Entlassen vom Computer – eine Geschichte aus den 1970ern, die heute aktueller ist denn je

Ein Mann wird entlassen. Er will nur wissen, warum – und bekommt von drei Leuten dieselbe Antwort. Drei Fragen, bevor du weiterliest:
1. „Der Computer war’s“ – warum ist dann niemand schuld?
Personalchef, Vorgesetzter und Betriebsrat verweisen auf die Maschine. Aber wer hat ihr eigentlich gesagt, wonach sie aussuchen soll?
2. Ist es heute schlimmer als damals?
In der Geschichte rechnet ein „Elektronenrechner“. Heute sortiert KI Bewerbungen vor – und es wird mit vielen Entlassungen gerechnet, gerade bei Bürojobs. Hat sich das Problem verschärft?
3. Was bleibt einem außer dem Hammer?
Am Ende zerschlägt der Mann den Rechner. Das wirkt wie die Pointe eines Witzes. Die spannendere Frage ist: Welche Möglichkeiten hat man sonst, sich ein Stück Freiheit zu bewahren?
Die Antworten findest du weiter unten.

Wie man sieht: Zeichnen ist nicht unsere Stärke. Aber Überblick können wir! Jeder blaue Eintrag im Inhaltsverzeichnis ist ein Link – einfach antippen, und du springst direkt an die passende Stelle. Zurück geht’s mit dem Zurück-Pfeil deines Browsers.
Inhaltsverzeichnis
- Wo man die Geschichte findet – und unsere Zeilenzählung
- Schritt für Schritt: Was beim Lesen passiert
- Was die Geschichte zeigt
- Kommunikation: Er fragt nach sich – sie antworten mit Formeln
- Heute schlimmer als damals?
- Auflösung der Einstiegsfragen
- Weitere Infos, Tipps und Materialien
Für Lehrkräfte und alle, die tiefer einsteigen wollen: Insider-Tipps zu dieser Geschichte
https://textaussage.de/theo-schmich-die-kuendigung-insider-tipps
Wo man den Text bekommt, welche Aspekte sich für den Unterricht lohnen und welche Kurzgeschichten sich zum Vergleich anbieten.
Wo man die Geschichte findet – und unsere Zeilenzählung
- Theo Schmich, „Die Kündigung“ – Kurzgeschichte, ohne gesicherte Jahresangabe (in den Quellen meist „o. J.“, vermutlich 1970er-Jahre).
- Zu finden zum Beispiel hier:
Thomas Möbius, Wie interpretiere ich Fabeln, Parabeln und Kurzgeschichten? Aufgaben und Musterinterpretationen, 7. Auflage 2021, Bange Verlag, Hollfeld, ISBN 978-3-8044-1575-1 - Unsere Zeilenangaben: Der Text ist urheberrechtlich geschützt, deshalb drucken wir ihn hier nicht ab. Wir arbeiten mit unserer internen Fassung, die 87 Zeilen hat.
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Hat deine Fassung eine andere Zeilenzählung, kannst du die Angaben leicht umrechnen. Ist sie zufällig identisch, kannst du sie direkt übernehmen.
Theo Schmich, „Die Kündigung“ – PDF bei ars-ge.de
https://www.ars-ge.de/wp-content/uploads/2020/03/D-2A%C3%9C-03.pdf
Auf einer Schulseite gefundene Fassung der Geschichte.
Schritt für Schritt: Was beim Lesen passiert
- Der Schlag ohne Vorwarnung (Z. 1–22)
Die Geschichte beginnt mitten im Kündigungsgespräch. Der Personalchef bedauert, lächelt, macht Mut – und erklärt, dass der „Elektronenrechner“ den Mann und achtzig andere ausgesucht hat.
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Als Leser merkt man sofort: Hier wird sehr freundlich geredet und nichts gesagt. - Die Frage, die bleibt (Z. 23–36)
Auf dem Flur wird dem Mann die Tragweite klar. Am meisten quält ihn nicht die Zukunft, sondern das Warum: Hat er so schlecht gearbeitet?
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Und er stellt die entscheidende Frage selbst: Der Rechner ist eine „tote Maschine“ (Z. 34) – wer hat ihm die Daten gegeben? - Der Vorgesetzte macht Witze (Z. 37–47)
Der direkte Chef verzichtet angeblich ungern auf ihn, freut sich aber über seinen „feinen Witz“: Wenn man die Ergebnisse vorher wüsste, bräuchte man keinen Automaten.
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Der Mann verliert hier den Glauben an einen Menschen – nicht an die Maschine. - Der Betriebsrat dreht sich im Kreis (Z. 48–63)
Ausgerechnet der Arbeitnehmervertreter verteidigt den „teuren Elektronenrechner“. Als Grund nennt er wörtlich die Formel vom Anfang: notwendige Einsparungen.
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Die Begründung ist also nur eine Wiederholung der Entscheidung. - Die Wochen danach (Z. 64–82)
Die Kündigungsfrist sitzt ihm „wie ein Verfolger“ im Nacken. Er erkennt, wie abhängig er ist, und fragt sich, ob er mehr ist als ein „Sklave“.
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Rechtlich ist alles in Ordnung – und genau das macht es so ausweglos. Es gibt niemanden, dem er die Schuld geben kann. - Hammer und Schlusssatz (Z. 83–87)
An einem Sonntag zerschlägt der Mann den Rechner. Der Personalchef kommentiert nur: Wie gut, dass man ihn entlassen hat.
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Das wirkt wie die Pointe eines Witzes: Die Tat des Mannes bestätigt im Nachhinein das Urteil über ihn.
