Worum es auf dieser Seite geht
Der Sturm und Drang ist eine kurze, aber sehr intensive Epoche: Junge Dichter setzen gegen Regeln, Fürstenwillkür und kühle Vernunft das Gefühl, die Natur und das freie Genie. Auf dieser Seite ordnen wir wichtige Gedichte nach Themen – so sieht man schnell, welche Texte sich gut miteinander vergleichen lassen. Zu jedem Themenbereich gibt es eine eigene Seite, auf der die Gedichte genauer vorgestellt und verlinkt sind.
Besonders reizvoll: Einige Gedichte stehen an der Grenze zu anderen Epochen – ideal, um in Klassenarbeiten und Klausuren Epochenmerkmale im Vergleich herauszuarbeiten.
Gedichte zum Thema „Politik“
- Bürger, „Der Bauer – An seinen Tyrannen“
Ein Bauer stellt seinen Fürsten zur Rede und spricht ihm jedes Recht ab, über ihn zu herrschen – eine direkte Kampfansage an das Gottesgnadentum. - Miller, Johann Martin, „Lied eines Gefangnen“
Klage eines Gefangenen über die verlorene Freiheit – Unfreiheit als Grunderfahrung in einer Zeit fürstlicher Willkür. - Schubart, Christian Friedrich Daniel, „Die Fürstengruft“
Beim Blick auf die Särge der Fürsten wird deutlich: Im Tod sind alle gleich – und die Tyrannen erwartet das Gericht. Besonders brisant, weil Schubart selbst jahrelang ohne Urteil in Festungshaft saß. - Stolberg, Friedrich Leopold Graf zu, „Die Freiheit“
Begeisterte Feier der Freiheit als höchstes Gut – interessant, weil hier ein Adliger gegen die Welt der Höfe schreibt.
Die genauere Vorstellung dieser Gedichte mit den entsprechenden Links haben wir ausgelagert auf die Seite:
https://schnell-durchblicken.de/gedichte-des-sturm-und-drang-thema-politik
Gedichte zum Thema „Liebe“
- Goethe, „Mailied“ (oder auch: „Maifest“)
Natur und Liebe fließen in einem einzigen Glücksausruf zusammen – das Musterbeispiel für die Gefühlssprache des Sturm und Drang.- gut vergleichbar mit: Mascha Kaléko, „Sozusagen ein Mailied“
Ein moderner Gegenentwurf mit deutlich nüchternerem, leicht ironischem Ton.
- gut vergleichbar mit: Mascha Kaléko, „Sozusagen ein Mailied“
- Goethe, „Neue Liebe, neues Leben“
Das Ich erkennt sich selbst nicht wieder: Die Liebe beglückt, hält es aber auch wie an einem Zauberfaden gefangen. - Goethe, „Rastlose Liebe“
Liebe nicht als ruhiges Glück, sondern als ständige Unruhe – und gerade darin als Höhepunkt des Lebens. - Goethe, „Willkommen und Abschied“
Nächtlicher Ritt zur Geliebten, kurzes Glück, schmerzlicher Abschied – und am Ende trotzdem ein Ja zur Liebe. - Hölty, „Lied eines Liebenden“
Ein eher leiser, sehnsuchtsvoller Ton – gut als Kontrast zu Goethes stürmischen Liebesgedichten. - Schiller, „Amalia“
Überschwängliche Erinnerung an ein vergangenes Liebesglück, das nun verloren ist – mit Bezug zu Schillers Drama „Die Räuber“. - Schiller, „Die Begegnung“
Der Liebende steht vor der Geliebten und findet zunächst keine Worte – erst im Lied kann er sich ausdrücken.
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https://schnell-durchblicken.de/liebesgedichte-aus-der-zeit-des-sturm-und-drang
Gedichte zum Thema „Selbstverständnis“ der Autoren
- Goethe, „Prometheus“ und „Das Göttliche“ – zwischen Sturm und Drang und Klassik
Erst die trotzige Auflehnung des schöpferischen Menschen gegen die Götter, später die Forderung nach Humanität („Edel sei der Mensch …“) – zwei Menschenbilder im direkten Vergleich. - Goethe, „Der Adler und die Taube“
Ein verwundeter Adler und eine genügsame Taube – die Frage, ob der geniale Mensch sich mit einem bescheidenen Glück zufriedengeben kann. - Lessing, „An den Herrn Marpurg“
Wie wichtig sind Regeln für Dichtung und Musik? Hier deutet sich bereits der Genie-Gedanke an. - Novalis, „Wohin ziehst du mich …“ – Vergleich Romantik – Sturm und Drang
Auch hier ein Ich, das von einer übermächtigen Kraft erfasst wird – spannend ist, wie anders der Romantiker damit umgeht. - Stolberg, Friedrich Leopold Graf zu, „Genius“ oder „An die Natur“
Das Genie, das aus sich selbst schafft, und die Natur als heiliger Ursprung – zwei Kernideen der Epoche.
