Fontane, „John Maynard“ – Klassenarbeit (Mat296-kla)

Kurzübersicht: Das Wichtigste auf einen Blick

  1. Diese Seite bereitet dich auf eine Klassenarbeit zu Fontanes Ballade „John Maynard“ vor. Die Arbeit dauert 60 Minuten. Direkt darunter findest du auch alle Lösungshinweise – du musst also keine andere Seite aufrufen.
  2. Es gibt drei Aufgaben: eine Inhaltsangabe schreiben, zwei Textstellen erklären und ein Interview verfassen. Diese Seite erklärt dir für jede Aufgabe, worauf es ankommt.
  3. Die Inhaltsangabe soll 80 bis 110 Wörter lang sein. Zähl sie am Ende wirklich durch – das steht ausdrücklich in der Aufgabenstellung.
  4. Bei den Textstellen geht es nicht ums Nacherzählen. Du sollst genau hinschauen: Welche Wörter sind besonders? Warum wirken sie so? Ein Zitat allein reicht nicht – du musst erklären, was daran gut ist.
  5. Das Interview beginnt am besten mit einer packenden Frage, nicht mit einer Begrüßung. Die Figur soll sofort etwas Interessantes sagen.
  6. Merksatz zur Ballade: John Maynard sagt kaum etwas – aber er handelt. Sein Versprechen „Ja, Herr, ich halt’s!“ ist der emotionale Kern der ganzen Geschichte.
  7. Zum Nachdenken: Braucht ein Held eigentlich Worte – oder zählt nur das, was er tut?

3. Klassenarbeit im Fach Deutsch – 60 Minuten

Aufgabenstellung

  1. Verfasse zu der Ballade eine Inhaltsangabe (ca. 80–110 Wörter)!
  2. Such dir zwei Textpassagen heraus, die du für besonders gelungen hältst, und begründe deine Wahl mit Zitaten aus dem Text!
  3. Stell dir vor, du kannst als Reporter einer Schülerzeitung eine Figur, die in der Ballade eine Rolle spielt, interviewen. Verfasse dieses Gespräch so, wie wir es im Unterricht besprochen haben!

Zähle am Ende die Wörter deiner Arbeit!

Textknacker-Tipp: So steigst du tiefer in die Ballade ein

Denk bei der Analyse (Aufgabe 2) an die zwei Ebenen der Ballade:

  • Der Erzähler steht im Hintergrund und baut die Spannung auf – durch Wiederholungen, kurze Sätze und dramatische Fragen wie „Noch da, John Maynard?“
  • John Maynard selbst spricht kaum – aber sein knappes Versprechen „Ja, Herr, ich halt’s!“ ist der emotionale Kern der ganzen Ballade. Trenne diese beiden Ebenen in deiner Begründung!

Druckvorlage

Die Aufgaben zusammen mit dem Balladentext zum Ausdrucken:
http://schnell-durchblicken.de/wp-content/uploads/2024/02/Mat296-Klassenarbeit-John-Maynard-Aufgabe-und-Text.pdf

Lösungshinweise

Aufgabe 1: Inhaltsangabe

Unser Tipp:
Du kannst eigentlich immer beginnen mit: „In der Ballade geht es um …“
Dann nennst du die Hauptperson: „Um einen Steuermann“
Und gehst in einem Nebensatz darauf ein, was er tut:
„Der mit seinem Schiff Passagiere über den Eriesee transportiert.“

Dann brauchst du nur noch die nächsten Handlungsschritte zusammenfassen. Du findest sie in der Musterlösung.
Wir haben die Musterlösung hier so gestaltet, dass du leicht erkennst, wie sie aufgebaut ist.

Eine mögliche Musterlösung:

  • In der Ballade geht es um einen Steuermann,
  • der mit seinem Schiff Passagiere über den Eriesee transportiert.
  • Nicht weit vom Ziel entfernt, entsteht ein Brand auf dem Schiff, der sich immer weiter ausbreitet.
  • Die Fahrgäste versammeln sich am vorderen Teil des Schiffes, weil dort noch Luft zum Atmen ist,
  • während der Steuermann
    • vom verqualmten Heck aus das Schiff weiter lenkt
    • und der Weisung des Kapitäns folgt, das Schiff einfach auf den Strand zu setzen und damit die Passagiere zu retten.
  • Das gelingt auch, allerdings kommt der Steuermann in den Flammen kurz vor dem Ziel ums Leben.
  • Die Bevölkerung dankt ihm mit einem Grabstein und einer goldenen Inschrift, die seine Tat für die Nachwelt festhält.

