Schiller, „Amalia“ – von himmlischem Glück zu trostloser Trauer (Mat6215)

Worum es hier geht:

Vorgestellt wird ein Gedicht Schillers, das den brutalen Wechsel von himmlischem Glück und trostloser Verlustsituation deutlich macht.

Das Gedicht haben wir hier gefunden.

Friedrich Schiller

Amalia

  1. Schön wie Engel, voll Walhallas Wonne,
  2. Schön vor allen Jünglingen war er,
  3. Himmlisch mild sein Blick wie Maiensonne,
  4. Rückgestrahlt vom blauen Spiegelmeer.
    • Das Gedicht beginnt nicht etwa mit der Begeisterung angesichts einer Frau, sondern es geht um einen „Jüngling“.
    • Leserlenkung: Man schaltet um auf die Vermutung, dass hier aus der Perspektive einer Frau auf einen jungen Mann geblickt wird.
    • Die Attribute sind Engelhaftigkeit, einen Sitz in der überirdischen Welt von Walhalla, ein milder Blick, der mit einem Phänomen des Frühlings verglichen wird und schließlich eine Verbindung zum „blauen Spiegelmeer“.

  1. Seine Küsse – paradiesisch Fühlen!
  2. Wie zwo Flammen sich ergreifen, wie
  3. Harfentöne ineinanderspielen
  4. Zu der himmelvollen Harmonie –
    • In der zweiten Strophe geht es dann um „Küsse“, die sich paradiesisch anfühlen, was zum Himmel und zum Teil auch zu Walhalla passt.
    • Dann Bilder der Gemeinsamkeit – zum einen zwei Flammen, zum anderen das Zusammenspiel von zwei Harfen.
    • Hier kann einem ein Gedicht von Rilke einfallen:
      Liebes-Lied
      https://www.staff.uni-mainz.de/pommeren/Gedichte/rilke2.html

 

  1. Stürzten, flogen, schmolzen Geist und Geist zusammen,
  2. Lippen, Wangen brannten, zitterten,
  3. Seele rann in Seele – Erd und Himmel schwammen
  4. Wie zerronnen um die Liebenden!
    • In dieser Strophe wird versucht, eine Art Liebesrausch sprachlich abzubilden.#
    • Zum einen durch eine Reihung, zum anderen durch die alliterierende Wiederholung des Wortes „Geist“.
    • Das setzt sich bei „Seele“ fort und endet dann in einer Vereinigung von „Erd und Himmel“.
    • Am Ende dann eine wohl positiv gemeinte Beruhigung des Prozesses.

 

  1. Er ist hin – vergebens, ach vergebens
  2. Stöhnet ihm der bange Seufzer nach!
  3. Er ist hin, und alle Lust des Lebens
  4. Wimmert hin in ein verlornes Ach!
    • Die letzte Strophe schaltet dann auf das brutale Gegenteil dieser Beziehung um, nämlich die Situation nach dem Verlust des geliebten Menschen.
    • Auch hier wieder eine Wiederholung, die eine Art Klage darstellt.
    • Am Ende dann die erschütternde Feststellung, dass auf diese Weise „alle Lust des Lebens“ verloren gegangen ist und sich nur noch in einem Schmerzenslaut äußern kann, dessen ausformulierte Fassung dieses Gedicht ist.

Insgesamt ein Gedicht, das am Anfang im Hinblick auf Situation und Perspektive etwas irritiert, dann aber sehr den Gegensatz von Glück und Leid sehr deutlich werden lässt.

Quelle:

Friedrich Schiller: Sämtliche Werke, Band 1, München 31962, S. 214-215,410.

Permalink:

http://www.zeno.org/nid/20005596920

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