Anders Tivag, „Der Lohn der guten Tat“ (Mat8643)

Worum es hier geht:

Auf der Seite
https://schnell-durchblicken.de/beispiel-analyse-erzaehlung-kurzgeschichte
haben wir erklärt, was eine Erzählung (z.B. eine Kurzgeschichte) ist und wie man sie analysieren kann.
Hier präsentieren wir nun die Geschichte in kursiver Schrift – mit eingerückten Erklärungen:

Anders Tivag, „Die Belohnung“

  1. Als er mit der Vorbereitung der Klassenarbeit fertig war und auf die Uhr schaute, war es bereits 18:00 Uhr.
    • Zu Beginn ein direkter Einstieg in die Handlung. Ein kurzer Erzählerbericht informiert über die Situation der Hauptfigur.
  2. Er war ziemlich kaputt nach der stundenlangen Arbeit. Immer wieder passierte es ihm, dass er erst auf den letzten Drücker anfing zu arbeiten. Jetzt kam es darauf an, sich möglichst schnell zu erholen, damit er am nächsten Tag fit war. Ihm fielen verschiedene Möglichkeiten ein. Zum Beispiel konnte er mit dem Hund rausgehen, da würde seine Mutter sich sehr freuen. Oder er fuhr noch ein bisschen in die Stadt, da war immer was los und brachte noch andere Gedanken.
    • Dieser Teil des Erzählerberichts geht noch etwas genauer auf die Situation ein und präsentiert dann die Gedanken der Hauptfigur.
    • Dabei gibt es einen Übergang zur sogenannten „erlebten Rede“. Dort bleibt der Erzähler präsent, was man zum Beispiel am Tempus und an der Personalform merkt.
    • Aber die Gedanken der Figur werden mehr oder weniger direkt wiedergegeben.
  3. Während er noch am Überlegen war, klingelte es plötzlich. Er ging zur Tür, dort stand Nico, ein Schüler, der vor kurzem neu in die Klasse gekommen
    • Überleitung zur Einbeziehung einer zweiten Figur, auch in Form eines Erzählerberichts.
  4. Hallo Jan, entschuldige bitte, dass ich hier so plötzlich auftauche, aber ich war sowieso in der Gegend und bin ja schon mal mit dir zusammen nach Hause gefahren. Die Klassenarbeit morgen – ich fühle mich da noch sehr unwohl
    • Hier gibt es jetzt den Übergang zu etwas, was man „szenische Darstellung“ nennt.
    • Das sind Gespräche in Erzählungen, die man ohne große Veränderung auch auf der Bühne spielen könnte.
  5. Ich bin eben mit meiner Vorbereitung fertig geworden. Was ist dir denn noch unklar?
  6. Ich weiß nicht so richtig, wie ich beim Analysieren einer Kurzgeschichte vorgehen soll. Wir haben das überhaupt noch nicht so richtig gemacht und in der Stunde heute ging das auch zu schnell für mich.
  7. Jan, überlegte kurz: Ich kann hier an der Tür stehen bleiben und ihn dann abwimmeln. Oder er begleitet mich einfach Richtung Stadt. Auf dem Weg können wir ein paar Sachen noch klären.
    • Hier wieder ein kurzer Erzählerbericht, der die Überlegungen von Jan wiedergibt.
    • Insgesamt verhält der Erzähler sich neutral, mischt sich nicht ein, betrachtet aber alles mit den Augen von Jan und weiß auch, was er denkt.
    • Das ist ein typisches Beispiel für personales Erzählen.
    • Darin steckt das lateinische Wort für Maske. Das soll deutlich machen, dass der Erzähler sich gewissermaßen hinter der Figur versteckt und selbst unsichtbar bleibt.
  8. Nico war begeistert. Als sie sein Haus erreichten, meinte er plötzlich: Sollen wir noch kurz hochgehen, ich habe die ganzen Unterlagen da und könnte dir ja an einer konkreten Geschichte zeigen, wo meine Probleme liegen.
    • Wieder der Übergang vom kurzen Erzählerbericht zu direkter Rede.
  9. Bevor Jan sich entscheiden konnte, öffnet sich die Tür wie von selbst und heraus kam ein Mädchen – bis unter das Kinn mit Paketen bepackt. Als sie versuchte, an ihm vorbeizugehen, konnte er ihr kurz ins Gesicht sehen. Er hatte das Gefühl, so ein bezauberndes Wesen noch nie gesehen zu haben. Das konnte man doch nicht jetzt einfach diese ganzen Pakete schleppen lassen. Schnelles Angebot, schnelle Antwort  – dann sollte er bald feststellen, dass gute Taten auch belohnt werden.
    • Am Ende jetzt ein längerer Erzählerbericht, der auf den entscheidenden Punkt der Geschichte hinarbeitet, nämlich eine plötzliche Begegnung, aus der auch noch etwas werden kann.
    • Von daher passt die Überschrift wie zum Beispiel: Der Lohn der guten Tat.
    • Diese Geschichte kann man natürlich dann weiterschreiben. Das ist der Vorteil eines offenen Schlusses.

 

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