5-Minuten-Tipp zu Georg Heyms Gedicht „Verfluchung der Städte“ (Mat2376-hvs)

Das Gedicht ist u.a. hier zu finden:

  • Wir versuchen hier, beim Einstieg in das Verständnis des Gedichtes zu helfen.
  • Im Unterschied zu einer fertigen Interpretation nimmt  man das hier dann eher als Tipp für eigene Überlegungen.

Tipp 1: Worum geht’s in dem Gedicht?

Heym spricht einen Fluch über die Städte aus – sie wirken zwar schön („süß“, „golden“), aber sind gleichzeitig Orte des Todes, der Erstarrung, des Untergangs. Das Gedicht zeigt, wie hinter dem Glanz der Zivilisation Gewalt, Verderben und Tod lauern.


Tipp 2: Inhaltsbeschreibung der Strophen

Georg Heym

Verfluchung der Städte

  1. Ihr seid verflucht. Doch eure Süße blüht
  2. Wie eines herben Kusses dunkle Frucht,
  3. Wenn Abend warm um eure Türme sprüht,
  4. Und weit hinab der langen Gassen Flucht.
    • Strophe 1 (V. 1–4):
      Die Städte wirken anziehend, fast sinnlich – wie ein „herber Kuss“. Die Abendsonne taucht sie in warme Farben.

  1. Dann zittern alle Glocken allzumal
  2. In ihrem Dach, wie Sonnenblumen welk.
  3. Und weit wie Kreuze wächst in goldner Qual
  4. Der hohen Galgen düsteres Gebälk.
    • Strophe 2 (V. 5–8):
      Die Glocken läuten – aber statt Feierlichkeit gibt es Verfall („wie Sonnenblumen welk“) und einen düsteren Vergleich mit einem Galgen.

  1. Die Toten schaukeln zu den Glockenklängen
  2. Im Wind, der ihre schwarzen Leichen schwenkt,
  3. Wie Fledermäuse, die im Baume hängen,
  4. Die Toten, die der Abend übersengt.
    • Strophe 3 (V. 9–12):
      Tote hängen an den Galgen, bewegen sich wie Fledermäuse – makaber, unheimlich, eine düstere Vision der Stadt als Ort des Todes.

  5. |Und wie ein Meer von Flammen ragt die Stadt
  6. Wo noch der West wie rotes Eisen glänzt,
  7. In den die Sonne, wie ein Stierhaupt glatt,
  8. Die Hörner streckt, (die dunkles) Blut bekränzt.
    • Strophe 4 (V. 13–16):
      Die Stadt wird zur Feuersbrunst, ein Bild von Apokalypse. Die Sonne ist wie ein blutbefleckter Stierkopf – gewalttätig, brutal.

Tipp 3: Was will das Gedicht sagen?

Heym zeigt die Stadt als eine gefährliche, zweischneidige Welt: äußerlich schön, innerlich verdorben. Es ist eine Anklage gegen die Moderne, gegen urbane Zivilisation – sie zerstört Leben, verwandelt Menschen in Schatten ihrer selbst. Die Stadt als Symbol des Untergangs.


Tipp 4: Sprache, Stil und Aufbau

  • Starke Kontraste: Süße / Fluch, Schönheit / Tod, Licht / Dunkel → Spannung zwischen Oberfläche und Wahrheit.

  • Metaphern & Bilder: „herber Kuss“, „goldne Qual“, „Toten wie Fledermäuse“ – eindringlich, teils schockierend.

  • Personifikation & Vergleich: Stadt wird lebendig gemacht, Sonne als Stier – mythologisch, expressiv.

  • Klang: viele Alliterationen und Lautmalereien machen den Text eindrucksvoll (z. B. „Glockenklängen“, „goldner Qual“).


Tipp 5: Was kann man diskutieren?

  • Warum verflucht Heym die Stadt? Was genau kritisiert er?

  • Ist das eine reale Stadt oder ein Symbol für die moderne Welt?

  • Welche Rolle spielt der Tod – nur Angstbild oder auch Wahrheit?

  • Wie wird Natur (Sonne, Wind, Tiere) gegen die Stadt gesetzt?

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