Infos, Tipps und Materialien zum Roman „Heimsuchung“ von Jenny Erpenbeck (Mat8630-ths)

  • Wir wissen, dieser Roman ist eine Herausforderung.
  • Wir werden später begründen, warum er Schullektüre eigentlich mit einem Warnhinweis versehen werden müsse – denn es fehlt eine wichtige Ergänzung.
    Wer jetzt gleich wissen will, was fehlt:
    Hier ist eine Antwort:
    https://schnell-durchblicken.de/essay-warum-man-goethe-braucht-wenn-man-den-roman-heimsuchung-liest
  • Aber das ändert nichts daran, dass man sich mit ihm auseinandersetzen muss.
  • Und bei uns war es wie immer: Aus der Anfangs-Verzweiflung wurde fast ein bisschen Neigung.
  • Wir versuchen, das hier weiterzugeben – und viel „Fitness“ zu verbreiten für Klausuren und Prüfungen.

Übersicht über den Inhalt mit direkten Text-Links

Links sieht man das Prinzip: Aus dem Inhaltsverzeichnis kann man zu einer bestimmten Stelle weiter unten springen. Dort gibt es auch am Ende jeweils eine Möglichkeit, hier hierhin zurückzuspringen.

Fünf Videos – für den schnellen Überblick

Als wir uns zum ersten Mal mit dem Roman beschäftigten, wollten wir vor allem einen guten Überblick gewinnen.

Das ging am besten mit einem Video, das den Inhalt übersichtlich darstellt und auch wichtige Zitate liefert.

So ein Video kann man sich jederzeit auch schnell mal, wie wir es immer nennen, „Doppelpunkt auf die Ohren legen“ und dann ist man schnell wieder drin.

Video 1

Links an dem Schaubild kann man schön sehen, wie wir im Video arbeiten.
Die inhaltliche Entwicklung wird präzise erklärt – und wichtige Zitate werden einbezogen.

Da dürfte klar werden, wie gut man informiert ist, wenn man sich es zumindest unterwegs mal anhört.

Schaubild der Entwicklung im Prolog und im Kapitel über den Großbauern. Wird im Video gut erklärt, kann man sich auch einfach nur anhören.
  • Video 1: bis S. 21
  • Versprechen „Meisterstück“ – gegen Realität
    • Der Prolog als Besuch im geologischen Museum
    • Der Bauer und seine Töchter: Heimatmuseum?
  • Dies Video ist eine Hilfe gegen Lesefrust.
  • https://youtu.be/sC77CXYrCWs?si=_0s2x4pVJRNQMDHC

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Video 2

Schaubild des 2. Teils des Romans: Der Architekt, Die Frau des Architekten, Der Tuchfabrikant
  • Teil 2: Seitenbereich: S. 21 bis S. 66
  • Inhalt: Die Ära der Erbauer. Im Zentrum stehen der Architekt und der Tuchfabrikant. Es geht um den Traum von der „dritten Haut“ (das Haus als Identität) und die bittere Realität von Flucht und Arisierung im Nationalsozialismus.
  • Link: https://youtu.be/sC77CXYrCWs?si=_0s2x4pVJRNQMDHC

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Video 3

Schaubild der Entwicklung in Teil 3: Das Mädchen, Der Rotarmist, Die Schriftstellerin, Die Besucherin
  • Teil 3: Seitenbereich: S. 68 bis S. 124
  • Inhalt: Krieg und Neuanfang. Vom Versteck des jüdischen Mädchens über den Einbruch der Weltgeschichte durch den Rotarmisten bis hin zur Ansiedlung der Schriftstellerin in der frühen DDR. Ein Mosaik aus subjektiven Einzelschicksalen.
  • Link: https://youtu.be/AnQ7BTFRTXE?si=j5F0bEEYVbget5WV

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Video 4

Schaubild zu Video 4: Unterpächter, Kinderfreund, Die unberechtigte Eigenbesitzerin und der Epilog
  • Teil 4: Seitenbereich: S. 126 bis zum Epilog (S. 168)
  • Inhalt: Verfall und Ende. Die Zeit der Unterpächter, das langsame Marodieren des Hauses und schließlich der Abriss im Epilog. Hier wird die Kernfrage des Romans deutlich: Kann man Natur und Geschichte wirklich „besitzen“?
  • Link: https://youtu.be/dydLQfvXaCs?si=B4yXvMXfbV7uilOc

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Teil 5

Schaubild der verschiedenen Deutungsansätze - mit besonderer Berücksichtigung Goethes - mit einem Gegenentwurf zum potentiellen Fatalismus, der sich beim Lesen ergibt.

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Fazit & Strategie-Tipp: Den Roman „knacken“

Warum diese Videos dein Rettungsanker sind: Jenny Erpenbecks Roman ist wie ein geologisches Schichtmodell: Jedes Kapitel legt eine neue Ebene der Geschichte frei. Das kann anfangs frustrierend sein, weil die Handlung scheinbar immer wieder abreißt. Unsere Videos helfen dir, den roten Faden nicht zu verlieren und die Struktur hinter dem Mosaik zu erkennen.

