Wirtschaftspsychologie schon in der Schule? Zumindest sollte man diese Effekte kennen! (Mat278-nwp)

Worum es hier geht:

In dem Berufsnetzwerk LinkedIn hat Frau Prof. Dr. Sandra Niedermeier in einem Beitrag einige psychologische Effekte aufgelistet, die im Berufsleben eine große Rolle spielen.

Wir kannten uns mit diesen Effekten bisher nicht aus, sind aber der Meinung, dass sie auch schon in der Schule eine Rolle spielen sollten.

Vielleicht meldet sich der eine oder andere dann ja auch noch zu einem Kurs der Hochschule an, an der diese Professorin unterrichtet.
https://www.hs-kempten-business-school.de/lernen/master/master-wirtschaftspsychologie/

Wir wollen uns ja hier nicht mit fremden Federn schmücken.

Allerdings haben wir die KI Gemini gebeten, uns genauere Infos zu diesen Effekten zu geben – und dann jeweils ein Beispiel zu präsentieren, dass man schon in der Schule nachvollziehen kann.

Dies ist als Anregung für alle Lehrkräfte gedacht, die deutlich machen wollen, dass in der Schule wirklich auch für das Leben gelernt wird.

Wer sich für den Ansatz interessiert, findet uns auch auf Reddit in einem Unterthema:
https://www.reddit.com/r/NichtFuerDieSchule/

1. Peter-Prinzip

  • Beispiel: Stell dir vor, deine Freundin Lea ist die beste Spielerin in eurer Schul-Volleyballmannschaft. Sie ist super im Angriff und punktet zuverlässig. Weil sie so gut ist, wird sie zur Mannschaftskapitänin gewählt. Doch als Kapitänin muss sie nicht nur gut spielen, sondern auch das Team motivieren, Konflikte schlichten und Taktiken erklären. Lea ist zwar eine tolle Spielerin, aber sie tut sich schwer, vor der Mannschaft zu sprechen, und mag es nicht, wenn sie Anweisungen geben muss. Sie ist in ihrer alten Rolle top, aber in der neuen Rolle als Kapitänin ist sie überfordert, und die Teamleistung leidet. Dieses Phänomen, dass jemand für eine Position befördert wird, die andere Fähigkeiten erfordert als die, in der er oder sie brillierte, ist das Peter-Prinzip.
  • Wir haben das hier mal in ein Bild gefasst. Der zweite von oben ist der, der das Maximum seiner Leistungsfähigkeit überstiegen hat. Jetzt gibt es nur noch drei „Begleitumstände“.
    1. Der krampfhafte Versuch, sich in der Position zu halten,
    2. führt dazu, dass allerdings nach unten fällt, was die „Untergebenen“ auffangen müssen.
    3. Die Instanz über dem „Strauchelnden“ wehrt aber wohlwollend alle Klagen ab, solange die eigene Position nicht bedroht ist.

2. Halo-Effekt

  • Beispiel: Dein neuer Mitschüler Max kommt aus den USA, hat super coole Klamotten an und erzählt viele spannende Geschichten von dort. Du findest ihn sofort cool und denkst: „Der ist bestimmt auch mega intelligent, super freundlich und kann alles gut!“ Wenn dann in der Gruppenarbeit Max kaum etwas beiträgt oder sich als nicht so zuverlässig herausstellt, bist du vielleicht überrascht. Dein erster stark positiver Eindruck von seinem Style und seinen Erzählungen hat unbewusst deine Erwartung geformt, dass er auch in anderen Bereichen (Intelligenz, Zuverlässigkeit) spitze sein muss. Das ist der Halo-Effekt: Eine positive Eigenschaft (cooles Aussehen, spannende Geschichten) „überstrahlt“ andere Eigenschaften und führt zu einer Gesamt-Positivbewertung.

3. Autoritätsbias

  • Beispiel: Ihr seid eine Gruppe von Freunden, die sich für ein Konzert anstellen. Vor euch steht eine Person, die wie ein Security-Mitarbeiter aussieht – mit einer Uniform und einem Funkgerät. Er sagt der Schlange plötzlich, dass alle sich noch einmal eine Reihe weiter nach hinten bewegen sollen, weil das für die Sicherheit wichtig sei. Obwohl es keinen ersichtlichen Grund dafür gibt und es eng wird, folgt fast jeder in der Schlange dieser Anweisung, ohne zu hinterfragen, ob diese Person wirklich vom Veranstalter ist oder die Anweisung sinnvoll ist. Die vermeintliche Autorität (Uniform, Funkgerät) veranlasst die Leute, ohne eigene Prüfung zu gehorchen, selbst wenn es unbequem ist oder keinen Sinn ergibt. Das ist der Autoritätsbias.