Was die Geschichte zeigt
- Verantwortung wird weitergereicht, bis sie verschwindet
Der Personalchef „teilt nur mit“, der Vorgesetzte war „selbst überrascht“, der Betriebsrat vertraut dem teuren Gerät. Am Ende der Kette steht eine Maschine – und die kann man nicht zur Rede stellen.
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Sprachlich unterstützt das die Bürokratieformel „Im Zuge notwendiger Personaleinsparungen“ (Z. 1), die der Betriebsrat fast wörtlich wiederholt (Z. 61): Sie klingt nach Begründung, ist aber keine. - Die Maschine entscheidet nicht wirklich
Der Rechner arbeitet mit Daten und Vorgaben, die Menschen ausgewählt haben. Er ist also kein Täter, sondern ein Schutzschild.
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Darauf weist die Geschichte selbst hin: Der Mann nennt den Rechner eine „tote Maschine“ und fragt, wer die Daten zusammengestellt hat. Diese Frage beantwortet ihm niemand. - Rechtlich korrekt ist nicht dasselbe wie menschlich in Ordnung
Vertrag, Frist, Verfahren – alles stimmt. Gerade deshalb fehlt jemand, an den man sich wenden kann.
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Die rhetorische Frage „War er wirklich mehr als ein Sklave?“ (Z. 68–69) zeigt, wie aus einer persönlichen Kränkung eine grundsätzliche Einsicht in die eigene Abhängigkeit wird. - Der Hammer ist das Ende eines Witzes – nicht die Lösung
Die Zerstörung ändert nichts und gibt dem Personalchef sogar ein Argument. Interessanter als die Tat selbst ist deshalb die Frage, welche anderen Wege es gegeben hätte, sich ein Stück Selbstbestimmung zu bewahren. - Abschieben gibt es auch ohne Computer
Auch heute müssen Vorgesetzte oft Entlassungen mitteilen, die „die Firmenleitung“ beschlossen hat. Die sagt zum Einzelfall genauso wenig wie der Rechner in dieser Geschichte.
Kommunikation: Er fragt nach sich – sie antworten mit Formeln
- Zwei Gesprächsebenen
Der Mann fragt eigentlich: Was haltet ihr von mir? Hat meine Arbeit etwas getaugt? Das ist eine Frage auf der Beziehungsebene.
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Alle drei Gesprächspartner antworten nur auf der Sachebene: Daten, Einsparungen, Verfahren. - „Sie brauchen es nicht persönlich zu nehmen“
Ein Satz, der verbietet, was der Mann gerade fühlt. Der Personalchef weist die Beziehungsebene ausdrücklich ab – und zeigt damit unfreiwillig, wie wenig ihn der Mann interessiert. - Freundlichkeit als Abwehr
Bekümmerte Gesten, ein „liebenswürdiges und optimistisches Lächeln“ (Z. 21), ein Scherz, eine wohlvorbereitete Ansprache: Die Höflichkeit dient dazu, das Gespräch schnell zu beenden. - Und der Mann bedankt sich
Nach jedem Gespräch sagt er „Danke“ – auch dann, wenn er nichts erfahren hat. Daran sieht man, wie sehr er gewohnt ist, sich anzupassen.
Heute schlimmer als damals?
- Damals
Ein großer Rechner wertet Personalakten aus. Wer wollte, hätte die Kriterien zumindest erfragen können – es waren Menschen, die sie festgelegt hatten. - Heute
KI-Systeme sortieren Bewerbungen vor, bewerten Leistungen und schlagen Entscheidungen vor. Oft können nicht einmal die Anwender genau sagen, warum das System zu seinem Ergebnis kommt.
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Dazu kommt: Es wird damit gerechnet, dass KI viele Tätigkeiten übernimmt, gerade im Büro- und Dienstleistungsbereich. Die Situation der Geschichte könnte also viel häufiger werden. - Das noch größere Problem
Wer gegen den Vorschlag der Maschine entscheidet und sich irrt, muss sich hinterher rechtfertigen. Wer der Maschine folgt, kann sich auf sie berufen.
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Ein Beispiel aus der Medizin: Es gibt die Sorge, dass Ärzte sich kaum noch trauen werden, einer KI-Diagnose zu widersprechen. Dann entscheidet faktisch die Maschine – und die Verantwortung verschwindet genau wie in Schmichs Geschichte.
Auflösung der Einstiegsfragen
- 1. „Der Computer war’s“ – warum ist dann niemand schuld?
Weil sich jeder hinter dem Rechner versteckt. Die Kriterien haben aber Menschen festgelegt – das deutet die Geschichte mit der Frage nach den Daten an (Z. 34–36).
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Tipp: Wenn dir jemand sagt „Das System hat entschieden“, frag nach, wer das System eingerichtet hat und nach welchen Regeln es entscheidet. - 2. Ist es heute schlimmer als damals?
In wichtigen Punkten ja: Heutige Systeme sind schwerer zu durchschauen, und es könnten weit mehr Menschen betroffen sein. Und je besser die Maschine wirkt, desto weniger trauen sich Menschen, ihr zu widersprechen.
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Gleich geblieben ist das Grundmuster der Geschichte: Verantwortung wird an die Technik abgeschoben. - 3. Was bleibt einem außer dem Hammer?
Der Hammer zerstört nur ein Gerät und bestätigt am Ende das Urteil über den Mann (Z. 86–87). Andere Wege setzen früher an: Hilfe holen, nachfragen und Begründungen einfordern, sich weiterbilden, sich nicht von einem einzigen Arbeitgeber abhängig machen.
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Tipp: Überleg einmal, was in deinem späteren Beruf kaum eine Maschine übernehmen kann – genau dort liegt ein Stück Freiheit.
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