Die genauere Vorstellung dieser Gedichte mit den entsprechenden Links haben wir ausgelagert auf die Seite:
https://schnell-durchblicken.de/gedichte-des-sturm-und-drang-thema-selbstverstaendnis
Gedichte zum Thema „Unterwegs sein“
- Goethe, „Harzreise im Winter“ – als Reisegedicht des Sturm und Drang
Ein einsamer Wanderer im winterlichen Gebirge – Selbstvergewisserung und zugleich Mitgefühl mit einem Menschen, der sich verloren hat.
https://schnell-durchblicken.de/goethe-harzreise-im-winter
Weitere Reisegedichte bzw. Gedichte zum Thema „Unterwegs sein“ finden sich auf unserer Themenseite:
Reisegedichte – unterwegs sein
https://textaussage.de/reisegedichte-themenseite
Gedichte mit Übergängen zu anderen Epochen
- Lessing, „An den Herrn Marpurg“ – Übergang von der Aufklärung zum Sturm und Drang
Noch ganz im Denken der Aufklärung verankert, aber schon mit Zweifeln an der Allmacht der Regeln. - Novalis, „Wohin ziehst du mich …“ – Vergleich Romantik – Sturm und Drang
Gut geeignet, um die Gefühlsbetonung beider Epochen gegeneinanderzustellen. - Goethe, „Seefahrt“ im Vergleich zu „Glückliche Fahrt“ – Sturm und Drang – Klassik
Zweimal das Bild der Schiffsreise: erst der Schiffer, der dem Sturm trotzt, später die befreiende Aussicht auf Land – ideal, um den Wandel von Goethes Haltung zu zeigen.
Die genauere Vorstellung dieser Gedichte mit den entsprechenden Links haben wir ausgelagert auf die Seite:
https://schnell-durchblicken.de/gedichte-des-sturm-und-drang-thema-epochen
Weitere Themen – kurz angerissen
Neben den oben vorgestellten Themenbereichen gibt es weitere Motive, die für den Sturm und Drang typisch sind. Hier zunächst ein kurzer Überblick – ausführlichere Seiten dazu sind in Planung.
- Soziale Anklage und Kindsmord
Viele Autoren prangern die Moral der Ständegesellschaft an – besonders das Schicksal verführter junger Frauen, die ausgegrenzt und bestraft werden. Beispiele:
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Schiller, „Die Kindermörderin“;
https://www.friedrich-schiller-archiv.de/gedichte-schillers/anthologie-auf-das-jahr-1782/die-kindsmoerderin/
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Bürger, „Des Pfarrers Tochter von Taubenhain“.
https://balladen.net/buerger/des-pfarrers-tochter-von-taubenhain/
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Eine interessante Querverbindung ist die Gretchen-Tragödie in Goethes „Faust“.
— - Die dunkle Seite des Gefühls
Das Herz ist nicht nur Quelle von Begeisterung, sondern auch von Unruhe und Zerrissenheit – und trotzdem wird es als Grundlage eines intensiven Lebens bejaht.
Beispiel: Lenz, „An das Herz“.
https://www.zgedichte.de/jakob-michael-reinhold-lenz/an-das-herz.html
— - Natur als Göttliches
Der Mensch sucht die Einheit mit der Natur, in der er das Göttliche erfährt.
Beispiel: Goethe, „Ganymed“ – spannend als Gegenstück zu „Prometheus“: Hingabe statt Auflehnung.
https://textaussage.de/schnell-durchblicken-goethe-ganymed
https://schnell-durchblicken.de/goethe-prometheus-aussagen-deutung
— - Noch einmal Fürstenkritik
Als Ergänzung zum Thema „Politik“:
Schiller, „Die schlimmen Monarchen“ – angeregt durch Schubarts „Die Fürstengruft“.
https://www.friedrich-schiller-archiv.de/gedichte-schillers/anthologie-auf-das-jahr-1782/die-schlimmen-monarchen/
— - Volkstümliche Sprache statt Regelpoetik
Statt gelehrter Regeln suchen die Dichter eine einfache, ausdrucksstarke Sprache. Wichtiger Hintergrund dafür ist Herders Sammlung von Volksliedern.
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Das beste Beispiel ist Goethes „Heidenröslein“ (1771). Das Gedicht klingt bewusst wie ein altes Volkslied: einfache Strophen, Kehrreim („Röslein, Röslein, Röslein rot, / Röslein auf der Heiden“), kaum schwierige Wörter. Die Verbindung zu Herder ist sehr direkt, denn Herder hat das Gedicht 1773 selbst veröffentlicht, als Beispiel für echten Volksliedton. Viele hielten es lange für ein altes, anonymes Volkslied.
https://textaussage.de/goethe-heideroeslein-kreativ-kritisch-erweitert
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Als zweites Beispiel eignet sich Bürgers „Lenore“ (1773). Die Ballade ist im volkstümlichen Erzählton geschrieben und hat eine starke, lautmalerische Sprache („Und hurre hurre, hop hop hop!“). Sie hat damals ganz Europa begeistert.
https://textaussage.de/gottfried-august-buerger-lenore-eine-schauerballade-mit-religioeser-mahnung
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Weitere Infos, Tipps und Materialien
Weitere Infos, Tipps und Materialien
- Themenseite – Sturm und Drang – endlich Durchblick
Überblick über die Epoche mit ihren wichtigsten Merkmalen, Autoren und Werken. - „Sturm und Drang“ – Sammlung interessanter Gedichte (nach Autoren)
Vor allem im Hinblick auf Klassenarbeiten und Klausuren interessant. - Gedichte des „Sturm und Drang“ – nach Themen geordnet
Übersicht über die Gedichte der Epoche, sortiert nach Themenbereichen. - Gedichte: Wie interpretiert man sie schnell und sicher?
Grundlegende Anleitung zur Gedichtinterpretation. - Infos, Tipps und Materialien zu weiteren Themen des Deutschunterrichts
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