Schiller, „Die Räuber“ – Inhalt, Zitate, Interpretation (Mat2125)

Worum es hier geht:

  • Im Folgenden sammeln wir Schlüsselzitate aus Schillers Drama „Die Räuber“ und werten sie im Hinblick auf eine Interpretation des Stücks aus.
  • Um eine schnelle Übersicht bieten zu können, konzentrieren wir uns hier auf knappe Kernstellen, die man sich dann auch gut merken kann. Vor allem dann, wenn sie in ein Schaubild integriert werden.
  • Wenn wir auf größere Textstellen genauer eingehen, so lagern wir die auf eigene Seiten aus.

Übersicht über ausgelagerte Seiten:

I,1: Franz, der jüngere Sohn der Adelsfamilie Moor, fälscht einen Brief, um seinen älteren Bruder Karl bei seinem Vater in Misskredit zu bringen. Der verstößt ihn tatsächlich. Franz schreibt für den Vater einen Brief, den er bewusst verschärft.

https://www.einfach-gezeigt.de/schiller-r%C3%A4uber-schl%C3%BCsselstelle-1-1

I,2: In einer Kneipe wartet Karl auf eine Antwort auf seinen Brief an den Vater, in dem er verspricht, sein wildes Leben aufzugeben. Statt einer guten Antwort bekommt er den gefälschten Brief seines Bruders, der die angebliche Verstoßung durch den Vater enthält. Dies bringt ihn dazu, auf die Idee seines Kumpels Spiegelberg einzugehen, gemeinsam eine Räuberbande zu gründen.
https://www.einfach-gezeigt.de/schiller-r%C3%A4uber-schl%C3%BCsselstelle-1-2#

Das Wichtigste in Kürze – schon mal vorab ein Schaubild zum I. Akt

Zum Schaubild:

  • Der I. Akt präsentiert ja immer die dramatische Ausgangslage, was man auch Exposition nennt.
  • Hier geht es um den Konflikt um das Erbe zwischen
  • einem älteren Bruder, der ein leichtsinniges Studentenleben führt
  • und einem jüngeren, der sich zurückgesetzt fühlt und alles tun will, um selbst zum alleinigen Erben zu werden.
  • Deutlich wird, dass das über Intrigen führt, nämlich gefälschte Briefe und Informationen.
  • Damit gelingt es ihm,
  • den Vater gegen den älteren Bruder einzunehmen
  • und ihn auch gesundheitlich stark zu belasten.
  • und den älteren Bruder in eine Verzweiflungsentscheidung zu stoßen, die ihn zum Kriminellen macht und damit aus der Gesellschaft ausschließt.
  • Außerdem will der jüngere Bruder
  • auch noch die Geliebte des älteren Bruders gewissermaßen beerben,
  • stößt bei ihr aber auf Widerstand,
  • der er mit Gewalt überwinden will.

I,1: Franz verleumdet seinen Bruder und erreicht dessen Verstoßung aus dem Vaterhaus

  • “Weg ist das Schoßkind”
  • “über die Natur ungehalten”
  • “Bürde von Hässlichkeit”
  • “Das Recht wohnet beim Überwältiger”
  • “Gewissen nach der neuesten Façon”
  • “Gewalt” statt “Liebenswürdigkeit

I,2: Karl mit seinen Kameraden in einer Kneipe. Er wartet auf eine positive Antwort auf seinen Brief an den Vater, in dem er ankündigt, sich bessern zu wollen. Als er dann den gefälschten Brief mit der Zurückweisung durch den Vater erhält, entschließt er sich, Anführer einer Räuberbande zu werden, die seine Kameraden bilden wollen.

  • Karl fühlt sich angeekelt von „diesem tintenklecksenden Säkulum„, er liest lieber Geschichte von „großen Menschen“.
  • Er verachtet schließlich alle Menschen als „falsche, heuchlerische Krokodilbrut“,
  • „weg dann von mir Sympathie und menschliche Schonung“
  • „ich will mir eine fürchterliche Zerstreuung machen“
  • „ich bin euer Hauptmann! Und Glück zu dem Meister unter euch, der am wildesten sengt, am grässlichsten mordet, denn ich sage euch, er soll königlich belohnet werden“

I,3: Franz Moor versucht, nach dem Vater auch noch Amalia für sich zu gewinnen, was aber nicht gelingt.

