Impulstext: „Pech gehabt“ – keine Entschuldigung? Ist Glück auch ein Talent? (Mat9473-gat)

Worum es hier geht:

Die Beschäftigung mit Geschichte kann spannend sein. Denn dort trifft man Leute, die interessante Ansichten hatten – die waren aber nicht für alle anderen positiv.

Schauen wir uns mal an, was der Preußenkönig Friedrich der Große vor 1800 und Kaiser Napoleon einige Zeit später angeblich gesagt haben sollen. Auf jeden Fall entsprach es wohl ihrer Haltung.

Kimia Tivag

Pech oder Versagen? Ein Impulstext zur Diskussion

Mit seinen Chefs im Berufsleben kann man Glück haben – oder eben auch Pech. Manchmal stimmt die Chemie, man wird gefördert, bekommt Anerkennung. Und manchmal läuft alles schief, obwohl man sich angestrengt hat: falscher Zeitpunkt, unpassende Situation, Missverständnisse. Dann stellt sich die Frage: Wird das gesehen – oder zählt am Ende nur das Ergebnis?

Auch große Herrscher hatten dazu eine Haltung – eine, die aus heutiger Sicht erstaunlich hart wirkt. Sowohl Friedrich der Große als auch Napoleon Bonaparte sollen gesagt haben, dass sie Generäle nicht nur nach Kompetenz, sondern auch nach ihrem Glück beurteilen. Napoleon etwa meinte sinngemäß: „Ich weiß, er ist ein guter General – aber hat er auch Glück?“

Stellen wir uns vor:
Zwei Generäle führen je eine Abteilung in einer entscheidenden Schlacht. Die rechte Abteilung hat Glück: Eine zufällig eintreffende Verstärkung schlägt die Feinde zurück. Der rechte General kehrt als Sieger zurück.
Die linke Abteilung hingegen wird überrannt. Der verantwortliche General kämpft tapfer, wird verletzt, verliert – und wird später von seinem König empfangen. Dieser sagt nur:
„Gehen Sie nach Hause, erholen Sie sich – und kommen Sie mir nie wieder unter die Augen. Ich kann niemanden gebrauchen, der Pech hat.“

Eine harsche Haltung – aber ist sie völlig falsch? Gibt es nicht auch Situationen, in denen es klug ist, sich von jemandem zu trennen, der immer wieder Unglück bringt – selbst wenn er nichts dafür kann?
Und umgekehrt: Wäre es nicht gerade in Krisenzeiten ein Zeichen von Größe, Menschen auch nach Niederlagen Vertrauen zu schenken?

Noch eine kleine Ergänzung:

Noch schärfer wird die Geschichte, die wir da präsentiert haben, wenn sich herausstellt, dass das Unterstützungsheer eigentlich den linken General unterstützen sollte, weil das zur Gesamtstrategie gehörte. Aber es gab ein Hindernis, z.B. war eine Brücke über einen Fluss eingestürzt – und so kam es zum Unglück – ohne Schuld des Betreffenden..

Man sieht daran, wie sehr Glück und Unglück von Begleitumständen abhängen können.

Aber gibt es nicht auch Möglichkeiten, die Chancen auf Glück zu erhöhen?

Was man hier diskutieren könnte:

Was die beiden Herrscher da von sich gegeben haben, war natürlich ziemlich extrem.

Das ändert aber nichts daran, dass man vielleicht auch heute noch lieber mit Leuten zu tun hat, die Glück haben, als mit solchen, denen das Pech regelrecht an den Füßen klebt.

Welche Situationen fallen euch ein, in denen man dieser Haltung *„Nur wer Glück hat, ist brauchbar“* vielleicht zustimmen könnte?
Und welche Beispiele zeigen, dass man dann genau die falschen Leute verliert – nämlich die, die Mut bewiesen haben, Verantwortung übernommen haben und trotz Niederlage zu ihren Entscheidungen stehen?

Diskutiert in der Klasse / im Kurs:
Was wiegt mehr: Können oder Glück?
Und was sollte einen Menschen wirklich auszeichnen, wenn es darauf ankommt?

Ergebnis von „inter-intellektueller“ Dialektik

  • Wir haben uns diese Geschichte nach langer Zeit mal wieder angeschaut und dann Google Gemini gebeten, sie kurz zusammenzufassen. Dann weiß man schneller nach einiger Zeit wieder, worum es geht.
  • Hier hat sich wieder gezeigt, dass das Durchlesen der entsprechenden Zusammenfassung zu einem direkten Weiterdenken führen kann.
  • Wir zeigen das hier jetzt mal, indem wir zunächst die Zusammenfassung von Google Gemini abdrucken und dann zwei weitere Punkte, die sich erst ergeben haben, als man als Mensch auf die Frage gekommen ist.
  • Am Ende wurde an Google Gemini gebeten, das auch gewissermaßen anzuhängen. Insgesamt ist das ein sehr schönes Beispiel für den Ablauf der Zusammenarbeit von menschlicher und künstlicher Intelligenz.
  • Als erstes stellt man eine möglichst gute Frage, dann liest man sich das Ergebnis durch und am Ende denkt man es weiter. Wieder in der Form, dass man selbst eine neue Frage stellt in diese Richtung.
  • Und dann schaut man sich an, was die künstliche Intelligenz dazu sagt.

