Tipps zum kreativen Schreiben (Mat8637)

Worum es hier geht:

Was passiert eigentlich, wenn man selbst mal versucht, zum Beispiel eine Geschichte zu erfinden.

Es gibt Leute, die können zum Beispiel spontan den folgenden Text runterdiktieren. Ausgangspunkt war die Klage eines Freundes, er habe sich zu lange mit zwei Leuten beschäftigen müssen, die ihn einfach nur genervt haben.

Wir haben die „Geschichte“ selbst in Kursivschrift präsentiert. Dazwischen die nachträglichen Kommentar von Lars Krüsand, der für uns das Experiment gemacht hat.

Mein Leben als Einzeller

  1. Ich hatte mir den Tag so schön vorgestellt.
    • Ein typischer erster Satz, der die Erzählhaltung festlegt und in gewisser Weise auch die „Musik“  der Geschichte.
  2. Es hatte morgens ganz gut begonnen, später war ich auch noch ein bisschen unterwegs.
    • Überleitung vom schönen Teil des Tages zu dem, was dann ganz anders geworden ist.
  3. Da traf ich dummerweise zwei Leute, die ganz anderer Meinung waren als ich.
    • Hier wird etwas aufgenommen, was vorher im Gespräch erwähnt worden ist.
    • Der Erzähler bezieht also in diese spontane fiktive Geschichte Dinge ein, die durchaus etwas mit der Realität zu tun haben.
  4. Ich wollte eigentlich still meine Sachen erledigen und schauen, was das Leben mir so bietet. Die beiden Typen aber hatten nichts anderes im Sinn, als mir ständig auf den Nerv zu gehen, mir ihre Sachen aufzuzwingen, so dass ich am Ende ziemlich entnervt war und heute Abend nicht mal mehr rechtzeitig zu Hause war.
    • Hier wird noch mal zurückgegriffen auf die eigentlichen Absichten.
    • Die werden in Kontrast gesetzt zu dem, was dann Realität war.
    • Am Ende dann Überleitung zu einem Kontextelement – denn der, der reales Opfer dieser Ereignisse war, wird hier spielerisch mit einbezogen.
  5. Und auch dann war ich mehr mit Transpiration beschäftigt als mit Inspiration.
    • Auch hier wieder Anspielung auf etwas, was kurz vorher Gesprächsgegenstand war.
  6. Daraufhin beschloss ich, in der nächsten Zeit eher in der Zelle zu leben. Ein gutes Vorbild dazu ist Goethes Werther, denn der hatte sich ja auch die Frage gestellt, ob er sich eine Kugel in den Kopf schießen soll oder ob er lieber irgendwo als Mönch unterkommen und seine Ruhe finden soll.
    • Auch das gehört zu den Themen, deren Behandlung dieser Geschichte vorausgegangen sind.
  7. Wir würden ihm Letzteres empfehlen.
    • Hier dann eine spielerische Veränderung der Erzählhaltung – die Story wird übergeleitet aus dem Bereich der Fiktion in die aktuelle Realität.
    • Es gibt also eine Verschmelzung.
  8. Und ich werde mich hier wieder zurückmelden, wenn ich der Zelle überflüssig bin und wieder Lust habe auf normales Leben.
    • Das wird hier noch fortgeführt, indem ein übergeordneter Erzähler sich plötzlich in die bisher in Ich-Form erzählende Figur hineinversetzt.
    • Sehr ungewöhnlich, aber bei fiktiven Texten ist letztlich alles erlaubt – es ist halt ein Spiel mit Realitätselementen, die zu einer neuen Wirklichkeit verknüpft werden.

