Goethe, „Der Erlkönig“ – Prüfung des Rhythmus (Mat8268-sd)

Worum es hier geht:

Vor einiger Zeit haben wir uns schon mal mit dem Rhythmus im Erlkönig beschäftigt:
https://textaussage.de/goethe-der-erlkoenig-check-des-rhythmus

Jetzt sind wir noch mal sehr viel gründlicher an die Sache rangegangen.

Schauen wir uns jetzt mal zunächst nur die erste Strophe an – wir haben das hier in einer Audio-Datei erklärt:

Man sieht hier deutlich, dass es vom Anfang her ein Jambus sein könnte, also unbetont, betont, dann aber kommen immer wieder Doppelsenkungen (zwei unbetonte Silben hintereinander), so dass sich kein einheitlicher Rhythmus zu ergeben scheint.

Wie wir in der Audiodatei aber deutlich gemacht haben, gibt es bei dem Gedicht kein Problem mit dem Sprechrhythmus. Dabei betont man sinngemäß und arbeitet ggf. auch mit kurzen Pausen.

Es funktioniert.

Hier nun die Betonung des gesamten Gedichtes – es scheint ein Durcheinander zu sein. Aber beim Rezitieren, d.h. beim Vortragen gibt es kein wirkliches Problem.

Hier zunächst die Audio-Datei, dann ein Screenshot und schließlich eine PDF-Datei zum Herunterladen.

Auf dem folgenden Screenshot fällt übrigens auf, dass es in den Zeilen 08 und 09 einen durchgängigen Wechselrhythmus gibt. Das wäre dann jeweils ein vierhebiger Jambus.

Wenn man sich jetzt fragt, warum Goethe diese zwei Zeilen regelmäßig gestaltet hat, könnte man auf den Gedanken kommen. Der Vater will den Sohn beruhigen und spricht deshalb hier regelmäßig.

Warum dann aber anschließend der Erlkönig ebenfalls?

Hier könnte man jetzt annehmen, dass der Erlkönig hier den Vater nachahmt – nach dem Motto: Bei mir ist auch alles in Ordnung.

Das mag reine Spekulation sein – aber es ist in sich zumindest stimmig.

Insgesamt sollte man sich aber mehr mit der Aussage der Ballade und mit der Sprachmusik beschäftigen, also mühsam die Grundrhythmen zu identifizieren – denn deren Bedeutung ist sehr viel geringer – und kein Schriftsteller achtet da groß drauf. Er sucht eine erste Zeile, die einen Rhythmus anklingen lässt – und dann hält er diesen Rhythmus einfach durch.

Das kann man ruhig mal ausprobieren.

Hier nun die Gesamtübersicht.

Auswertung:

  • Man sieht deutlich, dass es eine Kombination von Wechselrhythmus und Unterbrechungen durch zwei aufeinanderfolgende Senkungen gibt.
  • Das Besondere ist aber, dass das den Sprechrhythmus gar nicht stört, wie die folgende Audio-Datei zeigt.

Druckdateien

Mat8268 Goethe, Der Erlkönig – Rhythmus geprüft

Mat8268 Goethe, Der Erlkönig – Rhythmus ungeprüft

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