  • Amalia zu Franz: „schämt euch, ihr Unmenschen!“
  • „einen Ring“ – „den Reizen einer Metze“
  • „Verräter, wie ich dich ertappe“
  • „Geh, sag ich. Du hast mir eine kostbare Stunde gestohlen“
  • „Amalia: „Ich verachte dich, geh!“ – Franz: „Wart! so sollst du vor mir zittern.“

II. Akt

Zum Schaubild:

  • II. Akt = Steigerung des Konflikts
  • hier Ausschaltung des Vaters
  • und Festigung der Position Karls als Räuberhauptmann

II,1: Franz dauert es zu lange, bis sein Vater stirbt. Er wirbt seinen Halbbruder Hermann an, der soll den Vater mit der Nachricht vom angeblichen Tod Karls erschrecken. Dafür soll er Amalia bekommen.

  • „Wer es verstünde, dem Tod diesen ungebahnten Weg in das Schloß des Lebens zu ebenen! – den Körper vom Geist aus zu verderben“
  • „denn siehst du, auf diese Art erreichen wir alle Zwecke zumal und bald. Amalia gibt ihre Hoffnung auf ihn auf. Der Alte misst sich den Tod seines Sohnes bei, und – er kränkelt – ein schwankendes Gebäude braucht des Erdbebens nicht, um übern Haufen zu fallen – er wird die Nachricht nicht überleben – dann bin ich sein einiger Sohn
  • „So fall ich Streich auf Streich, Sturm auf Sturm dieses zerbrechliche Leben an, bis den Furientrupp zuletzt schließt – die Verzweiflung! Triumph! Triumph! – Der Plan ist fertig „

II,2: Der Vater und Amalia hoffen auf eine Rückkehr Karls; Hermann erzählt die Geschichte vom angeblichen Tod Karls, übergibt ein Schwert mit dem angeblichen Vermächtnis Karls, Franz solle sich um seine Amalia kümmern. Der Vater ist dem Tode nahe.

  • Der alte Moor zu Amalia: „Eure Liebe macht mich so glücklich.“
  • Nach der Nachricht vom angeblichen Tod des Sohnes: Der alte Moor: „Mein Fluch ihn gejagt in den Tod! gefallen in Verzweiflung!“
  • Der alte Moor zu Franz: „Scheusal! Schaff mir Scheusal meinen Sohn wieder!“
  • Später aber: „Tritt her, mein Sohn! Vergib mir, wenn ich vorhin zu hart gegen dich war! Ich vergebe dir alles. Ich möchte so gern im Frieden den Geist aufgeben.“
  • Amalia, als der alte Moor kein Lebenszeichen mehr von sich gibt: „mit einem plötzlichen Schrei. Tot! Alles tot! Ab in Verzweiflung.“
  • Franz hüpft frohlockend herein: „Nun sollt ihr den nackten Franz sehen, und euch entsetzen!“

II,3: Spiegelberg kehrt mit neu angeworbenen Räubern ins Lager zurück; Besprechung verschiedener Abenteuer; Unterschied zwischen Schandtaten und Rettungstaten; Belagerung durch Militär; Amnestie-Angebot durch einen Pfarrer, wenn der Hauptmann ausgeliefert wird, der will sich scheinbar opfern; seine Leute bleiben ihm treu.

  • Razmann: „der Ruf unsers Hauptmanns hat auch schon ehrliche Kerl in Versuchung geführt“
  • Schweizer im Hinblick auf die Befreiung eines anderen Räubers: „Macht sich die Stadt eine Freude daraus, meinen Kameraden wie ein verhetztes Schwein abtun zu sehen, was, zum Henker! sollen wir uns ein Gewissen daraus machen, unserem Kameraden zulieb die Stadt draufgehen zu lassen? „
  • Räuber Moor (sehr ernst): „Roller, du bist teuer bezahlt.“
  • Räuber Moor: „O pfui über den Kindermord! den Weibermord! – den Krankenmord! Wie beugt mich diese Tat! Sie hat meine schönsten Werke vergiftet – […] – geh, geh! du bist der Mann nicht, das Rachschwert der obern Tribunale zu regieren, du erlagst bei dem ersten Griff – hier entsag ich dem frechen Plan, gehe, mich in irgendeine Kluft der Erde zu verkriechen, wo der Tag vor meiner Schande zurücktritt.“

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III. Akt

 

 

Zum Schaubild:

  • Der III. Akt bringt im regelmäßigen Drama dieser Zeit immer einen Höhe- und Wendepunkt.
  • In diesem Falle ist es der erfolgreiche Widerstand Amalias
  • und die gute Nachricht, dass Vater Moor und Karl noch leben.
  • Dieser wiederum erinnert sich an seine Kindheit und Amalia
  • und will sie aufsuchen.
  • Damit ist alles offen für und gegen Franz und für und gegen Karl mit Amalia. Allerdings lastet auf Karl natürlich die Hypothek seiner Gesetzesbrüche.