Nun nun ein paar Ideen, die Lars Krüsand als erfahrener Behelfsschriftsteller präsentiert hat.
https://textaussage.de/lars-kruesand-sammlung-der-texte-eines-behelfsschriftstellers

  • [Achtsamkeit und Austausch-Idee]
    Man ist unterwegs und achtet auf Dinge, die einem auffallen können. Dann überlegt man sich, wie man diesen Eindruck festhalten könnte. Die einfachste Möglichkeit wäre natürlich, einen Chat-Partner zu haben, der für solche Ideen und Notizen empfänglich ist und dann entweder mit eigenen Beiträgen antwortet oder auch Stellung nimmt dazu.
  • [Die Magie des ersten Satzes]
    Man sucht zu dem, was einem auffällt, einen ersten Satz. Im Idealfall enthält der eine bestimmte Melodie, die man dann versucht beizubehalten.
  • [Ratschlag: Sich erst mal spielerisch zu erproben]
    Schreiben und publizieren sind zwei sehr verschiedene Dinge. Auch wenn natürlich das zweite auf dem ersten aufbaut.
    Aber jede Art von künstlerischer Betätigung ist eine recht sensible Angelegenheit – und häufig sind andere nicht bereit oder in der Lage, sich in die Situation des Autors zu versetzen.
    Hier hilft ggf. die Nutzung eines Pseudonyms.
  • [Ratschlag: Von einfachen Erzählsituationen ausgehen]
    Wenn man in seinem Umfeld kleine Kinder hast, dann kann man trainieren, ihnen eine Geschichte zu erzählen. Hier kann man das fiktionale Schreiben üben, also das wirklich kreative, bei dem man die Realität einbezieht, sie aber selbst weiter ausgestaltet. Im Prinzip schafft man eine neue Wirklichkeit.
  • [Anregungen für das Schreiben]
    • können sich aus Wolkenformationen ergeben, mit denen man etwas verbindet. 
    • Oder man kann auch Elemente der Natur, die einen umgeben, versuchsweise mal zu Wesen machen, mit denen man Kontakt aufnimmt.
  • [Kritische Stellungnahmen – im Schutz der Fiktionalität]
    Eine weitere gute Möglichkeit, das Schreiben zu üben, ist die Auseinandersetzung mit dem, was man zum Beispiel liest oder in einem Film sieht.
  • [Evtl. das Mittel des poetischen Gegenangriffs nutzen]
    Zu einem Gedicht, mit dem man in der Schule konfrontiert wird, kann man sehr gut ein Gegengedicht schreiben. Je mehr man sich über etwas ärgert, desto größer ist der Drang in einem, sich dazu zu äußern. Das sollte man als Antriebskraft nutzen, wie eine Sonde, die sich auf dem Weg in die Unendlichkeit von einem Planeten kurz einfangen und beschleunigen lässt, um dann mit neuer Kraft, das Weite zu suchen.

    https://textaussage.de/gegengedichte-bedeutung-beispiele-tipps-themenseite
  • [Auf Sprichwörter poetisch antworten durch negative Konkretisierung]
    Zum Widerspruch oder in diesem Fall zum “Widerschreib” können zum Beispiel auch Sprichwörter herausfordern. Die sind meistens so, dass man sie auch gut ironisierend in Frage stellen kann.
    Beispiel:
    „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“ -> Man bleibt den ganzen Tag im Bett.
    „Wer wagt, gewinnt.“ Das könnte jemand sagen, der in fremder Gegend mal probeweise vom Felsen in ein Gewässer spricht – mit ungewissem Ausgang – eine Art Russisch-Roulette.
  • [Für Nachwuchs-Dramatiker]
    Eine gute Möglichkeit besteht auch, sich vorzustellen, was passiert, wenn …:

    • Jeder kennt das eigentlich, dass er als Schüler oder Schülerin zum Beispiel zum Direktor gerufen wird und dann geht man die eigene Sündenliste durch und stellt sich vor, wie das ablaufen könnte. Dabei kann man natürlich probeweise auch eine bestimmte Rolle einnehmen und sich alle guten und schlechten Taten zueignen, auf die man dann zu sprechen kommen könnte.
    • Man kann so aber auch ein Gespräch “antizipieren”, in  dem man etwas erreichen möchte: eine bessere Note bei der Lehrkraft, bei den eigenen Eltern Geld für eine Anschaffung o.ä.
  • [Ganz wichtig ist das Phänomen der Nachahmung.]

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