Schritt 1: Zusammenfassung von Google Gemini

  • Ausgangslage: Der Text problematisiert die Bewertung von Erfolg in der modernen Arbeitswelt, wo oft unklar bleibt, ob das Ergebnis auf echtes Können oder bloße Umstände zurückzuführen ist.

  • Historisches Leitbild: Als radikales Beispiel dienen die Herrscher Friedrich der Große und Napoleon, die von ihren Führungskräften (Generalen) neben Kompetenz explizit „Glück“ als Eigenschaft einforderten.

  • Die Logik der Macht: Hinter dieser harten Forderung steht der pragmatische Gedanke, dass für den Gesamterfolg nur das Resultat zählt, egal wie es zustande gekommen ist.

  • Veranschaulichung durch Kontrast: Ein Fallbeispiel zweier Generäle zeigt die Willkür: Während der eine durch eine zufällige Verstärkung siegt, verliert der andere unverschuldet durch eine eingestürzte Brücke.

  • Die Fehlbeurteilung: Das Beispiel verdeutlicht, dass äußere Faktoren (Zufall) das Bild der Kompetenz massiv verzerren können.

  • Kritische Reflexion: Der Text warnt davor, die Haltung „Nur wer Glück hat, ist brauchbar“ ungefiltert zu übernehmen.

  • Die Gefahr des Substanzverlusts: Wer nur nach dem Glücksfaktor bewertet, riskiert es, die wertvollsten Mitarbeiter zu verlieren – nämlich diejenigen, die Mut und Verantwortung zeigen, auch wenn das Glück ausbleibt.

  • Fazit für die Analyse: Der Text plädiert dafür, den Fokus von der reinen Ergebnisfixierung (Glück) weg hin zur Bewertung von Charakter und Entscheidungskraft (Kompetenz) zu verschieben.

Schritt 2a: Anschlussfrage eines aufmerksamen KI-Lesers

Sehe ich das richtig, das in dieser Geschichte oder in diesem Sachtext bisher der Aspekt fehlt, dass das Unglück nicht real an den Schuhen des Betreffenden klebt, sondern sich in seinem Bewusstsein herausbildet? Kannst du das bitte mal als neunten Punkt noch hinzufügen?

Schritt 2b: Weitere Anschlussfrage eines aufmerksamen KI-Lesers

Wir gehen jetzt noch einen Schritt weiter. Das ist die Sicht des Aufklärers. Was ist aber, wenn es wirklich eine Dimension des Schicksals gibt, die aus für den Menschen nicht nachvollziehbaren Gründen ihn in diesem Falle nicht mit einer plötzlichen Krankheit trifft, sondern tatsächlich mit einer für unser Gehirn nicht nachvollziehbaren Kombination von Unglück und Anziehungskraft.

Schritt 3: Ergänzung der beiden Aspekte von Google Gemini

Weitergedacht: Von der historischen Anekdote zur existenziellen Frage

Der Impulstext von Kimia Tivag liefert uns das Material – aber das eigentliche „Abenteuer im Kopf“ beginnt dort, wo wir die Logik von Napoleon und Friedrich dem Großen verlassen und in die eigene Lebenswelt eintauchen. Hier sind zwei Wege, wie man diese Geschichte im Unterricht oder in der Prüfungsvorbereitung konsequent weiterdenken kann:

1. Der psychologische Blick: Das Pech als „Mindset“?

Oft diskutieren wir so, als käme das Unglück nur von außen (die eingestürzte Brücke). Aber schauen wir genauer hin:

  • Die Frage: Klebt das Pech wirklich an den Schuhen – oder bildet es sich erst in unserem Bewusstsein heraus?

  • Der Gedanke: Wer Misserfolge primär als „Schicksal“ begreift, rutscht oft in eine passive Erwartungshaltung. Man traut sich weniger zu, erkennt Gelegenheiten nicht mehr und provoziert so unbewusst das nächste „Unglück“. Das vermeintliche Schicksal wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung.

2. Die metaphysische Dimension: Wenn der Zufall zum System wird

Hier verlassen wir die rationale Aufklärung und begeben uns in den Bereich, den schon Schiller im „Ring des Polykrates“ beschrieb:

  • Die Frage: Gibt es Menschen, die eine fast magnetische Anziehungskraft für das Unglück besitzen, die über jede psychologische Erklärung hinausgeht?

  • Der Gedanke: Was ist, wenn es eine Dimension des Schicksals gibt, die für unser Gehirn nicht nachvollziehbar ist? Eine Kombination von Ereignissen, die so unwahrscheinlich ist, dass die Grenze zwischen „Zufall“ und einer „höheren Ordnung“ (oder Unordnung) verschwimmt.

Arbeitsauftrag für die „Hebammenkunst“ im Unterricht:

Um diese Geschichte wirklich zu durchdringen, hilft ein dreistufiger Check der eigenen Position:

  1. Pragmatismus: Würde ich als Chef eher den „glücklichen“ oder den „kompetenten“ Verlierer befördern? (Ehrliche Antwort!)

  2. Psychologie: Wo habe ich „Pech“ schon mal als Ausrede benutzt, um meine eigene Passivität zu rechtfertigen?

  3. Metaphysik: Wo endet meine Kontrolle? Akzeptiere ich, dass es Kräfte (Schicksal, Zufall) gibt, die sich jeder Planung entziehen – oder macht mir dieser Gedanke zu viel Angst?

Weitere Infos, Tipps und Materialien