Baustein: Der „Fragmentenstreit“ und seine Bedeutung für das Drama „Nathan der Weise“ (Mat8552)

Worum es hier geht:

Baustein: Welche Bedeutung hat der sog. „Fragmentenstreit“ für das Drama „Nathan der Weise“?

  1. Bei den „Fragmenten“ handelt sich um Schriften, die nach dem Tod seines Freundes Reimarus anonym von Lessing veröffentlicht wurden (1774-1778, 1777 kam es zum offenen Streit).
  2. Lessing sah darin eine Chance, seine eigenen Gedanken über Religion gewissermaßen unter einem Deckmantel zu präsentieren.
  3. Typisch für die Aufklärung:
    • Vorherrschaft der Vernunft gegenüber Bibel/Offenbarung
    • Infragestellung der Wunder
    • bis hin zur Gottessohnschaft Christi.
  4. Das hat mit evangelischem Christentum in der Nachfolge Martin Luthers nicht mehr viel zu tun und führt deshalb auch zu einem Streit – und zwar mit dem einflussreichen Hamburger Hautpastor Goeze. Ergebnis war letztlich ein Publikationsverbot für Lessing durch seinen Landesherrn.
  5. In der Auseinandersetzung
    • argumentierte Goeze sehr stark mit der Bedeutung des vorhandenen Christenglaubens für die Stabilität der Gesellschaft und letztlich auch der Herrschaft der Fürsten.
    • Lessing wehrte sich mehr auf einer persönlichen Betroffenheitsebene.
    • In der Sache hätten sich seine Probleme sonst nur noch vergrößert. Immerhin war er getaufter evangelischer Christ, also letztlich dem entsprechenden Glaubensbekenntnis verpflichtet.
  6. Fazit:
    • Offenbarung interessiert Lessing in „Nathan der Weise“ nicht,
    • nur die Frage, wie man aus Vernunftgründen religiöse Streitigkeiten vermeiden kann.
    • Das ist typisches Vernunftdenken der Aufklärung.
    • Problem: Es ist sehr fraglich, ob damit wirklich gläubige Christen, Juden und Muslime zum Verzicht auf den Alleingültigkeitsanspruch ihrer Religion bewegt werden können – immerhin geht es um so etwas wie ewige Seligkeit.

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