Beispiele für systematisches Antworten in Prüfungen, z.B. Abitur (Mat7251)

Worum es hier geht:

  • Mündliche Prüfungen sind eine besondere Herausforderung.
    • Meistens hat man im Unterricht nur kurze Antworten gegeben
    • Und jetzt soll man möglichst in kürzester Zeit (so etwa 30-60 Sekunden) zeigen, was man weiß und was man kann.
    • Denn meistens wird ja nicht nur Wissen abgefragt, sondern man soll es auch anwenden.
  • Wir wollen hier an Beispielen zeigen,
    • wie man schnell ins Thema der Antwort reinkommt,
    • wie man dann möglichst „konsequent“, d.h. Schritt für Schritt zur optimalen Antwort kommt
    • und vielleicht es auch noch schafft, an der einen oder anderen Stelle Eindruck zu machen.

Video mit Dokumentation

Videolink

Beispiel: Kafkas „Die Verwandlung“ als Novelle

Beim folgenden Beispiel sind die folgenden „Überleitungen“ interessant, das gehört ja zur „Konsequenz“, bei der eins aus dem anderen hervorgeht.

  • wie mit dem Begriff begonnen wird,
  • wie das „Unerhörte“ dann geschickt mit dem „Dramatischen“ verbunden wird,
  • wie dann die Idee der „kleinen Schwester“ verbunden mit der „Begebenheit“ genutzt wird, um auf die relative Kürze im Vergleich zum Roman einzugehen.
  • Am Ende wird dann noch das bsd. literarische Kennzeichen eines Dingsymbols erwähnt, das in vielen Novellen zu finden ist.
    Eine Überleitung könnte der historische Ursprung sein.
Die Frage:
  • Inwiefern (und inwieweit) kann man Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ als Novelle betrachten?
    1. „Inwiefern“ heißt: Wieso überhaupt?
    2. „Inwieweit“ heißt: Wie weit trifft etwas die Idealform
  • Systematische Antwort:
    1. Eine Novelle ist
    2. Mit dem „Unerhörten“ und Interessanten ist häufig
      • auch etwas Dramatisches verbunden. Theodor Storm nannte die Novelle „die kleine Schwester des Dramas.“
        https://de.wikipedia.org/wiki/Novelle
      • Das trifft durchaus auch für „Die Verwandlung“ zu, denn Gregor hat nach dem Erwachen ein echtes Problem, besonders als der Prokurist unverrichteter Dinge wieder abzieht.
        Später wird es besonders dramatisch, als es sich immer mehr um die Frage der Schwester geht, wie man Gregor loswerden kann.
    3. Von der „kleinen“ Schwester bzw. der einen „unerhörten“ Begebenheit ist man schnell bei einem weiteren Kennzeichen,
      • nämlich der relativen Kürze im Vergleich zu einem Roman. Das heißt: Es gibt in der Regel keine Nebenhandlungen und auch keine plötzlichen Schauplatzwechsel oder ausführliche Beschreibungen. Alles ist auf die dramatische Entwicklung hin konzentriert.
      • Auch das gilt für Kafkas „Die Verwandlung“: Dort wird zügig auf den Schlusspunkt hingearbeitet, nämlich Gregors Tod, der einem wie ein Verlöschen vorkommt, sowie den endgültigen Aufstieg der Schwester, die die gemeinsame Zukunft der Restfamilie repräsentiert.
    4. Die Entstehung der Novelle um 1350 hat zu einem besonderen Kennzeichen geführt, das bei Novellen eine Rolle spielt:
      Da entstand nämlich das „Dekameron“, eine Sammlung von 100 Novellen, die bei der fiktiven Flucht von jungen Leuten vor der Pest aufs Land entstanden ist.
      Um sich zu unterhalten musste sich jeder zu einem bestimmten Thema eine Geschichte ausdenken, die dann erzählt wurde. Die berühmteste wurde die sogenannte „Falkennovelle“

      • und damit sind wir schon beim sogenannten Dingsymbol, das den dramatischen Kern der Novelle deutlich macht. Und in dieser Geschichte war es eben ein Falke – und der steht eben für dieses Symbol.
      • Bei Kafkas Erzählung kann man dieses Symbol in dem „ungeheueren Ungeziefer“ sehen, das – zusammen mit der damit verbundenen Verwandlung – von Anfang an die Geschichte bestimmt.

Weitere Infos, Tipps und Materialien