KKK-Antwort auf Frage mündliche Prüfung: Was ist das Besondere an Goethes Theaterstück „Faust. Der Tragödie erster Teil“?

Worum es hier geht:

  • Mündliche Prüfungen sind eine besondere Herausforderung.
    • Meistens hat man im Unterricht nur kurze Antworten gegeben
    • Und jetzt soll man möglichst in kürzester Zeit (so etwa 30-60 Sekunden) zeigen, was man weiß und was man kann.
    • Denn meistens wird ja nicht nur Wissen abgefragt, sondern man soll es auch anwenden.
  • Wir wollen hier an Beispielen zeigen,
    • wie man schnell ins Thema der Antwort reinkommt,
    • wie man dann möglichst „konsequent“, d.h. Schritt für Schritt zur optimalen Antwort kommt
    • und vielleicht es auch noch schafft, an der einen oder anderen Stelle Eindruck zu machen.

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Beispiel: Goethes Faust (I) als Theaterstück

Beim folgenden Beispiel sind die folgenden „Überleitungen“ interessant, das gehört ja zur „Konsequenz“, bei der eins aus dem anderen hervorgeht.

  1. Einmal ist es ganz eindeutig ein Drama, ein Theaterstück, das für die Aufführung auf der Bühne gedacht ist.
  2. Dementsprechend besteht es aus Szenen mit Regieanweisungen und Dialogen.
  3. Insgesamt wirkt das Drama im Vergleich etwa zu einem von Anfang an durch komponierten Theaterstück von Schiller nicht so ganz einheitlich in der Form.
  4. Das wird zum Beispiel besonders deutlich in der Szene „Wald und Höhle“, wo Goethe auf das Versmaß verzichtet hat.
  5. Dazu kommt, dass ihm drei Teile vorangestellt sind, die zum Teil wie ein Vorwort wirken, allerdings in dichterischer Form.
  6. Besonders wichtig ist der Prolog, der einen weiten Deutungsrahmen aufspannt:
    • Faust als Knecht Gottes
    • mit einer besonderen Gärung,
    • in einer Art Wette der Verneinungsfigur Mephisto mit dem Herrn (also Gott).
    • Dabei ist von vornherein klar, wer hier das Sagen hat und wohl auch die Wahrheit kennt.
  7. Die Wahrheit zeigt sich dann teilweise am Ende des Stückes, als es durchaus zur tragischen Katastrophe kommt. Die wird aber teilweise relativiert, indem für das zum Tode verurteilte Gretchen schon mal die Rettung festgestellt wird.
  8. Faust selbst flieht mit Mephisto und wird im zweiten Teil des Dramas auf eher klassische Art und Weise durch die Höhen und Tiefen des Lebens geführt, dort allerdings im klassischen Fünf-Akte-Schema.
  9. Inwieweit man den ersten Teil von Goethes Faust als offenes Drama bezeichnen kann, ist eine interessante Frage, die bestimmte Erkenntnisse verdeutlicht.
  10. Durchaus Ansätze des offenen Dramas
    • im Verzicht auf eine strenge Form und zum Teil lockere Szenenfolge.
    • Dafür aber ein klarer Rahmen in der Vorstellungswelt des Idealismus.
    • Denn letztlich findet bei Faust eine Art Bildungsprozess statt.
    • Und Gretchen kann durchaus ansatzweise als schöne Seele angesehen werden, die ihr Schicksal erkennt und im Rahmen des möglichen annimmt.
    • Kritische Anmerkung:
      Die These von der eingebauten Gretchentragödie im klassischen Pyramidenschema überzeugt nicht, weil das nicht deutlich ausgewiesen ist, sondern einfach in die Handlung hineinkonstruiert worden ist.
      Die Abfolge: Exposition, Steigerung, Höhe- und Wendepunkt, Verzögerung, tragisches Ende oder Happy End ist aber eine ganz normale Erfahrung des Lebens.
      Ernster muss man das schon nehmen, wenn es wie in vielen wirklichen klassischen Dramen (etwa auch Faust II) auch ganz eindeutig in einer Folge von 5 Akten zu finden ist.

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