Die Figur des Gärtners im Roman „Heimsuchung“ (Mat8630-gae)

Der Gärtner im Kontext von Natur und Zivilisation

Wir haben das hier aufgeteilt, weil im Rahmen einer mündlichen Abiturprüfung zunächst der Anfangsteil besprochen werden könnte – mit dem Schwerpunkt auf „Natur und Zivilisation“:
https://schnell-durchblicken.de/der-architekt-und-das-verhaeltnis-von-natur-und-zivilisation-im-roman-heimsuchung
– und dann geht es allgemein um die Rolle und Entwicklung der Figur des Gärtners.

Vermittlerrolle

Der Gärtner wird als eine Schlüsselfigur dargestellt, die zwischen den menschlichen Bedürfnissen und den Gesetzen der Natur vermittelt. Er hilft bei Tätigkeiten wie dem Schilfschneiden für Reetdächer und der Trockenlegung von Grundstücken am Seeufer.

Verbindung zur Natur

Seine Schweigsamkeit und seine Vorliebe für die Kommunikation mit Pflanzen unterstreichen seine tiefe Verbundenheit zur Natur. Dies steht im Kontrast zur eher instrumentellen Sichtweise der Architekten und Gartenarchitekten.

Naturgestaltung im Einklang

Im Gegensatz zum Architekten, der die Natur seinen Vorstellungen anpasst, arbeitet der Gärtner eher im Einklang mit ihr. Er veredelt Bäume, legt Gärten an und hilft bei der Trockenlegung, ohne die natürlichen Gegebenheiten grundlegend zu verändern.

Beständigkeit

Im Gegensatz zu anderen Figuren, deren Leben von Krieg und Vertreibung geprägt sind, scheint der Gärtner eine Konstante darzustellen. Er ist „vielleicht war er immer schon da“ – was ihn zu einem Symbol für die Beständigkeit der Natur machen könnte.

Ambivalente Wahrnehmung

Die unterschiedlichen Reaktionen der Dorfbewohner auf den Gärtner spiegeln die Ambivalenz des menschlichen Verhältnisses zur Natur wider. Einige sehen in ihm eine unheimliche Gestalt, während andere seine Fähigkeiten schätzen.

Weitere Aspekte der Charakterisierung und Funktion des Gärtners

Unverzichtbare Figur im Dorfleben

Der Gärtner geht den Bauern bei der Veredelung ihrer Obstbäume zur Hand, hilft bei der Ernte, bei der Reparatur von Pflügen und Eggen und schlägt im Winter mit ihnen gemeinsam Holz. Er wird von den Leuten bei der Trockenlegung des Bodens am Seeufer um Rat gefragt.

Geheimnisvolle Figur

Niemand im Dorf weiß, woher er gekommen ist. Er wohnt allein in einer verlassenen Jagdhütte am Rande des Waldes und wird von allen nur „Der Gärtner“ genannt, als hätte er keinen anderen Namen.

Schweigsamkeit

Der Gärtner spricht wenig und äußert sich nie zu den Ereignissen im Dorf. Manchen im Dorf ist er wegen dieses Schweigens nicht ganz geheuer.

Hilfsbereitschaft

Er hilft beim Bau der Ferienhäuser. Als der Architekt jemanden sucht, der ihm bei der Umwandlung des Waldes in einen Garten hilft, empfiehlt der Dachdecker den Gärtner.

Kenntnis der Imkerei

Er versteht sich hervorragend auf die Imkerei und widmet den Bienen viel Zeit. Später zieht er mit Erlaubnis des Hausherrn ganz in den Schleuderraum um.

Veränderungen im Laufe der Zeit

Nachdem die Russen abgezogen sind, beschneidet der Gärtner die Sträucher und Büsche und setzt Kartoffeln. Später, nach einem Sturz von der Leiter, kann er schwere Arbeiten nicht mehr ausführen.

Letztes Verschwinden

Vor dem Eintreffen des Investors ist der Gärtner verschwunden und wird nicht mehr gesehen.

Zusammenfassung

Der Gärtner dient somit als eine vielschichtige Figur, die nicht nur die Verbindung zur Natur verkörpert, sondern auch als eine Art Chronist und Helfer im Dorfgeschehen fungiert. Seine Geheimnisumwittertheit und sein Verschwinden am Ende tragen zur mystischen Aufladung seiner Figur bei.

Weitere Infos, Tipps und Materialien