Anders Tivag, „Kunst zwischen Spiel und Perfektion“ – Wie weit soll man gehen für Ruhm und Geld?

Worum es hier geht:

Wer möchte nicht berühmt werden, etwas Außergewöhnliches leisten? Aber was kostet einen das vielleicht auch?

Der folgende Text stellt die Frage, wie weit Kunst als natürliches Spiel gehen sollte in Richtung Perfektion, verbunden mit Opfern?

Anders Tivag,

Wenn menschliche Spielkunst zum Risiko wird

Wer möchte nicht in seinem Leben etwas Besonderes leisten, berühmt werden und vielleicht damit auch Geld verdienen, um sich vieles leisten zu können? Der Wunsch nach Erfolg, Anerkennung und Ruhm steckt tief in uns – ob als Sportler*in, Künstler*in oder in einem anderen Bereich.

Friedrich Schiller hat einmal gesagt, der Mensch sei nur da ganz Mensch, wo er spielt. Gemeint ist damit nicht das für kleine Kinder typische Spielen, sondern ein freies, selbstgewähltes Handeln auf einem „Spielfeld“, das Begeisterung und höchste Erfüllung bringen kann – aber auch Niederlage und vielleicht sogar Untergang.

Kehren wir zum Ausgangspunkt zurück: Das Problem ist nun, dass diese Art von Spiel Ruhm bringen kann, große Preise, vielleicht auch ein finanziell sorgenfreies Leben. Doch sie hat oft einen hohen Preis. Manchmal geht es um Jahre intensiven Trainings und Verzichts. Manchmal auch um den Einsatz der eigenen Gesundheit oder sogar des Lebens.

Ein eindrucksvolles Beispiel ist die Besteigung des Mount Everest ohne Sauerstoffgerät. Reinhold Messner und Peter Habeler wurden 1978 weltberühmt, hätten aber auch mit ihrem Leben bezahlen können. Ähnliches gilt für riskante oder extrem belastende Sportarten: Balletttänzer*innen riskieren oft schwere körperliche Schäden, und Spitzenfußballer leiden nicht selten ein Leben lang unter den Folgen ihrer aktiven Zeit. Auch im Leistungssport, etwa in der Leichtathletik, opfern junge Menschen unendlich viel Zeit – und stehen dann vielleicht doch nur auf Platz vier bei den Olympischen Spielen, knapp vorbei an Ruhm und Medaille.

Schluss mit dem freien, lustbetonten Spiel ist dann häufig, wenn man jemanden findet, der so eine Art von besonderer Leistung auch vermarktet.  Dann ist man plötzlich in einer Zwangssituation – nach dem Motto: Wer im Bewusstsein der Menschen bleiben will, muss auch ausreichend präsent sein.

Ein anderes Problem kommt hinzu: Wenn es um Geld geht, kommen auch Risiken ins Spiel. Denken wir an Menschen im Zirkus, die hoch oben auf dem Seil zeigen, was sie können. Wenn dann auf ein Sicherheitsnetz verzichtet wird, bringt das vielleicht mehr Publikum, hat aber mit Menschlichkeit nicht mehr viel zu tun. Auch die Entscheidung, ob eine Show nicht aus Sicherheitsgründen abgesagt werden sollte, geht in diese Richtung.

Die Frage bleibt: Für wen machen wir Kunst mit maximaler Perfektion und manchmal auch Risiko? Für andere – oder in erster Linie für uns selbst? Vielleicht ist das wichtigste Kunstwerk, das wir schaffen können, nicht eine sportliche Bestleistung oder eine künstlerische Sensation, sondern etwas, was Rüdiger Safranski “Kunstwerk des Lebens” genannt hat.

Zwei Zusatztexte zu dem Thema:

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