Gedichte des Expressionismus – Thema: Krieg (Mat1726-Kri)

Das Phänomen des Krieges in den Gedichten des Expressionismus 

Ein großes Thema der Epoche des Expressionismus ist der Krieg. Wir stellen hier wichtige Beispielgedichte kurz vor – mit Hinweisen auf ausführlichere Seiten.

Was die Anordnung der Gedichte hier angeht, haben wir uns um eine linear systematische Ordnung bemüht.
Darunter verstehen wir eine nachvollziehbare Aneinanderreihung, bei der zugleich ein System deutlich wird.
Konkret empfiehlt es sich hier, einer Art „Zeitstrahl der Erfahrung“ zu folgen:
von der inneren Erwartungshaltung über die apokalyptische Vision bis hin zur grausamen Realität und der abschließenden Kritik.
Hier ist ein Vorschlag für eine solche Anordnung mit den entsprechenden Überleitungen:

1. Der psychologische Ausgangspunkt: Die Sehnsucht nach Veränderung

Stadler, Ernst: Der Aufbruch
Dieses Gedicht zeigt auf beeindruckende Weise die Mehrdimensionalität des „Aufbruch“-Denkens der Expressionisten: Unzufriedenheit mit der Gegenwart, Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, auch wenn es blutig enden könnte, Hoffnung, sogar dabei noch Erfüllung zu finden.

Man beginnt am besten hier, da das Gedicht die „Mehrdimensionalität“ des expressionistischen Denkens zeigt: Die Unzufriedenheit mit der Gegenwart führt zu einer Bereitschaft für Neues, selbst wenn dieses „blutig enden könnte.

Überleitung: Dieser allgemeine Drang nach Aufbruch kann auch eine konkrete politische Richtung einschlagen.

https://textaussage.de/schnell-durchblicken-ernst-stadler-der-aufbruch

2. Der Ruf zur Tat: Revolutionäre Energie

Schickele, Großstadtvolk:
Hier geht es um den Aufruf zur Revolution – offen bleibt dabei, wie sehr man dabei auch die „mordglänzenden Schienen“ nutzen soll.

Hier wird der Aufbruch zum „Aufruf zur Revolution“. Das Gedicht lässt offen, wie weit die Gewalt gehen darf, deutet aber eine unbedingte Entschlossenheit der Masse an.

Überleitung: Doch bevor aus dem Aufbruch eine neue Welt entsteht, schlägt die Vorahnung in die Gewissheit eines drohenden Unheils um.

https://textaussage.de/ein-gedicht-als-antwort-auf-ein-anderes-schickele-grossstadtvolk-dehmel-predigt

3. Die Vorahnung: Das nahende Verhängnis

Lichtenstein, „Doch kommt ein Krieg“
Ein Gedicht, das kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges dessen Schrecken voraussieht und die Dynamik deutlich werden lässt, mit der das Verhängnis die Menschen erreicht.

Dieses Gedicht bildet die Brücke zur Realität. Es sieht kurz vor 1914 die „Dynamik“ und den Schrecken des kommenden Krieges voraus.

Überleitung: Was Lichtenstein vorausahnt, wird bei anderen Dichtern zu einer gigantischen, fast mythologischen Katastrophe gesteigert.

https://textaussage.de/5-minuten-tipp-zu-alfred-lichtenstein-doch-kommt-ein-krieg

4. Die apokalyptische Vision: Der Krieg als Urgewalt

Georg Heym, Der Krieg
Das Gedicht hat viel Ähnlichkeit mit „Der Gott der Stadt“ – nur dass eben hier in viel höherem Maße Tod und Zerstörung thematisiert werden. Stärker wird die Erstarrung der Menschen angesichts des Unheils herausgestellt, das schließlich sogar in eine Art Selbstopferung mündet.

Hier erreicht die Darstellung eine Ebene der totalen „Zerstörung“. Der Krieg wird als Macht gezeigt, die zur „Erstarrung der Menschen“ führt und in kollektiver Selbstopferung endet.

Überleitung: Von dieser großen, abstrakten Vision des Untergangs führt der Weg direkt in das konkrete Leiden des Einzelnen im System.

https://textaussage.de/schnell-durchblicken-georg-heym-der-krieg

5. Die individuelle Erfahrung: Drill und Ohnmacht

Lichtenstein, Alfred: Jetzt tut man mir nichts mehr beim Militär
Leiden eines Zivilisten am Militärdienst, vor allem angesichts des Übergangs vom Ausbildungsdrill zur tödlichen Realität

Das Gedicht Es zeigt den harten Übergang vom „Ausbildungsdrill“ zur „tödlichen Realität“ und das Leiden des Zivilisten an der militärischen Maschinerie.

Überleitung: Diese persönliche Qual und die unmittelbare Gefahr des Schlachtfelds finden ihren radikalsten sprachlichen Ausdruck in der Verdichtung.

https://textaussage.de/schnell-durchblicken-lichtenstein-jetzt-tut-man-mit-modernisierung

6. Die existenzielle Zuspitzung: Geburt und Tod

August Stramm, Krieg
In diesem Gedicht mit seinen für August Stramm typischen Veränderungen der Sprache im Wortschatz und im Satzbau wird die Situation einer Geburt mit der Gefahr des Krieges verbunden.

In extrem reduzierter Sprache (Wortartistik) wird hier die Grenzsituation des Krieges sogar mit der Situation einer „Geburt“ verknüpft, was die existenzielle Wucht des Erlebten unterstreicht.

Überleitung: Wenn die Sprache an ihre Grenzen stößt, bleibt oft nur noch der Blick auf das Ende in der Natur.

https://textaussage.de/schnell-durchblicken-august-stramm-krieg-mit-video

7. Das bittere Ende: Untergang in der Landschaft

Trakl, Georg: Grodek
Dieses auch sehr bekannte Gedicht verbindet die Schrecken des Krieges mit der Natur und der Perspektive des Untergangs.

Als eines der bekanntesten Werke verbindet es die Schrecken des Krieges mit Naturmetaphern und mündet in einer finalen „Perspektive des Untergang.

Überleitung: Nach dem Erleben des Untergangs folgt die Reflexion über diejenigen, die diesen Krieg heraufbeschworen haben.

https://textaussage.de/schnell-durchblicken-georg-trakl-grodek

8. Die kritische Rückschau: Entlarvung der Propaganda

Werfel, Die Wortemacher des Krieges
Das Gedicht scheint klar gegen Kriegspropaganda einzutreten, ist dann aber selbst sehr stark schwarz-weiß gemalt und vor allem unkonkret.

Zum Abschluss bietet sich dieses Gedicht an, da es gegen die „Kriegspropaganda“ eintritt, auch wenn es dabei selbst in einer gewissen Unkonkretheit verbleibt.

https://textaussage.de/franz-werfel-die-wortemacher-des-krieges

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