Lessing, „Nathan der Weise“: Der Weg zum Happy End und dessen Fragwürdigkeit (Mat8508)

Worum es hier geht:

Wir klären hier mal, was alles berücksichtigt werden muss, um den Schluss des Dramas beurteilen zu können.

Hier muss man sich anschauen, was zu dieser Situation geführt hat.

  • Phase 1:
    die leider normale Anti-Einstellung des Tempelherrn gegenüber den Juden.
  • Phase 2:
    Nathan gelingt es, den Tempelherrn zu seinem Freund zu machen (2,5)
  • Phase 3:
    Es kommt durch Daja heraus, wie egoistisch Nathan gewesen ist gegenüber dem christlichen Pflegekind;
    Der Patriarch hat mit seiner Kritik grundsätzlich recht, wenn er auch in seinem Vernichtungsdrang viel zu weit geht.
    Nathans mögliches Fehlverhalten wäre die Angelegenheit eines ganz normalen Gerichtsverfahrens.
  • Phase 4:
    Nathan macht sich mit der Ringparabel den Sultan zum Freund.
  • Phase 5
    Der Sultan wiederum macht sich den Tempelherrn zum Freund und beschwichtigt ihn, was Nathan angeht.
  • Phase 6:
    Der Tempelherr will um die Hand Rechas bitten und wird von Nathan brüsk zurückgestoßen, statt dass er über den aktuellen Stand der Probleme informiert wird.
  • Phase 7:
    Nathan erfährt durch Zufall (Überreichung des Gebetbuchs) die wirklichen Zusammenhänge und behält sie theatralisch bis zum letztmöglichen Zeitpunkt für sich, um da eine Show abzuziehen, die den Tempelherrn ziemlich verletzen muss.
  • Phase 8:
    Als dann die Wahrheit endlich auf den Tisch kommt, fallen sich alle in die Arme, statt zwei Fragen zu klären:

    1. ob Nathan nicht endlich mal aufhören könnte, mit anderen Menschen egoistisch zu spielen?
    2. Und wie sie jetzt damit umgehen sollen, dass aus der Liebe nichts wird.
Fazit:
  1. Man merkt deutlich, dass es sich „Nathan der Weise“ nicht um normale Literatur handelt, in der sich die Handlung aus den Figuren und den allgemeinen Verhältnissen heraus entwickelt.
  2. Hier ist es vielmehr so, dass alles dem Demonstrationsziel untergeordnet wird. Dabei wird wenig Rücksicht genommen auf Aspekte, die auch noch eine Rolle spielen würden.
  3. Letztlich gibt es nur an wenigen Stellen Denkanstöße, die in eine ganz andere Richtung weisen als die gewollte Generallinie.
  4. Die Lösung, die um die Ringparabel herumgestrickt worden ist, trägt wenig bis nichts zum Verständnis der Religionen untereinander bei, weil sie die jeweiligen Glaubensbekenntnisse in ihren Kontexten völlig außerachtlässt.
  5. In keiner Weise werden zentrale Elemente wie der christliche Missionsbefehl und der Auftrag des Islams, die ganze Welt Allah unterzuordnen, berücksichtigt.
  6. Auch der Anspruch der Juden, Gottes auserwähltes Volk zu sein, wird zwar erwähnt, aber nicht angemessen in eine mögliche Lösung aufgenommen.
  7. Der einzige Beitrag zum besseren Verständnis der Religionen untereinander sind die Überlegungen, dass jede Religionszugehörigkeit in der Regel nicht das Ergebnis von freier Wahl ist, sondern Folge der zufälligen Geburt in einen entsprechenden Kontext hinein.

Weitere Infos, Tipps und Materialien

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