich mich als Stadtherr fernhalten sollte, zum Beispiel bei einem kleinen Überfall. Zu dem wird es nämlich im Stück kommen.
  8. Dummerweise wird dabei der Bräutigam dieser Emilia, die unbedingt so schnell heiraten will, erschossen.
  9. Aber noch dümmer ist leider, dass ich mich selbst in Verdacht gebracht habe, weil ich davor noch Emilia in der Kirche – na ja – ein bisschen überfallen habe, um ihr meine Liebe zu gestehen.
  10. Sie ist zum einen völlig entsetzt geflohen – ein Grund mehr, sie bei dem Überfall zu entführen – zum anderen hat das leider meine Ex, die Gräfin Orsina mitbekommen.
  11. Und dann erzählt sie das auch noch dem Vater dieser Emilia, der dann auch bald in meinem Schloss aufsuchen wird, wo ich gerade versuche, diese Emilia doch noch für mich zu gewinnen.
  12. Na ja, jetzt wird es kritisch – aber das schaut ihr euch am besten jetzt mal in Ruhe an.
  13. Ich bin mal gespannt, wie ihr auf den Ausgang der Sache reagiert.
  14. Vielleicht können wir ja nachher noch darüber reden. 
Weitere Beispiele für Rollenbiografien