III,1: Amalia hat ein Festessen verlassen, um ein Lied für Karl Moor zu singen, den sie tot glaubt. Franz kommt und bedrängt sie, bis sie ihn mit seinem Degen vertreibt. Am Ende kommt dann Hermann und entlastet sich mit dem Hinweis, dass sowohl der alte Graf als auch Karl Moor noch leben.

  • Amalia singt für Karl ein Lied:
    „Er ist hin – und alle Lust des Lebens / Wimmert hin in ein verlornes Ach! –“
    Anmerkung: Das kann man gut als Gedicht des Sturm und Drang sehen.
  • Franz zu Amalia: „Die Liebe meines Vaters musst du in seinen Söhnen belohnen, und Karl ist tot.“
  • Franz zu Amalia: „… an den Haaren will ich dich in die Kapelle schleifen, den Degen in der Hand, dir den ehlichen Schwur aus der Seele pressen …“
  • Amalia zu Franz: „dieser Stahl soll deine geile Brust mitten durchrennen …“
  • Hermann zu Amalia: „Dieser Zentner muss von meiner Seele […] Karl lebt noch!“

III,2: Karl Moor und seine Räuber sind siegreich entkommen; Karl wird ganz sentimental und warnt Kosinsky, einen neuen Kandidaten vor dem Räuberleben. Das ändert sich, als er von seiner Amalia und einer fürstlichen Untat erzählt. Karl will daraufhin seine eigene Amalia aufsuchen und sie zumindest einmal sehen,

  • Moor zurückgesunken: „Und ich so hässlich auf dieser schönen Welt – und ich ein Ungeheuer auf dieser herrlichen Erde.“
  • Moor zu den anderen Räubern, als er vom Tod eines Räubers erfährt: „So wahr meine Seele lebt! Ich will euch niemals verlassen.“
  • Moor zu Kosinsky: „Du trittst hier gleichsam aus dem Kreise der Menschheit – entweder musst du ein höherer Mensch sein, oder du bist ein Teufel …“
  • Kosinsky beklagt sein Mädchen: „… meine Amalia bleibt in den Klauen des Tigers, verseufzt und vertrauert ihr Leben, während dass meine Rache fasten, und sich unter das Joch des Despotismus krümmen muss.“
  • Moor über seine Amalia: „Ich muss sie sehen. – Auf! rafft zusammen“

IV. Akt

IV,1: Karl hat sich verkleidet und besucht als Graf von Brand das Schloss seines Vaters.

  • Karl Moor bei der Betrachtung der Stätten der Erinnerung:
    „Die goldne Maienjahre der Knabenzeit leben wieder auf in der Seele des Elenden.“
  • Wechsel von
  • „ich gehe in mein Elend zurück!“
    zu
  • „Nein! sehen muss ich sie – muss ich ihn – es soll mich zermalmen.“
  • Die letzten Gefühle, bevor er hineingehte: „Todesschauer – Schreckenahndung“

IV,2: Amalia stellt fest, dass der Besucher auf den Gemälden den alten Grafen erkennt, also kein Betrüger ist. Als Karl dann aber genauer auf sein Bild eingehen will, flieht sie. Später erscheint Franz allein und erkennt im Vergleich, dass der Besucher Karl ist. Er plant den Mord an ihm mit Hilfe eines Dieners.

