Robert Seethaler „Der Trafikant“ – Verhaftung des Trafikanten und Franz‘ Entwicklung(Mat1713-12)

Worum es hier geht:

  • Wir wollen den Roman von Robert Seethalter möglichst so vorstellen, dass man
    • gleich weiß, worum es geht,
    • Durchblick beim Inhalt
    • und beim Aufbau des Romans hat,
    • Hinweise zum Verständnis bekommt
    • und zur Frage, was man damit anfangen kann.

Verhaftung des Trafikanten und Franz‘ Entwicklung

  • Ab S. 151 geht es zunächst um einen Anschlag auf den Kiosk des Trafikanten, bei dem einiges zerstört wird, vor allem aber Fenster und Fassade mit Tierblut beschmiert werden. Dazu der Schriftzug: „Hier kauft der Jud!
  • Dann kommt es aber noch schlimmer, weil Otto Trsnjek von der Gestapo abgeholt wird, wobei es auch zu Gewalttätigkeiten kommt. Der entscheidende Vorwurf: „Seit wann verkaufst du deine Drecksheftln an die Juden?“ (155).
  • Franz versucht, die Vorwürfe auf sich zu lenken, was aber sein Chef unterbindet.
  • Als der Junge dann die Blutspur im Gesicht des Trafikanten sieht, sieht er auch die „die Verzweiflung in seinen Augen. Wie ein Schleier, dachte Franz, wie ein hauchzarter. dunkler Schleier. Und in diesem Moment war ihm alles klar. Für den Bruchteil einer Sekunde öffnete sich ein Fenster in die Zukunft, durch das die weiße Angst zu ihm hereinwehte, zu ihm, diesem kleinen, dummen, machtlosen Buben aus dem Salzkammergut.
  • Hier kann man überlegen, wieso es eine „weiße Angst“ ist, die Franz im Hinblick auf die Zukunft empfindet. Das könnte mit der Furcht vor der Helligkeit einer erbarmungslosen Untersuchung zusammenhängen, wie sie bei den Gestapo-Verhören üblich war. Man kann auch daran denken, dass Tiere im Dunkeln nichts mehr fürchten, als plötzlich in den Schein einer Lampe zu geraten – man  fühlt sich dem regelrecht ausgesetzt.
  • Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass Franz später, als er das Geschäft wieder in Ordnung gebracht hat und nun selbst führt, erstmals einen Brief an seine Mutter schreibt und nicht nur Karten. In ihm schreibt er ganz deutlich: „Bis vor Kurzem war ich ja noch ein Kind. Und jetzt bin ich noch kein Mann. Darin liegt die ganze Misere.“ (161)
  • Außerdem bittet er eine Mutter um Rat in Fragen der Liebe, möchte, dass seine Mutter nicht mehr nur Bilder schickt, sondern seine Heimat mit eigenen Worten beschreibt, spricht von seiner Freundschaft mit Sigmund Freud und kann an seinem Jude-Sein nichts Störendes finden. Was das Schicksal seines Chefs angeht, greift er zu der Notlüge, der sei krank geworden. Von der Verhaftung schreibt er nichts.
  • Nach dem Anschlag und der Verhaftung läuft die Trafik mehr schlecht als recht – interessant, was über die Leute gesagt wird, die noch kommen:
    „Die wenigen Leute, die noch kamen, hatten sich verändert. Viele trugen nun braune Hemden, manche hatten Hakenkreuz- binden oder zumindest kleine Hakenkreuzanstecker am Kragen, und die meisten schienen öfter zum Friseur zu gehen als früher. Außerdem hatten sie ein seltsames Leuchten in den Augen. Ein irgendwie zuversichtliches oder hoffnungsfrohes oder beseeltes, im Grunde genommen aber auch ein eher dümmliches Leuchten war das, ganz genau konnte Franz das nicht auseinanderhalten, jedenfalls leuchteten sie und sprachen mit lauter, klarer Stimme. Der gedämpfte Plauderten der Bestell- und Verkaufsgespräche, der sich immer so gut in die Schummrigkeit der Trafik eingefügt hatte, war einem forschen und klangvoll scheppernden Ausdruck gewichen. Es hörte sich an, als ob die Kunden erst jetzt wirklich wussten, was sie wollten, beziehungsweise immer schon gesucht hatten.“
    (165)
  • Ansonsten denkt Franz immer noch viel an Anezka und bemalt sich große Teile seines Körpers mit ihrem Namen.
  • Ähnliche Entwicklungen deutet auch seine Mutter in ihrem Antwortbrief an. Was die Liebe angeht, so stellt sie fest: „Niemand taugt für die Liebe und trotzdem oder gerade deswegen erwischt sie fast jeden von uns irgendwann einmal.“ (170)
  • Wichtig am Ende des Antwortbriefes noch, dass die Mutter jetzt nicht mehr mit „Mama“, sondern eben mit „Mutter“ unterschreibt – Franz versteht das für sich ganz positiv: „Kinder haben Mamas, Männer haben Mütter“. (171)
  • S. 171ff: Dass er inzwischen gereift ist, zeigt sich auch daran, dass er aktiv wird und seine Träume nicht nur aufschreibt, sondern an die Scheiben der Trafik klebt und darüber auch mit Leuten spricht.

 

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