Friedrich Hebbel, „Ich und Du“ (Mat7209)

Worum es hier geht:

Vorgestellt wird ein Gedicht von Friedrich Hebbel, das auf besondere Art und Weise eine Liebe darstellt.

Dazu kommt, dass die Darstellung auf den ersten Blick nicht sehr klar ist, also eine echte Herausforderung darstellt.

Gefunden haben wir das Gedicht hier:

https://www.staff.uni-mainz.de/pommeren/Gedichte/IchundDu.html

Friedrich Hebbel

Ich und Du

  1. Wir träumten voneinander
  2. Und sind davon erwacht.
  3. Wir leben, um uns zu lieben,
  4. Und sinken zurück in die Nacht.
    • In der ersten Strophe wird die Liebe dargestellt als eine Kombination von Traum und Leben.
    • Man träumt voneinander – und das scheint so schön zu sein, dass man davon sogar erwacht.
      • Hier wird es natürlich schwierig. Was ist damit gemeint?
      • Es lohnt sich, mal zu überlegen, was damit gemeint sein könnte.
      • Naheliegt eine Negativ-Hypothese:
        Ein Traum entspricht nicht der Realität.
    • Dann geht es aber überraschenderweise positiv weiter: Es wird festgestellt, dass beide leben, um sich zu lieben.
      • Auch hier weiß man nicht, was genau gemeint ist:
      • Wenn man die Linie weiter auszieht:
        • Von einander träumen
        • Davon erwachen: Das würde dann bedeuten, dass es mehr ist als ein Traum, wenn es hier positiv weitergeht.
      • Dann wird aber noch schwieriger: Denn man sinkt zurück in die Nacht:
        • Am einfachsten ist das so zu verstehen, dass sich jetzt ein Kreislauf schließt: Gleich müsste ein neuer Traum kommen.
  1. Du tratst aus meinem Traume,
  2. Aus deinem trat ich hervor,
  3. Wir sterben, wenn sich Eines
  4. Im andern ganz verlor.
    • In der zweiten Strophe wird dann deutlich, dass jeder davon lebt, dass der andere aus seinem Traum hervor tritt, also Realität wird.
    • Dann wieder eine überraschende Veränderung:
      Jetzt geht es darum, dass man stirbt, wenn man sich ganz „im andern verlor“.

      • Das könnte bedeuten, dass man seine Identität bewahren muss, sonst bleibt dem anderen ja kein Liebesgegenüber.
  1. Auf einer Lilie zittern
  2. Zwei Tropfen, rein und rund,
  3. Zerfließen in Eins und rollen
  4. Hinab in des Kelches Grund.
    • In der letzten Strophe dann der Wechsel des Gedichtes ins Konkrete – zumindest in das eines Bildes für die Liebe.
    • Es geht um eine Blume, an der zwei Tropfen zu sehen sind, rein und rund – also alles bestens.
    • Vielleicht kann man das „rein“ und „rund“ beziehen auf das nicht ganz verloren
    • Aber diese Tropfen zittern, das deutet eine Bewegung an.
    • Am Ende dann werden zu sie zu einem gemeinsamen Tropfen und rollen hinunter in das Innere des Blumenkelches.
    • Dabei zerfließen sie „in Eins“ – also passiert jetzt doch das, was vorher als Gefahr gesehen wurde.
    • Vielleicht aber auch nicht: Denn hier zerfließen beide zu einer neuen gemeinsamen Einheit.
Insgesamt …
  • ein Gedicht, das eine Zweisamkeit zeigt, die nicht auf falsche Art und Weise zu einer Einheit werden darf.
  • Keiner der beiden Partner darf im anderen aufgehen – wohl aber dürfen sie „zittern“, wie es die Aufregung der Liebe mit sich bringt – und dann gemeinsam zu einem Ganzen werden.
  • Das wäre dann das höchste Glück der Liebe.
Anregungen:

Die Frage ist  und bleibt, bis zu welchem Punkt das geht – ob nicht das völlige Aufgehen im anderen ein Kurzzeiterlebnis ist, das ähnlich wie am Anfang dann auch ein kurzzeitiges Erwachen wieder mit sich bringt und im Idealfall in eine neue Vereinigung mündet.

Das kann man übrigens wunderbar diskutieren: Wieviel gemeinsames Zusammenwachsen darf sein – das wird ja bei alten Ehepaaren häufig gesehen, wenn es einigermaßen gut läuft.

Und wieviel Eigensinn und Eigenleben muss bzw. darf doch auch bleiben.

Vergleichsmöglichkeiten:

Was bei einem Menschen passiert, der einseitig im Partner aufgeht, hat Ulla Hahn eindrucksvoll in diesem Gedicht beschrieben.

https://schnell-durchblicken.de/ulla-hahn-mit-haut-und-haar

Weitere Infos, Tipps und Materialien