Klausur: Wolfgang Borchert, „Draußen vor der Tür“ – Szene 5 – Einstieg (Mat567-sz5-kla)

Worum es hier geht:

  • Wir legen hier einfach mal eine Klausur ab.
  • Den Erwartungshorizont werden wir noch erstellen.

Hier zunächst Aufgabenstellung und Textausschnitt.

Dazu ein Screenshot und eine PDF-Datei

Mat567-sz5-Klausur Borchert Draußen vor der Szene 5 Zeile 1-29

Wolfgang Borchert, „Draußen vor der Tür“

Klausur

Aufgabenstellung:

  1. Analysieren Sie den angehängten Textausschnitt (Beginn der 5. Szene), indem Sie
    1. ihn zunächst kurz vorstellen und sein Thema benennen
    2. dann die Situation beschreiben, die zu Beginn des Ausschnitts vorliegt
    3. den Inhalt beschreiben
    4. und herausarbeiten, was dieser Abschnitt deutlich macht,
    5. schließlich aufzeigen, wie die Aussagen durch sprachliche u.a. Mittel unterstützt werden.
  2. Erörtern Sie die Bedeutung dieses Auszugs im Vergleich zu den anderen Situationen, in denen Beckmann „draußen vor der Tür“ steht.

Quelle:
https://www.projekt-gutenberg.org/borchert/draussen/draussen.html

 

 

 

(Ein Haus. Eine Tür. Beckmann.)

Beckmann: Unser Haus steht noch! Und es hat eine Tür. Und die Tür ist für mich da. Meine Mutter ist da und macht mir die Tür auf und läßt mich rein. Daß unser Haus noch steht! Die Treppe knarrt auch immer noch. Und da ist unsere Tür. Da kommt mein Vater jeden Morgen um acht Uhr raus. Da geht er jeden Abend wieder rein. Nur sonntags nicht. Da fuchtelt er mit dem Schlüsselbund umher und knurrt vor sich hin. Jeden Tag. Ein ganzes Leben. Da geht meine Mutter rein und raus. Dreimal, siebenmal, zehnmal am Tag. Jeden Tag. Ein Leben lang. Ein langes Leben lang. Das ist unsere Tür. Dahinter miaut die Küchentür, dahinter kratzt die Uhr mit ihrer heiseren Stimme die unwiederbringlichen Stunden. Dahinter habe ich auf einem umgekippten Stuhl gesessen und Rennfahrer gespielt. Und dahinter hustet mein Vater. Dahinter rülpst der ausgeleierte Wasserhahn und die Kacheln in der Küche klickern, wenn meine Mutter da herumpütschert. Das ist unsere Tür. Dahinter röppelt sich ein Leben ab von einem ewigen Knäuel. Ein Leben, das schon immer so war, dreißig Jahre lang. Und das immer so weitergeht. Der Krieg ist an dieser Tür vorbeigegangen. Er hat sie nicht eingeschlagen und nicht aus den Angeln gerissen. Unsere Tür hat er stehen lassen, zufällig, aus Versehen. Und nun i*st diese Tür für mich da. Für mich geht sie auf. Und hinter mir geht sie zu, und dann stehe ich nicht mehr draußen. Dann bin ich zu Hause. Das ist unsere alte Tür mit ihrer abgeblätterten Farbe und dem verbeulten Briefkasten. Mit dem wackeligen weißen Klingelknopf und dem blanken Messingschild, das meine Mutter jeden Morgen putzt und auf dem unser Name steht: Beckmann –

Nein, das Messingschild ist ja gar nicht mehr da! Warum ist denn das Messingschild nicht mehr da? Wer hat denn unseren Namen weggenommen? Was soll denn diese schmutzige Pappkarte an unserer Tür? Mit diesem fremden Namen? Hier wohnt doch gar kein Kramer! Warum steht denn unser Name nicht mehr an der Tür? Der steht doch schon dreißig Jahre da. Der kann doch nicht einfach abgemacht und durch einen anderen ersetzt werden! Wo ist denn unser Messingschild? Die andern Namen im Haus sind doch auch noch alle an ihren Türen. Wie immer. Warum steht hier denn nicht mehr Beckmann? Da kann man doch nicht einfach einen anderen Namen annageln, wenn da dreißig Jahre lang Beckmann angestanden hat. Wer ist denn dieser Kramer!?

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