Max Frisch, „Andorra“ – Teil 2 = Bild 7-12 – Inhalt, zentrale Textstellen und Detail-Interpretation

Worum es hier geht:


Diese Übersicht ist noch im Entstehen – aber wir schalten sie schon mal frei für alle die, die wissen wollen, wie es im Drama „kurz und bündig“ weitergeht.

Evtl. noch vorhandene Fehler bitten wir zu entschuldigen.


Ausgangssituation nach 6 Bildern

 

  • Wenn man auf die ersten sechs Bilder zurückblickt, sind eigentlich drei Dinge entscheidend:
  • Da gibt es den Antisemitismus im Nachbarland der Schwarzen,
  • der dem Lehrer die Chance gegeben hat, das Ergebnis persönlicher Untreue der eigenen Familie und den eigenen Leuten als gerettetes Judenkind zu verkaufen.
  • Das dritte Element ist dann der auch bei den Andorranern vorhandene Antisemitismus, der aber weniger grundsätzlich geprägt ist als viel mehr interessenbedingt. Das kann man besonders gut beim Doktor sehen, der seine persönlichen Karriere-Schwierigkeiten mit einem Vorteil gegenüber Juden für sich selbst erträglich macht.
  • Eine zusätzliche schmerzliche Dimension bekommen die es drei Probleme dadurch, dass die Tochter des Lehrers und der angebliche Pflegesohn Andri sich in einander verlieben und damit den Vater zwingen, diese eigentlich natürliche Verbindung aus Inzest-Gründen abzulehnen.
  •  Verschärft wird das Problem außerdem dadurch, dass der Pater in scheinbarer Menschenfreundlichkeit versucht, Andri seine angebliche jüdische Identität nahezubringen. Dies gelingt soweit, dass Andri später in seine eigentliche Identität nicht mehr zurück will, obwohl sie ihn möglicherweise gerettet hätte.

