Klausur: Schubart, „Die Fürstengruft“ mit Bezug zur Epoche des „Sturm und Drang“(Mat8604-klausur)

Worum es hier geht:

Präsentiert und erläutert wird ein Gedicht aus der Zeit des Sturm und Drang, das sich vor dem Hintergrund des Lebensendes auch von Fürsten mit ihren Taten und ihren Zukunftsaussichten auseinandersetzt.

Auf der folgenden Seite präsentieren wir eine gekürzte Version, die man auch gut für Klassenarbeiten bzw. Klausuren einsetzen kann.

Quelle: Christian Friedrich Daniel Schubart: Gedichte. Leipzig [o.J.], S. 205-208.
Permalink: http://www.zeno.org/nid/20005637198

Hier zunächst eine Vorschau.

Weiter unten dann die Druckvorlage.


Christian Friedrich Daniel Schubart
Die Fürstengruft

  1. Da liegen sie, die stolzen Fürstentrümmer,
  2. Ehmals die Götzen ihrer Welt!
  3. Da liegen sie, vom fürchterlichen Schimmer
  4. Des blassen Tags erhellt!
    […]
  1. Entsetzen packt den Wandrer hier am Haare,
  2. Gießt Schauer über seine Haut,
  3. Wo Eitelkeit, gelehnt an eine Bahre,
  4. Aus hohlen Augen schaut.
  5. Wie fürchterlich ist hier des Nachhalls Stimme,
  6. Ein Zehentritt stört seine Ruh‘!
  7. Kein Wetter Gottes spricht mit lauterm Grimme:
  8. Mensch, wie klein bist du!
  9. Denn ach! hier liegt der edle Fürst, der gute,
  10. Zum Völkersegen einst gesandt,
  11. Wie der, den Gott zur Nationenrute
  12. Im Zorn zusammenband.
    • […]
  13. Da liegen Schädel mit verloschnen Blicken,
  14. Die ehmals hoch herabgedroht,
  15. Der Menschheit Schrecken! denn an ihrem Nicken
  16. Hing Leben oder Tod.
  17. Nun ist die Hand herabgefault zum Knochen,
  18. Die oft mit kaltem Federzug
  19. Den Weisen, der am Thron zu laut gesprochen,
  20. In harte Fesseln schlug.
    • […]
  21. Sie, die im eh’rnen Busen niemals fühlten
  22. Die Schrecken der Religion,
  23. Und gottgeschaffne, bessre Menschen hielten
  24. Für Vieh, bestimmt zur Frohn;
  25. Die das Gewissen, jenen mächt’gen Kläger,
  26. Der alle Schulden niederschreibt,
  27. Durch Trommelschlag, durch welsche Trillerschläger
  28. Und Jagdlärm übertäubt;
    • […]
  29. Damit die Quäler nicht zu früh erwachen,
  30. Seid menschlicher, erweckt sie nicht.
  31. Ha! früh genug wird über ihnen krachen
  32. Der Donner am Gericht,
  33. Wo Todesengel nach Tyrannen greifen,
  34. Wenn sie im Grimm der Richter weckt,
  35. Und ihre Gräul zu einem Berge häufen,
  36. Der flammend sie bedeckt.
  37. Ihr aber, bessre Fürsten, schlummert süße
  38. Im Nachtgewölbe dieser Gruft!
  39. Schon wandelt euer Geist im Paradiese,
  40. Gehüllt in Blüthenduft.
    • […]
  41. Ach, unterm Lispel eurer frohen Brüder –
  42. Ihr habt sie satt und froh gemacht –
  43. Wird eure volle Schale sinken nieder,
  44. Wenn ihr zum Lohn erwacht.
  45. Wie wird’s euch sein, wenn ihr vom Sonnentrone
  46. Des Richters Stimme wandeln hört;
  47. »Ihr Brüder, nehmt auf ewig hin die Krone,
  48. Ihr seid zu herrschen wert.«

Druckvorlage

Mat8604-klausur Schubart, Die Fürstengruft

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