Hölty, „Lied eines Liebenden“

Ludwig Christoph Heinrich Hölty

Lied eines Liebenden

  1.     Beglückt, beglückt,
  2.     Wer dich erblickt,
  3.     Und deinen Himmel trinket;
  4.     Wem dein Gesicht,
  5.     Voll Engellicht,
  6.     Den Gruß des Friedens winket.
  • Das lyrische Ich beginnt mit einer Art Ausruf, in dem es ausdrückt, wie glücklich es durch den Anblick des geliebten Gegenübers geworden ist.
  • Es geht sogar soweit, vom Himmel zu sprechen, den man sogar trinken kann. Ein sehr intensives Bild für die positive Wirkung. Man denkt ja an jemanden in der Wüste, der dringend etwas zu trinken braucht.
  • Das Gedichtes bezieht sich dann auf das Gesicht des Gegenübers, in dem sogar ein himmlisches Licht, nämlich, das eines Engels gesehen wird.
  • Und interessanterweise wird dieses Gesicht mit dem Gruß des Friedens gleichgesetzt. Jetzt ist man etwas irritiert, weil Frieden nicht unbedingt das ist, was die meisten Menschen direkt von einem geliebten Gegenüber erwarten.
  1. Ein süßer Blick,
  2. Ein Wink, ein Nick,
  3. Reißt mich zur Himmelssphäre;
  4. Den ganzen Tag
  5. Sinn ich ihm nach,
  6. Und baue dir Altäre.
  • Zu Beginn der zweiten Strophe wird man sich doch wieder sicher, dass es hier um eine Liebesbeziehung geht, zu der auch ein süßer Blick gehört.
  • Dann der Hinweis auf die kleinen Zeichen der Verbundenheit („Wink“ und „Nick“. Auch hier geht es wieder um die Wirkung des geliebten Gegenübers. In diesem Falle macht das lyrische Ich deutlich, dass es sich in Himmelshöhen gerissen fühlt.
  • Die letzten drei Zeilen vergöttlichen dann schon das geliebte Gegenüber.
  • Es bestimmt wird den ganzen Tag die Gedanken und es werden ihm wie einem Gott Altäre gebaut.
  1. Dein liebes Bild,
  2. So sanft, so mild,
  3. Führt mich an goldner Kette;
  4. Erwachet warm
  5. In meinem Arm,
  6. Und geht mit mir zu Bette.
  • Auch in der dritten Strophe geht es wieder um die Wirkung des geliebten Gegenübers.
  • Hier geht es um ein „liebes Bild“, was immer damit gemeint ist. Vielleicht tatsächlich eine Abbildung – oder eben eine entsprechende Vorstellung.
  • Auch hier wieder etwas, was zum Wortfeld „Frieden“ gehört, nämlich „sanft“ und „mild“.
  • Dann aber wird es etwas fragwürdig, denn es ist von einer Kette die Rede.
  • Das könnte ein Signal dafür sein, dass es eine Bindung ist, die auf jeden Fall golden ist, aber eben auch eine Gebundenheit deutlich macht.
  • Die letzten drei Zeilen machen dann wieder deutlich, dass hier das Bild die ganz Nacht bestimmt. Allerdings ist man etwas erstaunt, dass das lyrische Ich nur mit einem Bild zu Bette geht. Das mag zeitlich begründet sein. In der Lebenszeit Höltys war es nicht üblich, dass man sofort ins Bett zusammen ins Bett geht.
  • Hölty lebte von 1748 bis 1776, hat also in der Schlussphase seines Lebens noch die Zeit des Sturm und Drang erlebt. Er hatte enge Beziehungen zu dem Dichter Klopstock, der in die Zeit der Empfindsamkeit gehört – einer Gegenrichtung zur Aufklärung. Der frühe Tod ergab sich durch die Erkrankung an Schwindsucht.
  1. Beglückt, beglückt,
  2. Wer dich erblickt,
  3. Und sich in dir berauschet;
  4. Blick gegen Blick,
  5. Nick gegen Nick,
  6. Kuß gegen Kuß vertauschet.
  • Die letzte Strophe kehrt zum Ausgangspunkt zurück.
  • Erstaunlicherweise wird das hier etwas verallgemeinert, als würden diese positiven Auswirkungen des geliebten Gegenübers grundsätzlich alle betreffen.
  • Auch das ist sehr ungewöhnlich für eine Liebesbeziehung.

Insgesamt ein Gedicht, das zum einen das Hingerissen-Sein deutlich macht, das mit einer Liebes Beziehung verbunden ist.

Dann geht es vor allen Dingen um die positiven Auswirkungen auf das lyrische Ich.

Etwas seltsam ist, dass es hier vor allen Ding um Frieden geht und dass es eigentlich keine richtige auch gelebte Beziehung gibt.

Vor diesem Hintergrund reizt das Gedicht dazu, es auf eine moderne Situation zu übertragen. Dann werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede deutlicher.

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