
Worum es hier geht
Eine Kurzgeschichte über eine Frage, die viele kennen: die Wünsche der Eltern erfüllen – oder einen eigenen Weg gehen?
Am Mittagstisch prallen zwei Lebenspläne aufeinander. Und am Ende steht ein Satz, der hängen bleibt.
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Diese Geschichte ist ein guter Ausgangspunkt, um dieses immer noch wichtige Thema im Unterricht ergebnisoffen zu diskutieren.
Das Bild wird übrigens auf einer eigenen Seite beschrieben und erklärt:
https://schnell-durchblicken.de/bildbeschreibung-nicht-mein-grabstein
Vorschau und Download

Die Kurzgeschichte als PDF zum Herunterladen
https://schnell-durchblicken.de/wp-content/uploads/2025/11/Mat5799-bnf-Kimia-Tivag-Nicht-mein-Grabstein.pdf
Gut geeignet zum Ausdrucken oder für die Arbeit im Unterricht.
Die Kurzgeschichte: „Nicht mein Grabstein“ – Abschnitt für Abschnitt
Hier ist die Geschichte in ihre Erzählabschnitte aufgeteilt. Unter jedem Abschnitt steht ein kurzer Kommentar: Was passiert hier – und worauf lohnt es sich zu achten? Den Text am Stück gibt es oben als PDF.
Kimia Tivag
Nicht mein Grabstein
1. Zu spät zum Mittagessen
Der Sohn kam ein paar Minuten zu spät zum Mittagessen.
Der Vater hatte schon angefangen, die Gabel klirrte kurz auf dem Teller, als die Tür aufging.
- Typisch Kurzgeschichte: Es geht ohne Vorrede direkt in eine Alltagssituation hinein.
- Kleine Details sagen viel: Der Vater wartet nicht, er hat schon angefangen. Und die klirrende Gabel wirkt wie ein erstes, leises Signal von Ungeduld.
2. Die gute Nachricht
„Wo warst du denn?“
„Beim SoWi-Lehrer“, sagte der Junge und setzte sich. „Er wollte mir nur kurz gratulieren – wegen der Klausur.“
„Wegen der Eins?“, fragte der Vater, die Stimme halb Stolz, halb Ungeduld.
„Ja. Er meinte, ich hätte Talent für Wirtschaft, und ob ich in dem Bereich nicht weitermachen wolle.“
- Der Vater weiß schon von der Eins – er verfolgt die Schulleistungen seines Sohnes offenbar genau.
- „Halb Stolz, halb Ungeduld“: Schon hier zeigt sich, dass der Vater mit der Nachricht mehr verbindet als bloße Freude.
- Der Lehrer liefert – ohne es zu ahnen – das Stichwort für den Konflikt.
3. Das Wort, auf das der Vater gewartet hat
Da war es. Das Wort, das der Vater hören wollte. Wirtschaft.
Er lehnte sich zurück, sah seinen Sohn an, und ein warmes Lächeln breitete sich über sein Gesicht aus.
„Na, das passt ja wunderbar! Genau das habe ich mir gedacht. Du kannst doch bei uns anfangen, nach dem Studium. Ich zeig dir alles. In zehn Jahren geh ich in Rente – das wäre perfekt!“
- Die kurzen Sätze („Da war es. … Wirtschaft.“) holen uns kurz in den Kopf des Vaters hinein: Auf dieses Wort hat er gewartet.
- Das Lächeln ist echt warm – aber der Vater plant sofort zehn Jahre voraus, ohne den Sohn zu fragen. Genau darin liegt der Konflikt.
4. Der alte Streitpunkt
Der Sohn stocherte im Gemüse, sagte erst nichts.