Hinweise zu den Besonderheiten des Textes

  • Zeile 3: Der Satzbau ist umgestellt, damit es auffällt. Das Wichtigste wird nach vorne gezogen: „Aushielt er …“
  • Zeilen 18–23: Hier wird der Gegensatz, der plötzliche Umschlag von Normalität in Lebensgefahr, sehr wirkungsvoll deutlich. Zunächst zwei Wörter, die für das Schöne stehen: „froh“ und „frei“. Dann der Schrei und das wiederholte Wort „Qualm“ – und der schreckliche Schluss: Es brennt schon „lichterloh“, und man ist noch zwanzig Minuten vom rettenden Ufer entfernt.
  • Zeile 49: Hier wird alles Wichtige auf kürzestmögliche Weise gesagt: Das Wichtigste steht ganz am Anfang – „Gerettet“ –, dann der Hinweis „alle“. Man will sich entspannen. Dann kommt die schreckliche Einschränkung, bei der man ahnt, um wen es geht, auch wenn der Name des Toten noch nicht genannt wird.

Aufgabe 2: Textstellen begründen

Beim Umgang mit Texten ist es wichtig, möglichst tief einzusteigen. Man spricht auch von „deep reading“: Man schaut sich jedes einzelne Wort genau an und überlegt, was da eigentlich auf welche Weise gesagt wird, damit es eine besondere Wirkung entfaltet.

Textstelle 1

Unser Tipp:
Geh am besten in der Reihenfolge vor, wie deine beiden Textteile in der Ballade erscheinen.
Mach dann deutlich, was dich dabei besonders beeindruckt hat.

  • Als erstes fallen mir die Zeilen 18–23 auf:
  • Sie beginnen mit fröhlichen, einladenden Worten: „Alle Herzen sind froh, alle Herzen sind frei –“
  • Doch dann, mit nur einem einzigen Wort, wird der Spieß umgedreht: „Feuer!“
    • Hier gehst du völlig zu Recht auf die Spannung ein. Denn das ist ja hier keine reine Inhaltsangabe. Sondern du begründest, warum dir diese Stelle gefällt.
  • Plötzlich müssen die Personen auf dem Schiff um ihr Leben kämpfen.
    • Auch das Wort „plötzlich“ wäre in einer rein sachlichen Inhaltsangabe problematisch. Hier aber hebst du völlig zu Recht ein Schlüsselwort, das Spannung hervorbringt.
  • Und dann, am Ende der Zeile: die quälende Vorahnung, dass es noch zwanzig Minuten sind, bis die Rettung kommt.
    • Auch diese Formulierungen passen nicht gut in eine Inhaltsangabe. Aber hier sind sie goldrichtig, weil du gewissermaßen zeigst, wie du innerlich mitgehst beim Lesen.

Textstelle 2

  • Die zweite besonders spannende Textstelle habe ich in den Zeilen 41–46 gefunden.
  • Sie beginnen mit der sehr wichtigen Frage: „Noch da, John Maynard?“
  • Denn von ihm hängt das Leben aller Personen auf dem Schiff ab.
  • Dann gibt er die Antwort: „Ja, Herr, ich halt’s!“
  • Doch seine Stimme klingt sterbend.
  • Wird er es bis Buffalo schaffen?
  • Direkt darauf schlägt die Schwalbe in die Brandung.
  • Man fragt sich wieder: War das die Rettung oder gleichzeitig der Tod?
  • Die Antwort kommt sofort: „Rettung, der Strand von Buffalo!“
  • Und dann der entscheidende Satz: nur einer „fehlt“.

