KURZÜBERSICHT: DAS WICHTIGSTE AUF EINEN BLICK
- Das Gedicht beschreibt das Leben als stürmische Schifffahrt, bei der Gott der einzige sichere Halt ist.
- In der ersten Strophe wirbeln viele Ängste und Probleme um das lyrische Ich herum – aber es bleibt innerlich bei Gott verankert.
- In der zweiten Strophe richtet sich der „Kompass“ der Seele fest auf einen Stern (Gott) aus, auch wenn draußen die Wellen toben.
- In den beiden Schlussstrophen brechen Mut, Vernunft und Glaubenskraft fast zusammen – dargestellt als zerbrechender Mast, müde Ruderknechte und ein Segel ohne Wind.
- Am Ende steht ein kurzes, dringliches Gebet: „bring‘ an den Hafen mich / mein Gott / es ist genug!“
- Das ganze Gedicht nutzt durchgehend Bilder aus der Seefahrt, um die innere Situation des lyrischen Ichs zu zeigen.
- Es ist ein klassisches Sonett mit vier Strophen (zwei vierzeilige, zwei dreizeilige) im gleichmäßigen Versmaß des Alexandriners.
- Ungewöhnlich ist, dass nicht die Terzette, sondern schon die Quartette Ruhe zeigen, während die Terzette die eigentliche Krise bringen.
- Das Gedicht steht damit typisch für die Barockzeit: Das irdische Leben gilt als gefährlich und vergänglich, wahre Ruhe gibt es nur bei Gott.
- Diskussionsfrage: Warum, glaubst du, endet das Gedicht mit einem so kurzen, fast verzweifelten Gebet – und nicht mit einer beruhigenden Feststellung?
Worum es hier geht
Auf der Seite https://schnell-durchblicken.de/catharina-regina-von-greiffenberg-auf-meinen-bestuermeten-lebens-lauff-in-heutiges-deutsch-uebertragen-und-erklaert haben wir das Gedicht von seiner alten Sprache des 17. Jhdts „befreit“ und in heutiges Deutsch übertragen.
Hier geht es nun um die nächsten Schritte bei der Analyse und Interpretation. Aber auch um einen möglichen kreativen Umgang damit.
Signale des Gedichtes – strophenweise