Die entscheidende Ergänzung: Wenn du das Gefühl hast, dass der Roman dich mit seiner Melancholie und den ständigen Verlusten „heimsucht“, dann fehlt dir ein wichtiges Gegengewicht. In der literarischen Tradition gibt es einen Anker, der zeigt, wie man Natur und Heimat auch anders begreifen kann.

Dein nächster Schritt zur 15-Punkte-Klausur: Schau dir unbedingt unseren Essay zu Goethe als notwendiges Gegengewicht an. Erst im Vergleich wird deutlich, was Erpenbeck in ihrem Werk eigentlich radikal infrage stellt. 👉 Hier geht es zum Goethe-Essay

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Vorbereitung eines Igel-Schaubildes

Unter einem Igel-Schaubild verstehen wir eins, das einen möglichst fit macht für alle Fragen zum Roman.

Wir werden daraus noch ein Schaubild machen. Hier aber die ersten Bausteine.

Wir halten das hier ganz kurz – und gehen ausführlicher auf die Elemente auf dieser Seite ein:
https://textaussage.de/roman-heimsuchung-mit-dem-igel-schaubild-optimal-vorbereitet

Thema des Romans

Unter einem Thema verstehen wir immer die Fragestellung, das Problem, das einem Roman zugrunde liegt.

Die Aussagen des Romans sind dann gewissermaßen die Antwort auf diese Frage.

Die Aussagen des Romans und zentrale „Mittel“

Am besten kommt man drauf, wenn man den Satz fortsetzt: „Der Roman zeigt/macht deutlich …“

Und das möglichst in mehreren Varianten.

Wichtig ist uns immer, dass die Aussagen auch mit den Mitteln verbunden werden, die der Autor oder die Autorin sich haben einfallen lassen, um das Ganze wirkungsvoll darzustellen.

Das Wichtigste zu den Figuren

  • Hier sollte man einen Gesamtüberblick haben über die Figuren, wie man ihn hier zum Beispiel findet:
    https://schnell-durchblicken.de/kompakt-und-systematisch-figuren-im-roman-heimsuchung
  • Oder man konzentriert sich auf die wichtigsten Figuren:
    • den Architekten – als den, der die Natur umgestalten will.
    • seine Frau, die in der Ehe mit dem Architekten ihre eigenen Ziele aufgibt.
    • die Familie des Tuchfabrikanten als Opfer der extremsten Heimsuchung
    • den Gärtner als fast mythische Stellvertreterfigur der Natur.

Struktur des Romans

  • Struktur des Romans (Die große Klammer)
  • Prolog & Epilog: Die geologische und ökologische Klammer (Eiszeit bis Renaturierung), die das menschliche Handeln zur Episode schrumpfen lässt.
  • Der Großbauer: Die Überleitung von der archaischen, scheinbar ewigen Ordnung hin zu den ersten „Auflösungserscheinungen“ durch Gier und Erbe.
  • Das Schichtmodell: Jedes Kapitel als neue Schicht einer „Heimsuchung“, die sich über den Ort legt.

Erörterung: Jahrhundertroman?

  • Der Roman umfasst zwar etwa ein Jahrhundert, er streift die einzelnen Epochen, allerdings nur.
  • Im Vordergrund stehen die verschiedenen Heimsuchungen der Figuren, der historische Kontext spielt dabei einen untergeordneten Rollenpunkt.
  • Wichtiges Hintergrundwissen, wie zum Beispiel die Problematik des Schraubenkaufs beim Architekten, wird überhaupt nicht direkt einbezogen.
  • Dazu kommt, dass Prolog und Epilog einen viel weiteren Horizont aufspannen, als die Phase menschlicher Schicksale.

Heimatroman?

  • Dieser Begriff ist in gewisser Weise durch eine bestimmte Gattung geprägt, die seit dem 19. Jahrhundert gab.
  • Dort ging es allerdings in erster Linie um die Schönheit und den Wert einer häufig dörflichen Gemeinschaft und ihrer Kultur.
  • Gerade das Kapitel mit dem Großbauern und seinen Töchtern zeigt aber gerade, wie diese Kultur zerfällt.

Zentrale Aussage des Romans und ihr Problem

  • Insgesamt macht der Roman deutlich, dass das menschliche Leben, vor allem durch den Kampf mit größeren Mächten, besonders der Natur, bestimmt wird.
  • Das wird im Laufe von vielen tausend Jahren, im Prolog, besonders deutlich gemacht. Der Epilog schildert dann in einem allerdings kleineren Rahmen, wie hier auch eine bestimmte Phase menschlicher Existenz im Umfeld des Hauses endgültig abgeschlossen ist und die Natur, wie es so schön heißt im Roman, wieder zu sich selbst kommt. Der Mensch ist also fast eine Art Störfall.
  • Was für den Menschen bleibt, kann man mit Hilfe von Goethes Gedicht „Das Göttliche“ herausarbeiten.
    Am Schicksal kann er nichts ändern – wohl aber kann er Menschlichkeit ins Geschehen einbringen – wie der Beamte, der dem Architekten den retten Hinweis auf die Fluchtmöglichkeit am Wochenende gibt.