Dann: „Papa, das haben wir doch schon oft besprochen. Ich will mich auf Musik konzentrieren. In unserer Band läuft’s richtig gut.“
Der Vater winkte ab. „Musik ist schön, aber das ist doch kein Beruf. Du brauchst was Solides! Und mit deinem Kopf – du wärst die perfekte Ergänzung für mich. Das wäre unser gemeinsames Ding!“
- Das Stochern im Gemüse zeigt das Unbehagen des Sohnes, bevor er etwas sagt.
- „Schon oft besprochen“: Der Streit ist nicht neu – er kehrt immer wieder.
- Aufschlussreich ist die Wortwahl des Vaters: „Ergänzung für mich“, „unser gemeinsames Ding“. Es geht auch um seinen eigenen Wunsch – nicht nur um die Zukunft des Sohnes.
5. Ein Satz zum Abschied
Der Sohn sah auf die Uhr. „Ich muss los. Wir haben gleich Probe.“
„Jetzt? Mitten am Tag?“
„Ja“, sagte er und stand auf. „Aber bevor ich gehe – mach dir bitte keine Sorgen um meine Zukunft. Denk lieber mal über einen Satz nach, den du sicher schon kennst.“
Er griff nach seiner Jacke.
„Auf meinem Grabstein soll nicht stehen: ‚Allen hat mein Leben gefallen – nur mir nicht.‘“
- Der Sohn streitet nicht weiter. Statt eines Gegenarguments hinterlässt er ein Bild – und das wirkt stärker.
- Interessant: Er ist es, der den Vater beruhigt („mach dir bitte keine Sorgen“). Für einen Moment sind die Rollen vertauscht.
- Der Grabstein-Satz bringt die Frage der Geschichte auf den Punkt: Wessen Leben lebe ich eigentlich?
6. Zurück bleibt der Vater
Die Tür fiel leise ins Schloss.
Und der Vater blieb einen Moment reglos sitzen – zwischen Stolz, Ratlosigkeit und einem seltsam neuen Gefühl, das sich langsam in ihm ausbreitete: Zweifel.
- Kein Türenknallen: Die Tür fällt „leise“ ins Schloss. Der Abschied ist ruhig – gerade deshalb wirkt er nach.
- Die Geschichte endet nicht beim Sohn, sondern beim Vater. Der eigentliche Wendepunkt passiert in ihm: Zum ersten Mal kommt Zweifel auf.
- Offenes Ende: Wie es weitergeht, bleibt unseren eigenen Gedanken überlassen.
Zum Nachdenken: Der Satz auf dem Grabstein
„Allen hat mein Leben gefallen – nur mir nicht.“
- Warum wirkt gerade das Bild vom Grabstein so stark – noch dazu bei einem Vater, der in langen Zeiträumen denkt („In zehn Jahren geh ich in Rente“)?
- Ist der Vater einfach nur stur – oder meint er es gut? Welche Gründe haben beide Seiten?
- Am Ende steht ein „seltsam neues Gefühl“: Zweifel. Was könnte sich dadurch zwischen Vater und Sohn verändern?
Tipp für eine kreative Aufgabe:
Schreib eine Fortsetzung: Am Abend kommt der Sohn von der Probe zurück. Wer spricht zuerst – und was sagt der Vater jetzt?
Weitere Infos, Tipps und Materialien
- Übersicht über Texte von Anders Tivag
https://textaussage.de/anders-tivag-ein-schoenes-beispiel-fuer-einen-behelfsschriftsteller
Weitere Kurzgeschichten und Texte aus derselben Werkstatt – dort auch die Texte von Kimia Tivag, seiner Nichte. - Themenseite „Kreatives Schreiben“
https://textaussage.de/kreativ-im-deutschunterricht-themenseite
Ideen und Anregungen, wie man Texte kreativ weiterentwickeln kann. - YouTube-Playlist zum kreativen Schreiben
https://www.youtube.com/playlist?list=PLNeMBo_UQLv3dYx3OHA0Gtvs9pb3kc0SI
Infos, Tipps und Materialien im Video. - Weitere Themen des Deutschunterrichts
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