Hier sammelt man erst mal die Signale des Gedichtes:
Auf meinen bestürmeten Lebens-Lauff
- Wie sehr der Wirbelstrom so vieler Angst und plagen
- Poetische Beschreibung – also eine, die über das rein Realistische hinausgeht und mit vielen Bildern arbeitet. Entscheidend ist der Kontrast zwischen vielen Bedrohungen und dem sicheren Punkt, hier beschreibt das lyrische Ich seine äußere und innere Situation.
- Das läuft auf den Kontrast vieler Probleme und letztlich doch großer innerer Sicherheit hinaus.
- mich drähet um und um / so bistu doch mein Hort /
- mein mittel punct / in dem mein Zirkel fort und fort
- mein Geist halb hafften bleibt vom sturm unausgeschlagen.
- Mein Zünglein stehet stät / von Wellen fort getragen /
- Weiter poetische Beschreibungen: Diese Strophe konzentriert sich dann auf die eigene Sicherheit in all den Lebensstürmen.
- Wichtig ist das Symbol des Sterns, der sicher zum Ziel führt.
- Typisch für die Barockzeit kann man das als Übergang in ein besseres Leben im Jenseits verstehen.
- Am Ende der Strophe dann wieder Rückkehr in die aktuelle Realität, aber mit der Betonung von „keck“ – also des eigenen Mutes.
- auf meinen Stern gericht. Mein Herz und Aug‘ ist dort /
- es wartet schon auf mich am Ruhe-vollen Port:
- dieweil muß ich mich keck in weh und See hinwagen.
- offt will der Muht / der Mast / zu tausend trümmern springen.
- Auch hier setzen sich die poetischen Beschreibungen fort.
- Das Besondere ist die Einseitigkeit dieser Strophe, die sich nur noch auf Problemsituationen konzentriert.
- Bald thun die Ruder-Knecht / die sinnen / keinen Zug.
- Bald kan ich keinen Wind in glaubens-Segel bringen.
- jetz hab ich / meine Vhr zu richten / keinen fug.
- Man wundert sich hier nicht, dass es in der gleichen Bildbeschreibungs-Sprache weitergeht.
- Noch einmal zwei Gefahrensituationen.
- Dann der scheinbar isolierte, aber umso wirkungsvollere Schluss, eine Art kurzes Gebet, das den Gedanken des rettenden Hafens, geleitet von dem Stern, wieder aufnimmt.
- Dann wollen mich die Wind auf andre zufahrt dringen.
- bring‘ an den Hafen mich / mein Gott / es ist genug!
Wichtige sprachliche Bilder und Stilmittel
Das ganze Gedicht arbeitet mit einem durchgehenden Bildbereich aus der Seefahrt. Gut zu wissen, welches Bild wofür steht:
- „Wirbelstrom“ / „sturm“ / „Wellen“: stehen für die Ängste und Probleme des Lebens.
- „Mast“: steht für den Lebensmut.
- „Ruder-Knecht“: steht für die menschliche Vernunft und die eigenen Kräfte.
- „glaubens-Segel“: steht für das Gottvertrauen.
- „Zünglein“: steht für die innere Ausrichtung wie bei einer Kompassnadel.
- „Stern“ / „Port“ / „Hafen“: stehen für Gott und das ersehnte Ziel.
Dazu kommen einige sprachliche Mittel, die sich auch außerhalb der Bildersprache bemerkbar machen:
- Anapher: Die Wiederholung von „mein…“ betont, wie persönlich das lyrische Ich sein eigenes Ringen erlebt.
- Wortspiel: Die Wendung „weh und See“ verbindet das seelische Leid klanglich direkt mit dem Meer.
- Kontrast (Antithese): Die stürmische, unruhige Welt und die ruhende, sichere Sphäre Gottes stehen sich im ganzen Gedicht gegenüber – das ist der Kontrast, der oben schon bei den einzelnen Strophen beschrieben wurde.
Zum Reim und zum Rhythmus
Die Quartette haben beide einen umarmenden Reim: a-b-b-a / a-b-b-a und dementsprechend auch die gleichen Versschlüsse: weiblich, männlich, männlich, weiblich.
Die Terzette lassen sich dann im Buchstaben-Schema so beschreiben: c-d-c / d-c-d.
Der Rhythmus lässt sich so bestimmen:
1. Wie sehr der Wirbelstrom so vieler Angst und plagen x X x X x X x X x X x X x 6-hebiger "JambUUUS" - unsere Gedächtnisstütze für diesen Rhythmus. 2. mich drähet um und um / so bistu doch mein Hort / x X x X x X x X x X x X 3. mein mittel punct / in dem mein Zirkel fort und fort x X x X x X x X x X x X 4. mein Geist halb hafften bleibt vom sturm unausgeschlagen. x X x X x X x X x X x X x
Anmerkung zur Sonett-Form

Bei Sonetten ist es häufig so, dass die beiden Quartette beschreibend sind, während die Terzette eine Art Konsequenz daraus ziehen.
Das ist hier aber ganz anders: Letztlich entspricht die ungeordnet erscheinende Abfolge von Gefahren und Sicherheit der Realität eines bewegten Lebens – wie es auch in einer Sturmsituation ist. Da gibt es heftigere und wieder ruhigere Momente.
Entscheidend ist letztlich das Gebet am Ende. Es bildet den eigentlichen Kern des Gedichtes – typisch für die christliche Grundhaltung der Barockzeit.
Was kann man mit dem Gedicht anfangen?

Das Besondere an solchen Gedichten ist ihr Potenzial, auch noch Jahrhunderte nach ihrer Entstehung Wirkung zu entfalten.
In diesem Falle könnte man ein (fiktives) Gedicht aus einer heutigen Schüler-Situation heraus schreiben.
Spannend wird es dann, wie man den eigenen „Stern“, der einen leitet, dann genauer ausführt. Denn hier ergeben sich natürlich Unterschiede zur Glaubensgewissheit des 17. Jhdts.
Wer noch tiefer einsteigen möchte – mit systematischer Metrik- und Metaphern-Analyse, Einordnung in barocke Denkfiguren wie Vanitas und Theozentrik sowie kreativen Aufgaben auf Referendariats-Niveau –, findet das auf der vertiefenden Insider-Tipps-Seite für Lehrkräfte.
Weitere Infos, Tipps und Materialien
Weitere Infos, Tipps und Materialien
- Barock, bsd. Lyrik
- Barock – die wichtigsten Gedichte
- Infos, Tipps und Materialien zur deutschen Literaturgeschichte
- Übersicht über unsere Themenseiten
http://textaussage.de/themenseiten - Infos, Tipps und Materialien zu weiteren Themen des Deutschunterrichts
- Unser YouTube-Kanal
Dort zeigen wir im Live-Modus, wie man bestimmte Dinge sehen, verstehen oder machen kann.