Sprache und Darstellung – passend zur Aussage

  • Sprache und Erzähltechnik werden zu Recht als Mittel verstanden. Die distanzierte Schreibweise Erpenbecks verstärkt den Eindruck von „Heimsuchung“
  • Passend dazu ist die Mosaik-Struktur des Romans: Da eine durchgehende Hauptfigur fehlt und stattdessen das Grundstück als Anker fungiert, zerfällt die Handlung in Fragmente. Dies spiegelt die Brüchigkeit der Biografien wider – der Mensch erscheint hier nicht als Gestalter einer linearen Geschichte, sondern als austauschbarer Teil eines größeren Zerfallsprozesses.
  • Es sollten im Unterricht Erzählungen von Kafka behandelt worden sein, könnte man die dort vorzufindende Darstellung der Situation des Menschen in der Welt vergleichen mit dem Roman.
    • Im Wesentlichen wird es darauf hinauslaufen, dass Kafka traumartige Bilder präsentiert, die man als Parabel verstehen kann. Sie bekommen dadurch eine zusätzliche intentionale Wucht. Denn angesichts der extremen Fremdartigkeit des Geschehens ist man viel stärker gezwungen, die dahinterliegende Aufsage herauszufinden.
    • Der Roman versteckt dagegen eine ähnliche Situation hinter einer realistisch wirkenden geschichtlichen Darstellung.

Zwei kurze Texte von Kafka zum Vergleich.

Keine Sorge: Das Folgende muss man nicht wissen – aber rein theoretisch könnte ein Kafka-Text ja kommen oder zumindest als Übung hilfreich sein.

Wir sammeln hier zur Zeit noch – und werden natürlich die „endgültige“ Igel-Fassung kurz und knapp halten.

  • 1. „Der Steuermann“ – Die Verdrängung aus der eigenen Rolle
    https://textaussage.de/5-min-tipp-zu-kafka-der-steuermann
  • Die Heimsuchung: Ein Fremder übernimmt einfach das Steuer, ohne Legitimation, und der eigentliche Steuermann wird zur Seite geschoben. Er „gehört“ nicht mehr an seinen Platz.
  • Bezug zum Roman: Das ist die perfekte Analogie für das Schicksal des Tuchfabrikanten oder des jüdischen Mädchens. Sie sind die rechtmäßigen „Steuermänner“ ihres Lebens und ihres Besitzes, bis die Geschichte (in Form der Nationalsozialisten) sie einfach beiseite schiebt.
  • Aussage: Wer hat die Macht über die Richtung? Der Roman zeigt, dass der Mensch glaubt zu steuern, während er längst abgelöst wurde.
  • 2. „Der Schlag ans Hoftor“ – Die unverhältnismäßige Konsequenz
    • Die Heimsuchung: Ein winziges, vielleicht sogar unbewusstes Ereignis (ein Schlag ans Tor im Vorbeigehen) führt zu einer existenzbedrohenden Verfolgung durch eine unnahbare Justiz/Macht.
    • Bezug zum Roman: Das passt hervorragend zur Situation der Frau des Architekten oder allgemein zur Atmosphäre im Nationalsozialismus und später in der DDR. Ein falscher Schritt, eine falsche Herkunft (wie bei der Enteignung des Architekten wegen „Schraubenkaufs im Westen“) löst eine Lawine aus, die das gesamte Leben vernichtet.
    • Aussage: Die Heimsuchung braucht keinen „gerechten“ Grund. Sie passiert einfach, weil die Macht es kann.

Methodik – Klausurtraining

  • Links: Episoden-Analyse – problematisch
  • weil vielleicht schon bekannt durch Unterricht
  • Literarischer Vergleich
  • Man bekommt eine Kurzgeschichte und
  • soll sie mit dem Roman vergleichen
  • Sekundärtext z.B. eines Wissenschaftlers
  • Zunächst Analyse
  • Dann Stellungnahme mit Bezug auf den Roman

Hinweis: Für eine mündliche Prüfung ist es ratsam, wenn Lehrkraft und Schülis die gleichen Texte „im Kopf“ haben. Deshalb können aus den vielen Texten, die man behandelt hat, bestimmte zu ART gemacht worden sein. Das heißt: Abiturrelevante Texte – sie sollten also mit ihrem Kerninhalt und ihren Aussagen in der Prüfung innerlich präsent sein.

Verteilung der Infos auf Unterseiten

Diese Seite ist hier nur als Einstiegsseite gedacht.

Hier schon mal die anderen Seiten, auf denen man die Infos zu verschiedenen Bereichen des Romans bekommt.

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