Schnell durchblicken bei Georg Britting, „Der Nachtfalter“ (Mat8198-bnf-sv)

Kurzübersicht: Das Wichtigste auf einen Blick

  1. In „Ein Zeuge“ plant Uwe, der zehn Jahre im Gefängnis saß, einen letzten, diesmal allein durchgeführten Einbruch in ein Juweliergeschäft.
  2. Er geht dabei sehr vorsichtig vor: Strümpfe über den Schuhen, Tatzeit gegen 3 Uhr morgens.
  3. Der Einbruch selbst gelingt völlig problemlos.
  4. Erst danach, als Uwe sich schon in Sicherheit wähnt, glaubt er, von einer Person im Fenster über dem Geschäft beobachtet zu werden.
  5. Aus Angst schießt er auf diese vermeintliche Zeugin.
  6. Er bricht daraufhin selbst über dem Steuer zusammen – Herzinfarkt, ausgelöst durch den puren Schreck.
  7. Erst hinterher stellt sich heraus: Die „Zeugin“ war nur eine Schaufensterpuppe.
  8. Die Geschichte erzählt so eng aus Uwes Sicht, dass auch die Leser*innen der Täuschung zunächst erliegen.
  9. Im Kern geht es um Schuld und die Angst, für begangenes Unrecht „gesehen“ zu werden – eine Angst, die am Ende zur eigenen Falle wird.
  10. Diskussionsfrage: Kann man sagen, dass Uwe eigentlich an sich selbst scheitert – nicht am Zufall?

Einleitung

Wir stellen hier die Kurzgeschichte „Ein Zeuge“ von Edith Schmitz vor – eine kurze, aber sehr dicht erzählte Geschichte darüber, wie ein perfekt geplanter Einbruch am Ende nicht an der Polizei, sondern am eigenen schlechten Gewissen scheitert. ❓ Am Ende der Seite wartet eine Diskussionsfrage zur Pointe der Geschichte.

Inhaltsangabe

  • In der Geschichte geht es um Uwe, einen Mann, der zehn Jahre im Gefängnis gesessen hat und jetzt zu einem neuen Einbruch ansetzt.
  • Diesmal will er es alleine machen und hat sich ein Juweliergeschäft ausgesucht. Er geht dabei sehr vorsichtig vor: Er zieht sich Strümpfe über die Schuhe, damit man ihn nicht hört, und schlägt mitten in der Nacht gegen 3 Uhr zu.
  • Alles klappt auch sehr gut, bis er wieder im Auto sitzt, sein Werkzeug verstaut und die Strümpfe schon wieder auszieht – er glaubt sich in Sicherheit.
  • Da schaut er noch einmal hoch und glaubt, im ersten Stock über dem Geschäft eine Person zu sehen, die ihn beobachtet.
  • Er weiß sich nicht anders zu helfen und schießt auf diese Person.
  • Er hat sie auch offensichtlich getroffen, aber sie scheint ihn immer noch zu beobachten.
  • Der Vorgang hat Uwe so erschreckt, dass er über seinem Steuer mit einem Herzinfarkt zusammenbricht, während der Motor noch läuft.
  • Hinterher stellt sich heraus, dass es sich um eine Schaufensterpuppe in einer Schneiderei handelte, von der sich Uwe beobachtet fühlte.

Analyse-Aspekte

Gattungsmerkmale

  • Abrupter Einstieg und Schluss: Die Handlung setzt mitten im Geschehen ein und endet unmittelbar nach der Pointe, ohne langen Ausklang.
  • Wenige handelnde Personen: Im Zentrum steht fast ausschließlich Uwe selbst.
  • Die Pointe: Die Auflösung am Ende – die vermeintliche Zeugin ist nur eine Schaufensterpuppe – kommt überraschend und wirft ein neues Licht auf die gesamte Handlung.

Erzählperspektive

Wir erleben die Geschichte so eng aus Uwes Sicht, dass wir seine Fehleinschätzung der Puppe zunächst mitmachen – wir „sehen“ die Situation durch seine Augen und werden dadurch selbst kurz getäuscht. Das ist kein Zufall: Erst durch diese enge Bindung an Uwes Wahrnehmung wird spürbar, wie sehr seine Angst sein Urteilsvermögen beherrscht.

Aufbau und Spannungsbogen

Die Spannung steigt zunächst über die technisch perfekt ausgeführte Tat kontinuierlich an, erreicht aber ihren eigentlichen Höhepunkt erst, als Uwe sich bereits in Sicherheit glaubt – genau in diesem Moment der scheinbaren Entspannung kippt die Geschichte abrupt ins Katastrophale. Dieser Umschlagpunkt macht die Pointe erst richtig wirksam.

Aussagen der Geschichte

  • Man kann seiner eigenen Vergangenheit und seinem eigenen Gewissen nicht wirklich entkommen, selbst wenn man polizeilich unentdeckt bleibt.
  • Angst und ein schlechtes Gewissen können die Wahrnehmung so stark verzerren, dass man Dinge sieht, die gar nicht da sind.
  • Die beste technische Planung nützt nichts, wenn man innerlich nicht zur Ruhe kommt.

Klärung des Themas

Das zentrale Thema der Geschichte ist Schuld und die Angst, für begangenes Unrecht „gesehen“ zu werden. Ein Satz, den Uwe aus seiner Gefängniszeit im Kopf behalten hat – „Wenn du Unrecht tust, sieht es immer jemand“ – begleitet ihn wie ein innerer Wächter, den er nicht loswird. Am Ende ist es genau dieser innere Wächter, der ihn zu Fall bringt, nicht ein äußerer Feind.

Was können wir mit dieser Geschichte anfangen?

Die Geschichte lädt dazu ein, über die Macht der eigenen Wahrnehmung nachzudenken: Wie oft „sehen“ wir Dinge, die eigentlich unsere eigenen Ängste oder unser eigenes Gewissen sind? Interessant ist dabei ein Vergleich mit einer ganz anderen Geschichte, in der ebenfalls eine Verwechslung eine entscheidende Rolle spielt – allerdings mit gegenteiligem Ausgang.

In Georg Brittings Kurzgeschichte „Der Nachtfalter“ hält ein Lokomotivführer den riesigen Schatten eines sterbenden Nachtfalters, der sich im Nebel abzeichnet, für einen winkenden Menschen – und bremst deshalb den Zug rechtzeitig vor einer Gefahr ab. Auch hier wird also ein unbelebtes Ding für einen Menschen gehalten. Der entscheidende Unterschied: Bei Britting rettet die Verwechslung Leben, bei Schmitz kostet sie ein Leben.

Diskussionsfrage: Warum wirkt die Pointe erst im Nachhinein wirklich logisch – und nicht schon vorher? Und: Ist es bei „Ein Zeuge“ wirklich nur Pech, dass Uwe sich täuscht – oder steckt darin nicht auch eine gewisse Konsequenz, weil gerade sein schlechtes Gewissen ihm diesen Streich spielt? Vergleiche dazu auch, wie unterschiedlich die Verwechslung bei Britting und bei Schmitz für die jeweilige Hauptperson ausgeht.

Aufgabe: Verfasse eine kurze Inhaltsangabe der Geschichte in eigenen Worten (ca. 150–200 Wörter). Achte darauf, im Präsens zu schreiben und die Handlung sachlich, ohne eigene Wertung wiederzugeben.

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