4. Dunning-Kruger-Effekt

  • Beispiel: Tom hat gerade erst angefangen, Gitarre zu spielen. Nach zwei Wochen kann er drei Akkorde greifen und ein einfaches Lied spielen. Er ist total begeistert und erzählt jedem, wie einfach Gitarre ist und dass er bald ein Rockstar sein wird. Er überschätzt seine Fähigkeiten enorm, weil ihm das Wissen fehlt, wie viel es noch zu lernen gibt. Gleichzeitig spielt deine Musiklehrerin seit 30 Jahren Gitarre und tritt sogar professionell auf. Wenn du sie fragst, ob sie ein guter Gitarrist ist, sagt sie oft: „Ich lerne immer noch dazu, es gibt so viele talentierte Leute da draußen und immer neue Techniken zu entdecken.“ Sie unterschätzt ihre eigene, sehr hohe Kompetenz, weil sie sich des riesigen Feldes der Musik bewusst ist und ihre eigenen Fehler kennt. Das ist der Dunning-Kruger-Effekt: Die Inkompetenten überschätzen sich, die Kompetenten unterschätzen sich.

5. Glass Cliff

  • Beispiel: In eurer Klasse gibt es ein schwieriges Schulprojekt, das bisher niemand leiten wollte – es geht um die Organisation eines riesigen Schulfestes, für das kaum Geld da ist und das in kürzester Zeit organisiert werden muss. Es ist fast sicher, dass es schiefgeht. Die Lehrerin fragt dann ausgerechnet Sarah, die neu in der Klasse ist und als eine der wenigen Schülerinnen mit Migrationshintergrund heraussticht, ob sie die Leitung übernehmen möchte. Sarah sieht es als ihre Chance, sich zu beweisen. Wenn das Fest dann wegen der widrigen Umstände nicht so läuft wie geplant, wird sie von einigen sofort dafür kritisiert und als „nicht fähig“ abgestempelt, obwohl die Bedingungen von Anfang an schlecht waren. Sarah wurde auf den „Glass Cliff“ gestellt: Eine Chance, die aussieht wie eine Beförderung, aber in Wirklichkeit ein hohes Risiko des Scheiterns birgt, für das dann die „unerprobte“ Person verantwortlich gemacht wird.

6. Survivorship Bias

  • Beispiel: Du träumst davon, ein berühmter YouTuber oder TikToker zu werden. Du siehst immer nur die Erfolgsgeschichten: Leute, die in kurzer Zeit Millionen von Abonnenten gewonnen haben, viel Geld verdienen und ein scheinbar perfektes Leben führen. Diese „Überlebenden“ der YouTube-Landschaft sind überall sichtbar. Was du dabei ausblendest, sind die Hunderttausenden, die jeden Tag Videos hochladen, aber kaum Klicks bekommen, die jahrelang hart arbeiten und nie erfolgreich werden oder sogar ihren Kanal aufgeben. Du siehst die Spitze des Eisbergs, nicht das riesige Fundament der Gescheiterten. Wenn du deine eigene Karriere planst, nur basierend auf den sichtbaren Erfolgsgeschichten, unterliegst du dem Survivorship Bias.

7. Status-quo-Bias

  • Beispiel: Eure Schule überlegt, ein neues Online-Lernsystem einzuführen, das viele Vorteile hätte: Man könnte Aufgaben leichter teilen, Hausaufgaben digital abgeben und sogar Video-Tutorials anschauen. Obwohl das System langfristig viel Zeit sparen und das Lernen flexibler machen würde, protestieren viele Schüler und auch einige Lehrer: „Das haben wir doch noch nie so gemacht!“, „Ich kenne mich mit sowas nicht aus!“, „Das ist doch viel zu kompliziert!“ Sie bevorzugen die alte Methode mit Heften und Arbeitsblättern, einfach weil sie diese gewohnt sind und die Unsicherheit der Veränderung scheuen, auch wenn die neue Methode objektiv besser wäre. Diese Abneigung gegen Veränderungen aus Gewohnheit und dem Sicherheitsbedürfnis heraus ist der Status-quo-Bias.

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