  • Amalia prüft den Besucher, ob er die Gemälde richtig identifiziert. Dabei stellt sie fest, als sie sieht, wie Karl das Bild seines Vaters betrachtet: „Sie scheinen viel Anteil an ihm zu nehmen.“
  • Als Karl dann zu seinem Bild kommt, wird es Amalia zuviel, sie geht schnell ab und Karl stellt fest:
    „Sie liebt mich, Sie liebt mich! – ihr ganzes Wesen fing an sich zu empören, verräterisch rollten die Tränen von ihren Wangen. Sie liebt mich! – Elender, das verdientest du um sie! Steh ich nicht hier wie ein Gerichteter vor dem tödlichen Block? […]
    Ergriffen vom Anblick seines Vaters. Du, du – Feuerflammen aus deinem Auge – Fluch, Fluch, Verwerfung! – wo bin ich? Nacht vor meinen Augen – Schrecknisse Gottes – Ich, ich hab ihn getötet!
    Er rennt davon.“
  • Franz kommt hinzu, vergleich das Bild mit dem Besucher und stellt fest:
    „Er ists! trutz seiner Larve! – Er ists! trutz seiner Larve! – Er ists – Tod und Verdammnis!“
  • Er will sich seine „künstlichsten Wirbel“ von Karl nicht kaputtmachen lassen: „Ans Umkehren ist doch nicht mehr zu gedenken.“ „Er versammle sich zu dem Geist seines Vaters und komme, der Toten spott ich.“
  • Franz ruft Daniel, einen alten Bediensteten und macht ihm im Hinblick auf den Besucher klar: „morgen darf der Graf nimmer unter den Lebendigen wandeln.“
  • Als Daniel sich weigert, zeigt Franz, wie weit er in seinem Allmachtswahn zu gehen bereit ist: „Hast du je gehört, dass sich der Henker zierte, wenn er ein Urteil vollstrecken sollte?“
  • Schließlich Daniel: „nach einigem Nachdenken. Ich wills tun, morgen will ichs tun.“
  • Den Schluss der Szene bildet dann ein Monolog, der viel Nihilismus und damit verbundene Gewissenlosigkeit durchscheinen lässt:
    „der Mensch entstehet aus Morast, und watet eine Weile im Morast, und macht Morast, und gärt wieder zusammen in Morast, bis er zuletzt an den Schuhsohlen seines Urenkels unflätig anklebt. Das ist das Ende vom Lied – der morastige Zirkel der menschlichen Bestimmung, und somit – glückliche Reise, Herr Bruder! Der milzsüchtige, podagrische Moralist von einem Gewissen mag runzligte Weiber aus Bordellen jagen, und alte Wucherer auf dem Todesbett foltern – bei mir wird er nimmermehr Audienz bekommen!“

IV,3

  • Der alte Diener Daniel hat Karl erkannt
  • und erzählt ihm, was wirklich vorgefallen ist.
  • Karl ist zwar zornig auf seinen Bruder, will aber nicht gegen ihn vorgehen, sondern schnell den Ort des Geschehens verlassen.

IV,4

  • Karl begegnet noch mal Amalia.
  • Die erzählt von dem guten Karl, den sie gekannt hat.
  • Karl ist beschämt, was seinen Entschluss verstärkt zu verschwinden.

IV,5

  • Spiegelberg versucht, die anderen Räuber gegen Karl aufzuwiegeln, wird aber von einem seiner Getreuen erdolcht.
  • Karl ist erschüttert und sieht in Spiegelbergs Schicksal auch sein Ende.
  • Dann aber sieht er Hermann, der dem alten Grafen Essen in sein Gefängnis bringen will.
  • Jetzt reicht es Karl und er will mit seinen Räubern losziehen, um Franz zu bestrafen.

V. Akt

V,1

  • Franz ist nach einem Traum, in dem er sich vor dem Jüngsten Gericht gesehen hat, verzweifelt,
  • lässt den Pfarrer kommen, um sich von ihm die Existenz Gottes beweisen zu lassen.
  • Als er hört, dass jeder für seine Sünden bezahlen muss, schickt er den Pfarrer verängstigt fort.

V,2

  • Karl spricht mit seinem Vater, ohne sich zu erkennen zu geben.
  • Als er erfährt, dass Franz inzwischen tot ist, ist er froh, nicht selbst gegen ihn vorgehen zu müssen.
  • Amalia kommt und ist glücklich, bis Karl ihr erklärt, dass er inzwischen ein Räuberhauptmann ist.
  • Der alte Graf überlebt die Nachricht nicht.
  • Amalia hält trotzdem zu ihrem Geliebten.
  • Die Räuber verlangen von Karl aber, dass er seinem Schwur treu bleibt und mit ihnen weitermacht.
  • Amalia möchte lieber getötet werden, als Karl zu verlieren.
  • Daraufhin erschießt dieser sie.
  • Dann aber erklärt er, dass er nicht mehr weitermachen will, sondern sich der Justiz ausliefern will.
  • Seine letzte Tat ist, dass die entsprechende Belohnung ein einfacher Tagelöhner bekommen soll.

 

 

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