Bild 7-12

  • Bild 7 (Seite 59-64)
  • Pater: Die Mutter hat das Gespräch mit Andri herbeigeführt.
  • Andri schweigt lange.
  • Pater: „Andri, du hast etwas Gehetztes.“ (60)
  • Pater; „Du gefällst mir, Andri, mehr als alle andern, ja, grad weil du anders bist als alle.“ (61)
  • Andri: „Ich will nicht anders sein.“
  • P: wirft den Juden die Unart der Überempfindlichkeit vor. (62)
  • Schließlich kommt es zum Zusammenbruch Andris. (62)
  • P: Andri soll sich annehmen, wie er ist. Gelobt wird der besondere „Funke“ (63), der in ihm ist.
  • Am Ende will Andri nur noch gehen.
  • Vordergrund – Pater
  • bekennt: „Auch ich bin schuldig geworden.“
  • „Auch ich habe mir ein Bildnis gemacht von ihm …
  • … auch ich habe ihn an den Pfahl gebracht.“ (65)
  • Dann Bild 8 (Seite 66-76)
  • Doktor beruhigt die Leute angesichts der Gefahr eines Überfalls durch die Schwarzen.
  • Andorra: „kein Volk, das in der ganzen Welt so beliebt ist wie wir.“ (67)
  • Andorra, angeblich „Hort des Friedens und der Freiheit und der Menschenrechte“ (68).
  • Misstrauen und Ablehnung gegenüber der Senora, die vom Wirt aufgenommen wird.
  • Doktor warnt vor einem Vorwand, den die Schwarzen nutzen könnten: „Belästigung von Reisenden in Andorra“ (70)
  • André: Prügelei mit dem Soldaten (72)
  • Die Senora greift ein, als alle anderen gegen Andri eingreifen.
  • Andri soll die Senora zu seinem Vater führen.
  • Doktor über die Juden: „Sie können’s nicht lassen, immer verlangen sie, daß unsereiner sich an ihnen bewährt.“
  • Sie wollen, dass man ihnen ein Unrecht tut.“
    Kommentar: Das sind natürlich reine Schutzbehauptungen, die mit der Realität nichts zu tun haben, wie Andri sie erlebt.
  • Vordergrund: Lehrer und Senora
  • Senora fragt nach dem Grund für die Judenkind-Lüge.
  • Bekommt keine Antwort.
  • Erzählt von ihrer Feigheit (nach der Geburt des Kindes)
  • und stellt auch beim Lehrer Feigheit fest (beim Übertritt über die Grenze ins eigene Land Andorra)
  • „sie sind hier nicht anders, du siehst es, nicht viel“ (78)
  • Senora beklagt, dass Andri nicht mitgekommen ist.
  • Lehrer verspricht, die Wahrheit zu sagen – ohne Zeitpunkt und mit Zweifel: „Und wenn sie die Wahrheit nicht hören wollen?“ (78)
  • Bild 9:
  • Gespräch zwischen Andri und der Senora in der Stube des Lehrers
  • Senora kündigt die Wahrheit für Andri an, sagt sie ihm aber nicht.
  • Sie hofft auf ein Wiedersehen, was ziemlich unwahrscheinlich ist.
  • Sie erzählt Andri von der gemeinsamen Vergangenheit mit dem Lehrer: „Wir wollten eine andere Welt. […] Unsere andere Welt dauerte nicht lange.“ (80)
  • Die Senora küsst Andri, der sagt, dass er sie wiedersehen möchte.
  • Senora kritisiert Vater und Mutter: „Kein Mensch, wenn er die Welt siehte, die sie ihm hinterlassen, versteht seine Eltern.“
    [Das könnte man gut diskutieren.]
  • Lehrer und Mutter treten ein:
    Die Senora geht, ohne dass man sich von ihr richtig verabschiedet, stattdessen die Bitte, unauffällig zu verschwinden.
  • Mutter übt Kritik an ihrem Mann:
    „Ich versteh mehr, als du meinst, Can. Du hast sie geliebt, aber mich hast du geheiratet, weil ich eine Andorranerin bin. Du hast uns alle verraten, aber den Andri vor allem. Fluch nicht auf die Andoraner, du selbst bist einer.“
  • Pastor kommt dazu: (81)
  • Die Mutter macht gleich deutlich, welche schwere Aufgabe der Pater vor sich hat:
    „Hochwürden habe eine schwere Aufgabe in diesem Haus. Hochwürden haben unserem Andri erklärt, was das ist, ein Jud, und daß er es annehmen soll. Nun hat er’s angenommen. Nun müssen Hochwürden ihm sagen, was ein Andorraner ist, und daß er’s annehmen soll.“ (81)
  • Der Pater macht deutlich, dass er mit den Andorranern nicht reden konnte – wahrscheinlich ist es um eine Beruhigung der aufgehetzten Situation gegangen.
  • Andri kommt zurück und zeigt den Ring, den er von der Senora bekommen hat.
  • Auf seine Frage: „Wer ist diese Senora“ bekommt er keine Antwort.
    Anmerkung: Das ist eine Stelle, die eindeutig gegen die Entschuldigungsthese des Lehrers spricht, er habe mit Andri nicht reden können.
  • Andri macht deutlich, dass er froh ist, sich gegen den Soldaten gewehrt zu haben, auch wenn das eigentlich den Vorurteilen gegenüber seiner angenommenen jüdischen Identität widerspricht.
    Anmerkung: Eine spannende Stelle. Vielleicht will Andri hier sein angebliches Jude-Sein anders definieren.
  • Dann macht er den Unterschied zwischen dem Pater und sich selbst deutlich und kündigt seinen Plan an:
    „Sie sind Christ von Beruf, aber ich bin Jud von Geburt, und drum werd ich jetzt auswandern.“ (83)
  • Dann beginnt der Pater mit der Eröffnung der Wahrheit: „Ich bin gekommen, um dich zu erlösen.“ (83)
    Anmerkung: Das ist natürlich eine sehr problematische Formulierung. Sie ist zum Teil richtig, weil er Andri die Wahrheit sagen will, zum anderen aber tut sie so, als wäre das Judesein etwas, wovon man erlöst werden muss, was in gewisser Weise den Antisemitismus der Andorraner unterstützt.
  • Als er dann mit der Wahrheit herausrückt, will Andri die nicht glauben: „Euch habe ich ausgeglaubt.“ (84)
  • In einer langen Rede macht er deutlich, dass er nicht nur anders ist, sondern sich eben auch so fühlt, wie man es ihm als Juden vorgeworfen hat: „Hochwürden haben gesagt, man muß das annehmen, und ich hab’s angenommen. Jetzt ist es an euch, Hochwürden, Euren Jud anzunehmen.“
    Anmerkung: Der Schluss ist sicherlich eine der stärksten Formulierungen des Stücks, denn Andri ist wirklich der Jud der Andorraner, weil sie ihn dazu gemacht haben.
  • Es folgt eine apokalyptische Vision, in der er für sich keine Gnade mehr sieht:
    „Bald wird alles zerrissen, da hilft kein Schwur und nicht unsre Treue. Ich möchte, daß es bald geschehe. Ich bin alt.“ (86)
  • Der Lehrer kommt und berichtet, dass die Senora Opfer eines Steinwurfes geworden ist – und man Andri die Schuld zuschiebt. Der Lehrer bittet den Pater, Andri ein Alibi zu geben.
  • Bild 10: (90-95)
  • Wir verweisen hier wie bei den folgenden Bildern auf die Seite:
    https://www.einfach-gezeigt.de/video-frisch-andorra-inhalt-zitate
    Dort gibt es Schaubilder, die auch die restlichen Bilder zusammenfassen und ein entsprechendes Video.
  • Dann Bild 11 usw.
  • siehe Bild 10
  • Dann Bild 12 usw.
  • siehe Bild 10
  • Zusammenfassung der Aussagen (Intentionalität)
  • siehe Bild 10

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