Goethe, „Werther“ – wie man „freundlich“ einsteigen kann (Mat8595)

Worum es hier geht:

  • Die Beschäftigung mit Literatur im Deutschunterricht bringt viele Probleme mit sich.
  • Das größte Problem dürfte wohl die Frage vieler Schüler sein: Was hat das mit mir zu tun?
  • Wir schlagen deshalb vor, es gleich am Anfang am Anfang mit einem „freundlichen Einstieg“ zu versuchen.
  • Gemeint ist damit, dass die Frage der Aktualität nicht ans Ende der Besprechung verschoben wird – sondern gleich am Anfang geschaut wird: Hat das, was da im Text steht, etwas mit uns zu tun.
  • Letztens haben wir mitbekommen, dass in Hessen wohl Goethes „Werther“ Thema iste – und dass es da gleich mit dem Sturm und Drang los geht.
  • Warum nicht erst mal ganz unbefangen an den ersten Brief rangehen?
  • Wir haben deshalb ein Blatt so aufgebaut, dass links der Text aus Goethes Roman steht – und rechts daneben kann man eintragen, inwieweit es so etwas heute auch noch gibt.
  • Vielleicht ist der eine oder die andere dann sogar gespannt, wie das weitergeht. Und wenn dann ganz seltsame Sachen auftauchen, kann man immer noch sagen: Ja, ja, der Sturm und Drang, das waren noch Zeiten. Gut, dass die vorbei sind – oder vielleicht auch nicht? Schauen wir mal.
  • Um die Aufgabe zu erleichtern, haben wir den Originaltext etwas gekürzt und auch zum Teil sprachlich modernisiert. Das berührt aber nicht die Kernaufgabe, die sich ja auf vergleichbare Situationen heute konzentriert.
    Eine PDF-Datei, die die Veränderungen sichtbar macht, hängen wir hier an:
    Mat8595 Werther Brief 1 Vergleich Bearbeitung Original

    Das sieht übrigens schlimmer aus, als es ist. Gleichzeitig wird deutlich, dass moderne Textverarbeitungen (in diesem Falle war es Microsoft Word) durchaus diese interessante Funktionalität haben.

Eine mögliche Aufgabe:

  • Ihr findet hier den Brief, mit dem der Roman „Die Leiden des jungen Werther“ von Goethe beginnt.
  • Wir wollen schauen, inwieweit man das, wovon der junge Mann seinem Freund berichtet, in die heutige Zeit übertragen kann. Es geht um das Grundsätzliche – es kommt darauf an, etwas Passendes zu finden.
  • Zu dem Zweck haben wir den Brief in insgesamt 5 Abschnitte aufgeteilt und zum Teil etwas gekürzt und sprachlich modernisiert. Versucht jeweils zu dem, was links steht, eine moderne Parallelversion zu entwickeln, die ihr dann als moderner Werther eurem Freund oder eurer Freundin schickt. Die ist gerade in einem Funkloch, da kommt man nicht darum herum, mal eine längere Nachricht zu schreiben.
  • Damit das leichter fällt, ist das in der ersten Zeile schon mal ausgefüllt worden.
  • Wenn euch zu viel einfällt, einfach auf ein Extrablatt schreiben. Am Ende vergleichen wir die besten Lösungen.
Hier zunächst eine Vorschau:

Und hier auch eine PDF-Druckdatei

Mat8595 Goethe, Werther – wie man freundlich einsteigen kann

Abschnitt 1 – bitte in die heutige Zeit übertragen

Erstes Buch – [7] Am 4. Mai 1771.

(1) Wie froh bin ich, dass ich weg bin! Bester Freund, was ist das Herz des Menschen! Dich zu verlassen, den ich so liebe, von dem ich unzertrennlich war, und froh zu sein! Ich weiß, du verzeihst mir’s. [… ]  Die arme Leonore! Und doch war ich unschuldig. Konnt‘ ich dafür, dass, während die eigensinnigen Reize ihrer Schwester mir eine angenehme Unterhaltung verschafften, dass eine Leidenschaft in dem armen Herzen sich bildete? Und doch – bin ich ganz unschuldig? Hab‘ ich nicht ihre Gefühle genährt? Hab ich nicht an manchen sehr natürlichen Äußerungen durchaus Spaß gehabt? hab‘ ich nicht –

Vorschlag für eine Lösung für Abschnitt 1

O Mann, was bin ich froh, dass ich weg bin. Obwohl ich es schade finde, dass wir jetzt einige Zeit nichts zusammen machen können. Du weißt ja, diese Leonore, die wir letztens getroffen haben. Ihre Schwester war ja ganz nett – aber sie selbst unmöglich. Und dann entwickelt die auch noch Gefühle für mich. Wohl meine eigene Schuld, dass ich bei ihren Gags zumindest hin und wieder mitgelacht habe.