Aufgabe 3: Reporter-Interview

  • Das Interview sollte den Kern der Ballade aufnehmen: die Gefahr, die Heldentat und den Dank der Bevölkerung. Es sollte sich also ernsthaft mit Aussage und Atmosphäre der Ballade auseinandersetzen, sie vertiefen und vielleicht auch ergänzen.
  • Das Interview sollte möglichst nicht mit einer nichtssagenden Begrüßung beginnen. Besser wäre ein Anfang, der dem Ernst der Lage entspricht und die Gesprächsperson sofort aus der Reserve lockt – zum Beispiel: „Können Sie sich vorstellen, in absehbarer Zeit wieder zur See zu fahren?“
  • Dann ist wichtig, dass sich das Interview konsequent entwickelt. Hier könnte der Kapitän sagen, dass es ihm schwerfällt, dass aber Katastrophen zum Berufsleben gehören können – man denke an Feuerwehrleute –, und die Leute müssten schließlich transportiert werden.
  • Themen, auf die man kaum verzichten kann: Wie ist es zu dem Brand gekommen? Wie ließe er sich künftig vermeiden? Gab es eine Alternative zum mutigen Einsatz des Steuermanns? Dazu kommt die Frage der ehrenvollen Beerdigung – hier kann man nach den Gefühlen des Kapitäns fragen.
  • An dieser Stelle könnte der Blick auch über die Ballade hinausgehen: Der Kapitän schildert die gemeinsame Arbeit mit dem Steuermann und dessen Charakter, den er dabei immer gezeigt hat.
  • Wichtig ist auch ein guter Abschluss. Hier könnte man zum Ausgangspunkt zurückgehen und dem Kapitän viel Glück wünschen – dass er immer solche Leute in seiner Mannschaft hat, wenn mal wieder etwas passieren sollte. Natürlich kann der Kapitän auch erst einmal Urlaub machen, bevor er zu seiner Arbeit zurückkehrt.

Unser Tipp:
Schau dir jetzt an, wie das konkret aussehen kann. Du siehst im Beispiel, wie die Tipps von oben umgesetzt wurden – und was dabei gut gemacht ist.

Beispiel-Interview: Nach dem Brand auf der Schwalbe
Ein Reporter der Buffalo School News spricht mit dem Kapitän

  • Reporter: Kapitän, können Sie sich vorstellen, bald wieder auf einem Schiff zu fahren?
    • Guter Einstieg: keine langweilige Begrüßung, sondern sofort eine Frage, die den Kapitän etwas kostet. Man merkt, dass der Reporter schon nachgedacht hat.
  • Kapitän: Das ist eine schwere Frage. Im Moment fällt mir das noch sehr schwer. Aber die Menschen müssen transportiert werden – und Gefahren gehören zu diesem Beruf dazu. Wie bei Feuerwehrleuten auch.
  • Reporter: Wie konnte es überhaupt zu dem Brand kommen?
  • Kapitän: Das untersuchen wir noch. Wahrscheinlich ist ein Funke in die Fracht geraten. In Zukunft werden wir die Ladung viel strenger kontrollieren.
  • Reporter: Hätte man John Maynard retten können?
    • Das ist die entscheidende Frage der ganzen Ballade – und sie kommt an der richtigen Stelle, nachdem sich das Gespräch aufgewärmt hat.
  • Kapitän: Das ist die Frage, die mich nachts nicht schlafen lässt. Wenn er seinen Posten verlassen hätte, wären alle gestorben. Er wusste das. Deshalb ist er geblieben.
  • Reporter: Was war das für ein Mensch?
  • Kapitän: John war ruhig, zuverlässig – einer, der nie viel Aufhebens um sich machte. Das zeigt sich auch in seinen letzten Worten: „Ja, Herr, ich halt’s!“ Kein Drama. Einfach: Ich mache meinen Job.
    • Sehr gut: Hier wird ein Zitat aus der Ballade direkt eingebaut und sofort erklärt. Genau das ist auch bei Aufgabe 2 gefragt – und hier funktioniert es genauso.
  • Reporter: Buffalo hat ihm einen Grabstein gesetzt. Finden Sie das angemessen?
  • Kapitän: Mehr als das. Ich wünschte nur, er könnte sehen, wie dankbar die Menschen ihm sind.
  • Reporter: Vielen Dank für das Gespräch – und alles Gute für die Zukunft.
  • Kapitän: Danke. Ich werde es brauchen.
    • Guter Abschluss: kurz, treffend, kein leeres Schlusswort. Der letzte Satz des Kapitäns hängt nach – das ist genau das, was ein gutes Interview am Ende tun soll.

Allgemeine Hinweise zur Arbeit

  • Höflichkeitsform: Die Anredeformen „Sie“, „Ihr“ und „Ihnen“ werden immer großgeschrieben. Das fällt in Schülerarbeiten häufig auf.
  • Zitate richtig einbauen: Es genügt nicht, eine Textstelle zu nennen – man muss sie mit einem vollständigen Satz einleiten und danach erklären, was daran besonders ist.
  • Apostroph: „aufs Schiff“ ist richtig, nicht „auf’s Schiff“. Der Apostroph steht nicht bei regulären Verschmelzungen von Präposition und Artikel.

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Weitere Infos, Tipps und Materialien