Abschnitt 2 – bitte in die heutige Zeit übertragen

(2) […] Ich will, lieber Freund, ich verspreche dir’s, ich will mich bessern, will mich nicht mehr lange mit dem bisschen Übel, das uns das Schicksal bringt, kämpfen, wie ich’s immer getan habe; ich will das Gegenwärtige genießen, und das Vergangene soll mir vergangen sein. Gewiß, du hast recht, Bester, es gäbe weniger Schmerzen unter den Menschen, wenn sie nicht – Gott weiß, warum sie so gemacht sind! – mit solcher Intensität der ihre Einbildungskraft beschäftigten würden, nur um die Erinnerungen an ein vergangenes Übel zurückzurufen, statt einfach eine langweilige Gegenwart zu ertragen.

Kleiner Tipp: Hier kritisiert sich jemand ja wohl selbst und nimmt sich vor, sich in Zukunft zu bessern. Jetzt muss man nur herausbekommen, um was es geht – und dann überlegt man sich eine Situation, wo so was auch heute noch vorkommen könnte.

Abschnitt 3 – bitte in die heutige Zeit übertragen

(3) Sag meiner Mutter bitte, daß ich ihren Auftrag gut erledige und ihr bald genauere Infos geben werde. Ich habe diese Tante gesprochen und sie war bei weitem nicht so schlimm, wie man es uns erzählt hat. […] Ich hab ihr erklärt, dass meine Mutter sich beschwert, dass diese Tante ihr den Anteil an der Erbschaft nicht geben will. Die Tante wiederum hat mir ihre Gründe genannt und auch angedeutet, wie wir einen Kompromiss finden können. Aber Schluss damit. Sag meiner Mutter nur, alles wird gut. Und diese eigentlich harmlose Angelegenheit hat mir wieder gezeigt, daß Missverständnisse und Trägheit vielleicht mehr Stress machen in der Welt als echte List und Bosheit..

Kleiner Tipp: Hier beschönigt jemand wohl seinen Arbeitsstand, weil er vor allem Ruhe haben will und Zeit. Jetzt muss man nur herausbekommen, wie so was heute aussehen könnte. 

Abschnitt 4 – bitte in die heutige Zeit übertragen

(4) Übrigens geht es mir hier echt gut. Die Einsamkeit ist meinem Herzen köstlicher Balsam in dieser paradiesischen Gegend, und diese Jahrszeit der Jugend wärmt mit aller Fülle mein oft schauderndes Herz. Jeder Baum, jede Hecke ist ein Strauß von Blüten, und man möchte zum Maienkäfer werden, um in dem Meer von Wohlgerüchen herumschweben und alle seine Nahrung darin finden zu können.

Kleiner Tipp: Hier genießt ja wohl jemand eine Art Traumlandschaft um sich herum. Da kann sich jeder selbst seine eigene ausmalen und sie beschreiben. 

Abschnitt 5 – bitte in die heutige Zeit übertragen

(5) Die Stadt selbst ist unangenehm, dagegen rings umher eine unaussprechliche Schönheit der Natur. Das hat den verstorbenen Grafen von M.. wohl dazu gebracht, einen Garten auf einem der Hügel anzulegen, die ein so wunderschönes Panorama mit den lieblichsten Tälern bilden. Wenn man den Garten betritt, fühlt man gleich beim Betreten, daß kein Fachmann, sondern ein fühlendes Herz den Plan gezeichnet hat. Schade, dass der Graf so früh gestorben ist, ich habe ihm manche Träne nachgeweint. Mit dem Gärtner verstehe ich mich gut – das wird was.

Kleiner Tipp: Hier hat wohl jemand keine Lust auf viele Leute und viel Drumherum. Er konzentriert sich lieber auf seine neue Umgebung und hat auch schon Ideen dazu. 

Unsere Lösungen als Tipps

Goethe, „Werther“ – wie man freundlich einsteigen kann – Lösungs-Ideen
https://schnell-durchblicken.de/goethe-werther-wie-man-freundlich-einsteigen-kann-loesungen

Weitere Infos, Tipps und Materialien

 

 

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